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Thräna statt Afrika - Weißstörche bleiben im Gehege

Thräna statt Afrika - Weißstörche bleiben im Gehege

Während die meisten Weißstörche bereits in ihren Winterquartieren in Afrika oder Südspanien angekommen sind, verbringen drei Rotschnäbel ihre Zeit noch im herbstlichen Thräna.

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Neben Dauerpflegling Heidi (Mitte) bewohnen derzeit noch zwei weitere Weißstörche das Gehege auf dem Grundstück der Familie Spörl in Thräna.

Quelle: Olaf Becher

Thräna. Storchenfreund Jörg Spörl kümmert sich täglich um die majestätischen Vögel, die aufgrund ihrer teils schweren Verletzungen nicht ganz unfreiwillig hier sind und gemeinsam ein großes Gehege bewohnen. Die bekannteste von ihnen ist Störchin Heidi.

Der Dauerpflegling fühlt sich bereits seit über einem Jahr bei den Spörls wohl. Im vorigen Jahr in Rötha geschlüpft, führte ein Gen-Defekt damals zu einem unterschiedlichen Wachstum der Flügel. Deshalb stürzte der Vogel beim ersten Flugversuch ab und brach sich die rechte Schwinge (die LVZ berichtete). Nun erhält er auf dem Thränaer Hof sein Gnadenbrot. Seit einigen Wochen hat Heidi vorübergehend Gesellschaft bekommen. Ein Jung- und ein Altstorch kurieren bei den Spörls gegenwärtig ihre Verletzungen aus, die sie sich bei Flugkollisionen zugezogen haben.

Der Storchenvater hofft bei den beiden auf eine baldige Genesung. Aber selbst wenn der Winter noch dazwischen kommen sollte, würde dies den Rotschnäbeln nichts ausmachen. Immer öfter wurden in den letzten Jahren Störche beobachtet, die sich den Flug gen Süden ersparten. "Mit ausreichender Nahrung kommen die Tiere auch bei Schnee und Kälte zurecht", weiß der 51-Jährige, der sich schon seit den 90er Jahren um Weißstörche kümmert.

Doch auch ein frei lebender Adebar konnte sich in diesem Jahr nicht so recht vom Spörl`schen Grundstück am Lindenplatz trennen. Erst am 6. November machte sich die Störchin vom Kamerahorst auf den Flug ins Winterquartier. Gemeinsam mit ihrem Brutpartner Namens "August der Starke" zog die Henne über den Sommer drei Jungtiere in dem 15 Meter hohen Nest groß. Der Nachwuchs verließ bereits Ende Juli die Kinderstube und der Partner folgte Mitte September. Dagegen machte die Störchin diesmal zunächst keine Anstalten zum Abflug. "Dieses Jahr war schon ungewöhnlich, zumal sie überaus zeitig am 23. Februar aus den südlichen Gefilden hier ankam. Dann paarte sie sich erst mit einem anderen Hahn, so dass diesmal die Brut von zwei verschiedenen Männchen im Nest lag", erklärte Spörl.

Nach der Saison blieb die Adebarin fast zwei Monate allein zurück und ging den ganzen Tag über auf den umliegenden Feldern und Wiesen auf Nahrungssuche. Erst mit dem Einbruch der Dämmerung kehrt sie zum Horst zurück. "Für den Flug ins Winterquartier ist es zwar recht spät, doch immer noch möglich. Wahrscheinlich gehört sie zu den Westziehern, die in Spanien oder dem nördlichen Afrika überwintern", schätzt Spörl, von Beruf Busfahrer, ein. Nun wünscht er sich, dass die Weißstorchendame ohne Probleme ihr Ziel erreicht und im kommenden Frühjahr wieder gesund zurückkehrt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.11.2014
Olaf Becher

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