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Borna Tinte unterm Pödelwitz-Vertrag
Region Borna Tinte unterm Pödelwitz-Vertrag
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04:00 17.11.2012
Blick auf Pödelwitz. Quelle: Jakob Richter
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Groitzsch

Diejenigen, die im Dorf bleiben wollen, kamen nicht zu der Veranstaltung.

Beifall brandet auf, als Joachim Geisler, Chef der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag), den Füller zückt – und damit im voll besetzten Saal des Kulturhauses das Ende von Pödelwitz besiegelt. „Der Vertrag ist für beide Seiten ein Kompromiss. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, und uns wurde es auch nicht leicht gemacht", gibt der Vorsitzende der Geschäftsführung zumindest einen kleinen Einblick in das, was in den vergangenen drei Jahren hinter verschlossenen Türen passierte. „Wir werden ohne Wenn und Aber diese Verträge erfüllen, das sind wir den Bürgern von Pödelwitz schuldig." Mit der Unterzeichnung des sogenannten Pödelwitz-Vertrages sowie des Nachbarschaftsvertrages mit der Stadt Groitzsch kann nun ein neues Kapitel im Leipziger Südraum beginnen. „Wir gehen jetzt gemeinsam daran, für die Pödelwitzer annehmbare Lösungen für ihren Umzug zu finden", blickt Maik Kunze (CDU), der Bürgermeister von Groitzsch, nach vorn. Der Nachbarschaftsvertrag enthält unter anderem Klauseln, die mögliche Tagebau-Belastungen für umliegende Orte, beispielsweise Großstolpen, reduzieren sollen: Lärm- und Staubschutz, Anpflanzungen. Nach Auskunft von Mibrag-Chef Geisler könnten die ersten Umzugswilligen sofort die dafür notwendigen Vereinbarungen mit seinem Unternehmen treffen: „Der Umzug kann beginnen." Schon im nächsten Jahr könnten dann die Möbelwagen durch Pödelwitz rollen – das betrifft diejenigen, die sich bereits ein neues Haus in der Region ausgesucht haben. Zudem bereitet die Stadt Groitzsch gerade das Wohngebiet Am Schiefen Weg vor, wo acht bis zehn Grundstücke entstehen werden. Dort könnte eine Gruppe aus Pödelwitz, ähnlich wie damals viele Familien aus Heuersdorf, gemeinsam bauen und wohnen. Ob sich dadurch auch die Bleiber – jene Familien, die ihren Heimatort nicht freiwillig verlassen wollen – zum Umdenken bewegen lassen, ist allerdings fraglich. Momentan lassen sich diese Pödelwitzer durch einen Rechtsbeistand beraten. Eine Klage á la Heuersdorf könnte also möglich sein. Mibrag-Chef Geisler hofft auf ein Einlenken und zeigt sich gesprächsbereit: „Unser Angebot steht. Wir können vernünftige Regelungen für jeden finden." Doch den bleibewilligen Pödelwitzern geht es nicht vordergründig um Entschädigungen: „Das ist Heimat, die man nicht so einfach für ein paar Euro verkauft", sagt Thilo Kraneis, der sich weiterhin den Verhandlungen widersetzen will. Wohin dieser Weg führen könnte, hat das Beispiel Heuersdorf gezeigt.

Andreas Debski

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