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Tross auf dem Weg nach Peres

Tross auf dem Weg nach Peres

Der Riese ist 95 Meter lang, 32 Meter breit, 40 Meter hoch und wiegt 2350 Tonnen. Mit sechs Metern pro Minute bewegt der Schaufelradbagger des Bergbauunternehmens Mibrag sich auf das neue Tagebaufeld Peres zu.

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Gigantische Technik: Das Schaufelrad des Baggers hat einen Durchmesser von elf Metern.

Quelle: Thomas Kube

Neukieritzsch/Groitzsch. Gestern früh überquerte der Gigant zwischen Neukieritzsch und Groitzsch die Bundesstraße 176.

 

 

Es knirscht mächtig unterm Raupenfahrwerk, als der Bagger die Bundesstraße passiert. 2200 Kubikmeter Kies kippten Mibrag-Mitarbeiter auf dieses Stück der Trasse, soll doch die erst vor Kurzem eröffnete neue B 176 keinen Schaden nehmen. Meter für Meter kriecht der Koloss seine vorbereitete Piste entlang. Der Bagger mit drehbarem Oberbau, an dessen Spitze sein Schaufelrad mit elf Metern Durchmesser aufragt, führt seit 18. Februar einen Maschinentross an. Gemeinsam mit einem 80 Meter langen Bandwagen und einer Antriebsstation wechselt er seinen Arbeitsplatz. Lange hat er in Schleenhain Abraum gebaggert, über 60 000 Kubikmeter pro Tag. Jetzt soll er im neuen Feld Peres zum Einsatz kommen.

Wie in Zeitlupe schieben sich die drei Großgeräte durch die Landschaft. Ihre riesigen Schwenkarme sehen aus wie Tentakeln von Film-Maschinenmonstern und kommen sich während der Fahrt zuweilen recht nah, so als wollten sie sich anfassen. Selbst Bergleute können sich dieser Faszination nicht entziehen und zücken die Kameras. Auch Lars Ruhland. Der 27-jährige Mibrag-Ingenieur steht in etwa 20 Metern Höhe auf dem Schaufelradbagger. Der Wind pfeift ihm um die Ohren, es beginnt zu nieseln, doch der junge Mann muss noch ein Foto machen - vom Bagger und seinen Verfolgern. Er zeigt rüber nach Schleenhain und sagt: "Der Bagger musste durch den ganzen Tagebau fahren." Durchs Loch, die Böschung rauf und dann noch ein ganzes Stück auf Kippenboden. Ruhland dreht sich um und weist auf Peres im Norden, das Ziel der 14 Kilometer langen Reise. Es ist nicht mehr weit.

Baggerführer Udo Wendler hat den Koloss die gesamte Strecke gefahren. Er sitzt in seiner kuschlig warmen Kabine, hantiert an der Technik, hört auf die Durchsagen und beobachtet das Terrain. "Es kann schon mal passieren, dass der Boden unter dem Gewicht nachgibt", sagt der 53-Jährige. Dann kommen die Raupen, verfestigen das Gelände, "und dann probieren wir es noch mal". 35 Jahre fährt er schon Bagger, aber trotzdem ist dies hier eine Premiere. "So eine weite Strecke bin ich damit noch nie gefahren", sagt Wendler. Plötzlich springt er auf. "Da müssen wir jetzt mal gucken, nicht dass es Feuerholz wird", meint er, verlässt die Kabine und schaut auf das hintere Raupenfahrwerk. Das überquert gerade einen mit sogenannten Baggermatratzen ausgelegten Graben, Laien würden Holzplatten dazu sagen. Darunter liegt eine sorgsam verpackte Hochspannungsleitung, die abgebaut werden musste, weil der Riese sonst nicht durchgepasst hätte. "Siehste, wie sich die Platten biegen!" meint der Fahrer zu seinem Kollegen. Aber alles geht gut.

Udo Wendler nimmt wieder in seiner Kabine Platz und kommt ins Plaudern. Ja, er mag seinen Job, auch nach den Jahrzehnten: "Es gefällt mir immer noch. Bei uns ist jeden Tag was anderes, viel Abwechslung, ich bin unter Leuten, ist schön hier", sagt der Mann, der in Borna zu Hause ist.

Vor ihm liegen mit seinem 2300-Tonner noch zwei schwierige Kurven, dann verläuft die Trasse einige Hundert Meter geradeaus - Ziel erreicht. Wenn alles klappt, ist er am Abend da. Nach einem Probebetrieb soll ab 2. Mai das Schaufelrad beginnen, die Kohle von Peres freizulegen.

Wegen des Transports ist die Bundesstraße weiträumig gesperrt, nur wenige Zuschauer sind per Rad oder zu Fuß gekommen. Das findet Dieter Kluge, Ortschronist von Regis-Breitingen, ärgerlich. Der 74-Jährige war selbst Bergmann, hat 1967 sieben Transporte von Großgeräten geleitet. "Es ist doch lächerlich, in dieser Art abzusperren, dass kaum einer sich das anschauen kann", meint er. Früher seien bei ähnlichen Ereignisse viel mehr Schaulustige gekommen.

Nach einer guten Stunde ist das Spektakel vorbei. Mibrag-Leute beginnen sogleich, den Kies von der Straße zu räumen. "Es ist sehr gut gelaufen", resümiert Ingenieur Ruhland erleichtert. Ein Jahr lang habe die Planung für diesen Transport gedauert. Was da alles hätte schiefgehen können, will er nicht verraten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2014
Claudia Carell-Domröse

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