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Tintenfass, Turmzimmer und Thesenanschlag

Tintenfass, Turmzimmer und Thesenanschlag

Nach dem Lutherstück ist vor dem Lutherstück. Nachdem klar ist, dass "Luther und seine Bornaer", die beim Lutherfest im Spätsommer in zwei Aufführungen zu erleben waren, nicht wieder zu sehen sein werden, hat Autor Michael Potkownik erklärt, dass er das nächste Stück, das sich um den Reformator Martin Luther dreht, bereits fertig ist.

Borna. Darin steht Luthers Aufenthalt auf der Wartburg im Mittelpunkt.

Der Mann sprüht vor Ideen. Und mit Luther scheint Potkownik, einstmals E-Lok-Fahrer und studierter Bergbautechniker, der seit 1979 einen Reifenhandel in Borna betreibt, sein Thema gefunden zu haben. Jedenfalls scheint ihm der Reformator ergiebig genug, um von einer Lutherquinte zu sprechen. Bis zum Reformationsjubiläum, sagt der 63-Jährige könnte es Jahr für Jahr ein Theaterstück zu Luther in Borna geben.

In dieser Idee kann er sich vom zweifellos überwältigenden Erfolg der zweimaligen Aufführung des Stücks "Luther und seine Bornaer" beim Lutherfest Ende August bestärkt fühlen. Für dieses Stück wie auch für weitere Werke hat Potkownik ein Fundament, von dem sich zehren lässt. Der Mann hat in seinem Schreibtisch ein Manuskript, in dem es um einen Priester im seinerzeitigen Kloster Pegau geht, das Anfang des 16. Jahrhunderts die Patronatsherrschaft über die Stadt Borna hatte. Daraus entstand das erste Lutherstück, nachdem Superintendent Matthias Weismann Potkownik aufgefordert hatte, eine spielbare Vorlage zu entwickeln. "Das ist dann in vier Stunden passiert", sagt der Autor, für den Schreiben sichtbar keine Mühe, sondern Bedürfnis ist. Wobei sich der Begriff weit fassen lässt. Er hat eine Sammlung von "Worten zum Tage", also dem, was als Morgenandacht jeden Wochentag 6.35 Uhr über den Deutschlandfunk geht.

Ideen kommen Potkownik oft, wenn er mit dem Hund spazieren geht. Er wandert dann sozusagen geistig aus, um später alles zu Papier zu bringen. So ist es auch mit seinem neuen Lutherstück geschehen. Das hat Luther während seines Aufenthalts 1521 bis 1522 auf der Wartburg zum Inhalt, wo er bekanntlich das Neue Testament übersetzte. Potkownik geht es vor allem um die berühmte Szene, in der Luther mit dem Tintenfass nach dem Teufel wirft. Für den Mann, der mit 18 Jahren aus der evangelischen Kirche aus- und vor einigen Jahren wieder eintrat, der Moment, in dem Luther der Versuchung standhält. Darum soll es beim nächsten Lutherfest gehen, während eine zweite Idee, die Luthers Erlebnis im Turmzimmer des Wittenberger Klosters und sein Begreifen Gottes als eines nicht strafenden, sondern liebenden Gottes zum Inhalt hat, später umgesetzt werden soll.

Beide Themen lassen sich Potkownik zufolge anders anlegen als sein Erstling im Sommer. Ein Kammerstück dürften die Besucher an der Stadtkirche dennoch kaum erleben. Schließlich waren es gerade die Massenszenen, in den die Darsteller beim ersten Lutherstück ihrem und Potkowniks Affen Zucker geben konnten. Die Darsteller haben sich mittlerweile bereits getroffen. Vor ihnen liegt auch eine Aufführung beim Schillerfest in Kahnsdorf im nächsten Jahr. Fest steht, dass Lutherdarsteller Rolf Schellig auch 2014 wieder den Reformator geben wird. Klar ist zudem, dass Potkownik das neue Lutherstück nicht nur auf der Wartburg spielen lässt. Er denkt auch an einen Bezug zur Gegenwart. Die ersten Einweisungen der Mitwirkenden sollen dann zu Anfang des nächsten Jahres erfolgen.

Der Autor hat noch viel vor. Für ihn steht fest, dass das weltgeschichtlich bedeutende Ereignis des Wittenberger Thesenanschlags vor 500 Jahren auf der Bornaer Bühne eine Rolle spielen muss.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.12.2013
Nikos Natsidis

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