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Theoretischer Badespaß in sechs Varianten: Worüber Borna nicht mehr abstimmen wird

Freibad Wyhraaue Theoretischer Badespaß in sechs Varianten: Worüber Borna nicht mehr abstimmen wird

Der (theoretische) Zeitplan zum Wiederaufbau des Freibades Wyhraaue in Borna hatte vorgesehen, dass in diesen Tagen die Baufahrzeuge an der Wyhraaue anrollen. Jetzt ist alles anders. Dabei waren die Hausaufgaben längst gemacht.

Eisige Zeiten liegen hinter dem Freibad in Borna. Mit dem Bürgerbegehren soll das Leben zurückkehren.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna.  Die Arcadis Deutschland GmbH hatte vor gut einem Jahr prophezeit: Im März 2016 könnten im Freibad an der Wyhraaue die Bagger rollen. Und das Bad pünktlich vor den Sommerferien 2016 eröffnen. Dem vorausgegangen war eine Variantenprüfung des Ingenieurbüros von sechs Standorten. Seitdem ist viel und vor allem nichts passiert. Welche Standorte geprüft wurden und was dafür und dagegen gesprochen hat – eine Übersicht:

Variante 1 – der Hartplatz

Bekam von den Planern schließlich das Prädikat „eingeschränkt geeignet“. Die Grundfläche von knapp 21 000 Quadratmetern war ausreichend, auch die Zentrumsnähe und die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln waren Kriterien, die den Festplatz als neuen Standort für das Bornaer Freibad in die engere Wahl hätten rücken lassen. Nachteil: Neben dem an sich nicht optimalen Baugrund hätte auch ein Ersatzstandort für die Nutzung als Festplatz gefunden werden müssen.

Variante 2 – Fläche am Landratsamt

Der Standort der ehemaligen Kaserne hätte allenfalls die Aussicht der rückwärtig gelegenen Büros der Kreisverwaltung verbessert. Ansonsten sprachen aus Sicht der Planer von Arcadis eine von vornherein eingeschränkte Nutzbarkeit (Denkmalschutzbelange) der ohnehin schon zu kleinen Fläche (knapp 10 000 Quadratmeter) gegen diesen Standort.

Variante 3 – Freibad Wyhraaue

Wo vorher schon ein Freibad war, kann auch künftig eins sein. Weswegen das Ergebnis der Ingenieure nicht verwundern kann, dem bisherigen Bad die „grundsätzliche Eignung“ aufzustempeln. Bei einem entsprechenden Stadtratsbeschluss im Juli 2015 hätte – die entsprechenden Ergebnisse zum Baurecht und eine sichere Finanzierung vorausgesetzt – dieser Tage Baustart sein können. Mit 1,9 Millionen Euro Gesamtkosten hatte das Planungsbüro auch die Kosten der Bad-Renaissance durchanalysiert. Ein politisches Tauziehen im Bornaer Stadtrat um das Wahlversprechen der Oberbürgermeisterin versenkte alle Theorien auf dem Grund des Schwimmerbeckens.

Es wird indes immer wahrscheinlicher, dass vor den Sommerferien 2018 niemand in ein Bornaer Freibad, egal an welchem Standort, abtauchen wird. Stadtratsbeschluss für den Abriss des alten Bades und das für zulässig beschiedene Bürgerbegehren (am 22. Mai) haben den theoretischen Zeitplan umgestürzt. Mindestens ein Jahr Zeit dürfte zwischen den Fraktionstischen verloren gegangen sein.

Variante 4 – Grundschule Gnandorf:

Hauptargument gegen ein Freibad auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule im Neubaugebiet: kein Platz. Mit nicht einmal 5000 Quadratmetern Nutzfläche wäre es schon neben dem Nichtschwimmerbecken eng auf der Liegewiese geworden. Zudem sprachen aus Sicht der Planer eine schutzwürdige Bebauung in unmittelbarer Baunähe gegen eine ernsthafte Vertiefung dieser Standort-Idee.

Variante 5 – Sportplatz Borna-Ost:

Der zweite (neben dem Hartplatz) denkbare Standort für ein Freibad, dem die Planer des Berliner Büros eine „eingeschränkte Eignung“ zugesprochen haben. Groß genug und im Eigentum der Stadt. Nachteil: Ein zeitlich aufwendiges Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes wäre erforderlich und durch die zu schützende Bebauung in der unmittelbaren Nachbarschaft würde sich die Nutzfläche (brutto 26 600 Quadratmetern) noch einmal verringern. Auch den nicht optimale Baugrund werteten die Ingenieure bei der Standortuntersuchung als Nachteil.

Variante 6 – Schwimmhalle Jahnbad Borna:

Ist favorisierter Standort der Befürworter zur Entwicklung eines Sportcampus nahe der Schule in Borna-West. Wertung des Planungsbüros: mit 4400 Quadratemetern der kleinste aller in Erwägung gezogenen Standorte – und damit deutlich zu klein und ungeeignet.

Diese sechs Varianten wurden der Öffentlichkeit einmal im Bornaer „Stadtgespräch“ vorgestellt. 150 Einwohner waren damals anwesend. Darüber hinaus hat die Standortdiskussion quasi nicht mehr stattgefunden. Die Planungen liegen seither auf Eis. Jetzt soll am 22. Mai ein Bürgerentscheid endgültig Klarheit darüber bringen, was die Mehrheit der Bornaer über das Vorhaben an sich denkt. Luedtke sieht das Projekt noch nicht auf der Zielgeraden. „Mit der Zulässigkeit des Bürgerentscheids ist noch nicht festgestellt, dass das Freibad gebaut wird“, sagte sie. Vorerst müsse die Entscheidung der Bornaer abgewartet werden. Sollte es ein Votum für den Wiederaufbau geben, würde die Kommune die Planungen erneut aufnehmen und das Projekt in den Haushalt einstellen.

Von Thomas Lieb

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