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Region Borna Tschüss Borna – Uhle verlässt kommunale Wohnungsgesellschaft Richtung Chemnitz
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00:24 01.01.2016
Der neue Geschäftsführer Jan Czinkewitz (li.) führt den von Sören Uhle (re.) konzipierten Eigenheimstandort in der Theodor-Storm-Straße weiter. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Die Übergabe ist erfolgt. Sören Uhle hat die Tür hinter sich zugemacht. Der ehemalige Geschäftsführer der Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS) wechselt nach dreieinhalb Jahren an der Spitze des Bornaer Unternehmens in die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE). „Ein angemessener Zeitraum“, meinte er an seinem letzten Tag, und nannte den eigenen und den Wechsel an der Spitze der BWS ein gutes Timing. „Ende 2015 hat die Gesellschaft eine solide Stabilität erreicht“, sagte er. Die BWS stehe besser da als vor seiner Zeit. „Der Leerstand macht uns nicht kaputt“, so das Fazit des Managers. Er habe intern und extern harte Brocken gewälzt, die ihn Kraft gekostet hätten. „Deshalb macht ein Übergang jetzt Sinn.“

Am hohen Leerstand der Stadt, die Experten zufolge trotz des Rückbaus immer noch einen Überschuss von 2000 Wohnungen vor sich herschiebt, konnte auch Uhle nichts drehen. Aber er hat umstrukturiert, die Zahl der Mitarbeiter reduziert, die Dienstleitungen des Unternehmens optimiert, Rahmenverträge mit Handwerkern neu ausgehandelt. Durch reduzierte Kosten und langsam steigende Mieteinnahmen hätte die Wohnungsgesellschaft bereits das zweite Jahr in Folge ein positives Jahresergebnis erwirtschaften können, so sein Fazit. Das sei gelungen, ohne die Mieten in die Höhe zu schrauben.

Trotz des schwierigen Marktes in Borna ging die BWS unter Uhle den mutigen Schritt, neue Wohnungen zu bauen. Das Mehrfamilienhaus in der Wettinstraße war nicht nur wegen seiner modernen Architektur umstritten. Heute ist es komplett vermietet. „Hochwertiges Wohnen wird extrem nachgefragt, hier hat Borna eine Lücke“, stellte der BWS-Chef fest. Der Neubau sollte zudem einen Impuls für die Innenstadt geben. „Aber unser Geld verdienen wir in den Wohngebieten“, so das nüchterne Fazit. Hier konnte das Unternehmen den Investitionsstau etwas abbauen. Mit einem Pilotprojekt in der Thomas-Müntzer-Straße verdeutlichte der Vermieter, wie Wohnen in einem Plattenbau aus den 60er-Jahren aussehen kann. Moderne und offene Grundrisse, Balkon und barrierefreie Bäder, erreichbar über einen Lift – haben schnell Interessenten gefunden. Auch der Eigenheimstandort in der Theodor-Storm-Straße wird nachgefragt. Weil Bauland in und um Borna knapp wird, hat die BWS einen alten Rückbaustandort aktiviert. Nahe der Witznitzer Kippe, wo einst ein Wohnblock thronte, werden zehn Jahre nach dem Abriss Parzellen für Häuslebauer geteilt. Hier agiert das kommunale Unternehmen erstmals als Erschließungsträger, hat den Hut auf für Leitungsverlegung und Straßen- sowie Wegebau.

Dieses und weitere Projekte wird Jan Czinkewitz fortführen. Der 41-Jährige ist Anfang Dezember in die Geschäfte eingestiegen. Mit seiner zurückhaltenden, aber offenen Art ist der Hochbautechniker in der Wohnungswirtschaft von den Mitarbeitern herzlich aufgenommen worden. Auf die Frage, was er künftig anders machen werde, antwortet er bescheiden. Kontinuität sei wichtig für den Fortbestand von Bornas größtem Vermieter. Gleichzeitig bittet der 41-Jährige um Ideen, um noch besser zu werden – „in Sachen Service, Wohnungsbestand, Kundenzufriedenheit“. Noch lebt er mit seiner Frau in Leipzig, ein Umzug sei jedoch nicht ausgeschlossen.

Den hat Uhle bereits hinter sich. Dort, wo er arbeitet, möchte er auch leben und sich einbringen. Das zeigte er schon bei vorangegangenen Jobs, die ihn unter anderem nach Schleswig-Holstein geführt hatten. Auch in Borna hat sich Uhle nicht nur auf Vermietung fokussiert. Gemeinsam mit den Stadtwerken sind Events wie das Beach-Turnier im Sommer und die Kinoveranstaltung in der alten Brauerei nahe des Volksplatzes kreiert worden, die Maßstäbe setzten.

Ein erfolgreiches Unternehmensmanagement konnte den 40-Jährigen dennoch nicht vor persönlichen Niederlagen schützen. Das schlechte Abschneiden zur Wahl des Oberbürgermeisters war für den SPD-Kandidaten ernüchternd. Die Sonderprüfung der BWS-Bücher, initiiert von der Stadt Borna als Gesellschafter des Unternehmens, war für den scheidenden Geschäftsführer ein offenes Mißtrauensvotum. „Das war an Absurdität nicht zu übertreffen“, hakt er dieses schwarze Kapitel seiner BWS-Karriere ab. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits zur Rückkehr in seine Heimatstadt Chemnitz begrüßt worden. Für ihn ein wirklich gutes Timing.

Von Birgit Schöppenthau

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