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Trauer und Spekulationen nach Doppelmord in Groitzsch

Trauer und Spekulationen nach Doppelmord in Groitzsch

Groitzsch. Zwei Tage nach der schrecklichen Bluttat von Groitzsch liegt die Stadt wie unter einem Schleier. Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes untersuchen die Landwirtschaftshalle in der Langendorfer Straße, ein gutes Dutzend Medienvertreter berichtet live vom Tatort, vereinzelt kommen Spaziergängergruppen an dem entlegenen Ort vorbei und wollen ein Blick auf das Geschehen haschen.

In der Nacht zum Sonntag sind hier der 19-jährige Patrick B. und der 23-jährige Denis H. aus Groitzsch mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet worden. Mittlerweile hat jemand Blumen und Kerzen für sie abgestellt. Eine 70-köpfige Sonderkommission „Schrott“ hat die Ermittlungen aufgenommen.

Patrick (19) und Denis (23) – zwei junge Männer aus Groitzsch. Sie sind hier zur Schule gegangen, sollen das Abitur abgebrochen haben. Gymnasiumsleiter Stefan Treuger will sich dazu nicht äußern, auch Roman Schulz vom Regionalschulamt Leipzig hält dicht. „Wir werden dazu nichts sagen. Der Fall hat mit der Schule wirklich nichts zu tun. Wir sind alle genauso betroffen.“ Nur wenige Befragte in Groitzsch kannten die beiden Opfer, die scheinbar unauffällig und zurückgezogen lebten. Denis soll mal Fußball gespielt haben. Dazu Kai Ludwig vom örtlichen Sportverein: „Ja, er ist mal kurzzeitig bei uns gewesen. Aber das ist lange her. Der Name sagt mir noch was, ich hatte irgendwann mal seinen Spielerpass in den Händen. Aber er hat nicht alle Jugendmannschaften bei uns durchlaufen.“

Die ehemalige Landwirtschafthalle in der Langendorfer Straße wurde am Montag von Kriminaltechnikern untersucht. Immer wieder laufen Spaziergänger vorbei und erkundigen sich nach Neuigkeiten. Eine 76-Jährige ist mit ihrem Hund unterwegs. „Ich habe Angst“, sagt sie unserer Zeitung, „gerade ältere Leute werden jetzt gar nicht mehr abends rausgehen. Die Stimmung in Groitzsch ist bescheiden.“ Ein Pegauer, der in der Zeitung von dem Doppelmord gelesen hat, wollte sich das Umfeld näher ansehen. „Es ist traurig, was hier passiert ist. Aber wegen ein bisschen Schrott kann man doch keinen erschießen.“ Auch Gisela Tretschok aus Groitzsch glaubt nicht an einen Racheakt in der Schrottsammlerszene. „Das hat nichts mit Schrottdiebstahl zu tun“, ist sie überzeugt, „dort draußen gibt es doch gar keinen. Ich denke eher an einen politischen Hintergrund.“ Für Ruth Heynold sind die drei Groitzscher Morde ebenfalls Briefe mit sieben Siegeln. „Das ist furchtbar, was in unserer Stadt passiert ist. Ich gehe abends gar nicht mehr raus. Mir ist nur schleierhaft, wie jemand zu diesen scharfen Waffen kommen kann und damit jemand erschießt. Ich hoffe, dass die Ermittler bald eine Spur finden.“ Anni Bunk schaute sich den Tatort in der Langendorfer Straße aus der Ferne an: „Ich bin neugierig und wollte nur mal gucken, wie es hier draußen aussieht“, gibt sie ehrlich zu. Angst vor weiteren Anschlägen hat sie nicht. „Ich fühle mich schon sicher in Groitzsch.“

Thea Krostitz (84) und ihr Mann wohnen unmittelbar neben der alten Landwirtschaftshalle. „Jeder macht in seinem Leben was mit“, sagt die Rentnerin mit Tränen erstickter Stimme, „aber das hier ist der Höhepunkt“. Seit der Tatnacht habe sie kaum geschlafen. „Als es am Sonnabend das zweite Mal geknallt hat, bin ich schnell ins Schlafzimmer gerannt und habe geguckt, was das ist. Auf dem Markt war ja kulinarisches Stadtfest, und wir dachten schon, es findet ein Feuerwerk statt. Aber es war nichts zu sehen. Dann kam auch schon die Polizei und wir wussten, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.“

Die alte Lagerhalle wurde zu DDR-Zeiten als Trockenwerk für Tierfutter genutzt. Nach der Wende hatte sich zehn Jahre lang ein Baubetrieb niedergelassen, doch mittlerweile steht das Gelände schon lange Zeit leer. Immer wieder seien hier Unbekannte unterwegs gewesen und haben in den Hallen genächtigt, wissen die Nachbarn. „Hier gab es schon öfter Theater“, erinnert sich Thea Krostitz. Erst vor einer Woche habe sie eine seltsame Begegnung am Gartenzaun gehabt. Ein Mann kam mit einer Aktentasche unter dem Arm aus dem hinteren Bereich des Nachbargrundstücks gelaufen. Er war schätzungsweise 20 bis 25 Jahre alt. „Er ist sehr schnell gelaufen und hat auch gar nicht hochgeguckt. Ich wollte ihn erst ansprechen, habe es dann aber sein lassen.“ Knapp eine Stunde später kam der selbe Mann noch einmal von vorn über das Nachbargrundstück. „Schnurstracks, ohne hochzublicken. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen.“

Eine andere Groitzscherin, die unerkannt bleiben möchte, berichtet von Drogengeschäften in der leerstehenden Halle. Derartige Aktivitäten seien ein offenes Geheimnis in der Stadt. Die Polizei wollte das nicht kommentieren.

Kathrin Haase

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