Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Tödlicher Zusammenstoß: Verursacherin kommt mit Geldstrafe davon

Gerichtsbericht Tödlicher Zusammenstoß: Verursacherin kommt mit Geldstrafe davon

Nach einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang verurteilt das Amtsgericht Borna die Unfallverursacherin zu einer Geldstrafe von 3600 Euro. Der Vertreter der Witwe hatte eine Gefängnisstrafe gefordert, der Verteidiger Straffreiheit.

Das Amtsgericht Borna verurteilt eine Groitzscherin zu einer Geldstrafe.

Quelle: LVZ

Borna. Wie genau es zu diesem schrecklichen Verkehrsunfall kam, der jetzt am Amtsgericht Borna verhandelt wurde, ist nicht mehr aufzuklären. Das Unfallopfer, ein Familienvater aus Leipzig, der kurz vor dem Ruhestand war, ist tot. Und die Verursacherin, Karen E. *, eine 52 Jahre alte Frau aus Groitzsch, kann sich an nichts erinnern. Weil nach Zeugen und Gutachteraussagen sie allein die Schuld an dem Unfall trägt, musste sie sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Dafür sieht das Gesetz Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren vor.

Am Nachmittag des 4. Mai 2015 verließ Christoph Z.* mit seinem VW Golf gerade Zwenkau auf der Bundesstraße 186 in Richtung Markranstädt. Das Wetter war gut, die Straße trocken. Er hatte soeben einen Lkw überholt, dessen Fahrer den Überholvorgang später als normal und unkritisch beschrieb. Der Golf war mit rund 100 Kilometern je Stunde unterwegs. Kurz danach, in einer lang gezogenen Kurve, kam ihm plötzlich auf seiner Fahrbahn ein Wagen entgegen. Karen E., auf dem Heimweg von der Arbeit in Halle, war bei rund 75 bis 85 Km/h nach links ausgeschert. Z., das bescheinigen die Gutachter, hatte keine Chance, den Zusammenstoß zu verhindern. Er starb in seinem Auto an mehreren schweren Verletzungen.

Die Umstände waren klar und eindeutig, die Angeklagte konnte nichts zum Unfallhergang sagen, räumte aber auf Grund der Aktenlage, wie ihr Verteidiger sagte, ihre alleinige Schuld am Unfall ein. Auf die Vernehmung von Zeugen und Gutachtern verzichtete das Gericht daher.

Dennoch stand die Kammer vor einer äußerst komplizierten Frage, darüber immerhin waren sich Richter, Verteidiger, Staatsanwalt und der Vertreter der Witwe als Nebenklägerin einig: Wie bestraft man die Unfallverursacherin. In ihrer Schlussfolgerung und Bewertung lagen sie dann doch gehörig auseinander.

Staatsanwalt Dennis Michalski leitete sein Plädoyer mit der Feststellung ein: Das kann jedem passieren. „Eine kleine Unaufmerksamkeit und schon hat man ein Menschenleben auf dem Gewissen.“ Dass die Angeklagte geständig ist und keinerlei Vorstrafen hat, hielt er ihr zu Gute. Dennoch sei sie ganz allein Schuld am tödlichen Unfall. Michalski forderte 120 Tagessätze zu je 30 Euro, also 3600 Euro Geldstrafe.

Für Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Torsten Seiffert eine zu geringe Bestrafung. Er teilte zwar auch die Ansicht, dass ein kleiner Fehler ganz unterschiedliche Folgen haben könne, jedoch seien die „vorhersehbar“. „Ihre Sorgfaltspflichtverletzung“, hielt er der Angeklagten vor, „hatte die schlimmsten denkbaren Folgen“. Völlig anders auch seine Bewertung des Geständnisses und der unter Tränen hervorgebrachten Beileidsbekundungen der Unfallverursacherin: „Diese Reue hat auch jeder, der an der roten Ampel geblitzt wird“, sagte Seiffert und forderte sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Verteidiger Wolfgang Borchert wollte dagegen einen Schuldspruch mit gänzlicher Straffreiheit für seine Mandantin herausschlagen. Das lasse das Gesetz zu, wenn der Unfallverursacher durch eigene Verletzungen geschädigt sei. Karen E., führte er ins Feld, werde durch physische und psychische Spätfolgen „ein Leben lang an diesen Unfall erinnert“ werden.

Richter Thomas Sternberger folgte mit seinem Urteil exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch wenn die Ursache des Ausscherens nach links nicht erklärbar sei, sagte er in der Begründung, sei die auf jeden Fall in einem Verhalten der Angeklagten zu suchen. „Vielleicht hat sie das Radio verstellt, hat das Handy geklingelt oder sie hat eine Zigarette angezündet“, nannte er Denkbares. Die Folgen seien der Angeklagten jedoch nur bedingt zuzuschreiben. Ob ein Fehler zu einem Blechschaden führt oder zum Tod, „kann sie nicht mehr beeinflussen“.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Namen geändert

Von André Neumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
Borna in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04552

Ortsvorwahlen: 03433

Stadtverwaltung: Markt 1, 04552 Borna

Ein Spaziergang durch die Region Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

16.12.2017 - 20:20 Uhr

Mein bebildeter Bericht beinhaltet Fußball und Weihnachtliches.

mehr
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr