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Träumen im duftenden Lindaer Heu: Zwickers Herberge macht's möglich

Träumen im duftenden Lindaer Heu: Zwickers Herberge macht's möglich

Blühende Obstbäume und grasende Kühe vor dem großflügligen hölzernen Tor. Dahinter, etliche schmale Stiegenstufen hoch über der Durchfahrt, knisterndes, duftendes Heu.

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Eine Heuboden-Herberge haben Kathrin und Lothar Zwicker in Linda geschaffen. Hier können Gäste ab Sonnabend ihre Schlafsäcke ausrollen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis/Linda. Ein Platz, der förmlich einlädt zu Einkehr, zu Rast und Ruh. Anderthalb Jahre haben Kathrin und Lothar Zwicker an ihrer Heuboden-Herberge im Kohren-Sahliser Ortsteil Linda gebaut. Dem Eröffnungstag am 16. Mai sehen sie mit Spannung entgegen.

"Wer sich umschauen will bei uns, der ist ab 10 Uhr willkommen", sagen beide, die mit Herz und Seele Lindaer und der Landwirtschaft verbunden sind0. Probeliegen im Heu sei am Sonnabend kein Problem, und gefeiert werde an diesem Tag mit all den Verwandten und Freunden, die bei der - denkmalgerechten! - Sanierung und dem Umbau des 150 Jahre alten Gebäudes Hand anlegten. Künftig wollen Zwickers in ihrem Domizil, das von Mai bis Oktober nutzbar ist, ein Dach bieten für Wanderer, die auf Lutherweg unterwegs sind, oder Pilgern auf der Via Pophyria. Ausflüglern, Radlergruppen selbstredend.

 

 

Die hallengroßen Durchfahrt, in der einst die Heuwagen entladen wurden, dient als uriger Aufenthaltsraum und kann auch zu Feiern genutzt werden. "Ein richtiger Bauernhof, der hat mich immer begeistert", sagt Lothar Zwicker, Ur-Lindaer, der mit seiner Frau in der unmittelbaren Nachbarschaft einen kleineren Hof bewirtschaftet. Anfang der neunziger Jahre hatten sich beide - sie ist Zootechnikerin, er arbeitete als Maurer in der LPG - als Landwirte selbstständig gemacht. Knapp zwei Jahrzehnte betrieben sie mit einer überschaubaren Herde Milchproduktion und Ackerbau auf bescheidenen 28 Hektar. 2010 gaben sie das Geschäft mit der Milch - das angesichts des Preisdrucks wenig rentabel, wenig berechenbar geworden war - auf, und betreiben seither Mutterkuh-Haltung.

Ein Abschied, den Lothar Zwicker bis heute nicht ganz verwunden hat: "Die Gesellschaft setzt auf Großbetriebe. Da können wir nicht mithalten."

 

 

Der Kauf des Vierseithofes nebenan geschah aus dem Willen, das aus dem 19. Jahrhundert stammende Anwesen zu bewahren. Vor Jahrzehnten seien seine Besitzer vielen Lindaer Bauern vorausgewesen mit selbst entwickeltem Heuaufzug, elektrischer Jauchepumpe, Rübentransport per Transmissionen. Von dieser Pracht ist heute nichts mehr zu erkennen - sieht man ab vom Heuspeicher an der wegschmalen Straße, in dem die Herberge entstand.

"Vor Arbeit haben wir keine Scheu", sagt Lothar Zwicker. Bis auf das Mauerwerk habe man das Gebäude erneuert, habe historischen Balken in der gesamten Region aufgetrieben und verbaut. Zwei große Schlafboxen, gefüllt mit Heu und versehen mit Vorhängen aus grobem Stoff, warten auf müde Gäste, die hier ihren Schlafsack ausrollen. Wem Heu nicht behagt oder in die Nase steigt, kann eines von zwei rustikalen Zimmern nutzen. In eines kommen demnächst Eisengestellbetten von anno 1860. Bei aller Einfachheit: Morgenhygiene an der Hofpumpe ist nicht vorgesehen. Es gibt Toiletten und Gemeinschaftsduschen. Und Rauchmelder hoch oben im Gebälk: Zigaretten und offene Flammen sind, was nicht verwundern kann, tabu. Zwickers sind Mitglieder im Fremdenverkehrsverband Kohrener Land und wollen ihr Domizil auch hierüber vermarkten.

 

 

"Im Spreewald haben wir uns mehrere solcher Herbergen angeschaut, auch im Vogtland", sagt Kathrin Zwicker. Bei der Umsetzung des Konzeptes habe sie der Kohrener Bauamtsmitarbeiter und Architekt Volker Tracksdorf unterstützt, betonen die Lindaer.

 

 

Haus eins ist nun fertiggestellt, doch der Hof zählt drei weitere: Wohnhaus aus Fachwerk, Schweine- und Pferdestall, Scheune. Der Bauzustand: beklagenswert. Doch längst haben Lothar Zwicker und seine Frau mit Aufräumen begonnen. Und mit dem Entwickeln neuer Nutzungsideen, um der historischen Bausubstanz, prägend für das Kohrener Land, eine Zukunft zu geben. Jede Menge Raum für Selbstverwirklichung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2015
Ekkehard Schulreich

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