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Borna Trendsportart Parkour: Pegauer Oberschüler gehen über Tische und Bänke
Region Borna Trendsportart Parkour: Pegauer Oberschüler gehen über Tische und Bänke
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Beim Parkour geht es darum, eine Strecke mit Hindernissen schnell und effizient zu meistern. In der Oberschule Pegau dienen Turngeräte als Hindernisse. Quelle: Julia Tonne
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Pegau

Ein Stadtbummel mit ihren Eltern sieht bei der zwölfjährigen Neele etwas anders aus als bei anderen Familien. Von Gemütlichkeit keine Spur, vielmehr hüpft das Mädchen über Bänke, Steine, springt an Wänden hoch und über Treppengeländer drüber und landet wieder sicher auf beiden Füßen. Damit ist Neele eine von vielen, die die Sportart "Parkour" für sich entdeckt haben.

Seit einem Jahr bereits bietet Sportlehrer Christoph Schein das Hindernis-Training an. In der Turnhalle müssen dafür die üblichen Geräte wie Bock und Pferd herhalten, auf den Matten hingegen üben die derzeit 15 Schüler die richtige Falltechnik und das Abrollen.

Die große Nachfrage hat selbst den Lehrer überrascht, so dass er nun zwei Gruppen bilden muss. Während sich die Fortgeschrittenen schon an höhere Sprünge und schwierige Hindernisse wagen, trainieren die Anfänger noch an Bänken, um dort Geschick und Koordination zu verfeinern.

Parkour leitet sich vom Hinderniskurs beim Militärtraining ab. Es geht darum, dass der Traceur - so die Bezeichnung der Läufer - eine Strecke mit Hindernissen möglichst schnell und effizient meistert. Die Hindernisse werden dafür nicht extra aufgebaut, sondern finden sich sowohl im Großstadtdschungel als auch in der freien Natur. Mehrmals in der Woche joggt Schein nach dem Unterricht - "und damit die Herausforderung größer ist, baue ich eben auch Hindernisse wie Baumstämme und Steine ein".

Obwohl es in Leipzig mittlerweile Parkour-Anlagen gibt, ist der Lehrer dort selten zu finden. "Natürliche Hindernisse sind einfach spannender", macht er deutlich.

In Pegau sind bisher lediglich zwei Mädchen bei dieser Sportart dabei. Neben Neele trainiert auch Kemi einmal in der Woche. Die Sportart kennt sie bereits von ihrem Vater und ihrem Bruder. "Wie gemeinsame Familienausflüge aussehen, kann man sich vorstellen", sagt die Elfjährige. Sie rät übrigens genau wie Schein davon ab, ungeübt Hindernisse bewältigen zu wollen. Eine ordentliche Erwärmung vorab und eben die Grundtechniken sind unabdingbar, um unfallfrei über Tische und Bänke zu gehen. Und die Erwärmung sollte fast jedes Körperteil beinhalten, denn nur wer kräftig genug ist und Ausdauer hat, meistert das Springen gegen Wände und über Mauern ohne Blessuren.

Die Faszination vieler Traceure liegt darin, dass es keinerlei Normen gibt, wie bestimmte Hindernisse überwunden werden müssen. "Jeder kann es so machen, wie er es am besten kann", sagt Schein. Vorgaben gebe es nicht. Auch die notwendige Ausrüstung halte sich in Grenzen: lockere Kleidung und ein Paar gute Turnschuhe. Eines aber dürfen seine Schüler nicht: sich selbst überschätzen. Von daher ist das Training so gestaltet, dass jeder der Nachwuchs-Traceure lernt, Gefahren und sein Können einzuschätzen.

Julia Tonne

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