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Borna Türme an der Autobahn 72 bei Rötha: Straßenverkehrsamt testet Baugrund
Region Borna Türme an der Autobahn 72 bei Rötha: Straßenverkehrsamt testet Baugrund
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17:02 21.06.2017
Türme dieser Art bringen 1300 Tonnen Gewicht auf das vorher künstlich verdichtete Erdreich. Ein halbes Jahr etwa bleiben sie, dann werden sie wieder abgebaut. Quelle: Julia Tonne
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Immer weiter rücken die Bauarbeiten für die Autobahn 72 in Richtung Böhlen vor. Doch eben auf dem Abschnitt 5.2 zwischen Rötha und der Anschlussstelle an die A38 stehen Bauträger und Baufirmen vor einer nicht unerheblichen Herausforderung: Der Baugrund ist nicht stabil genug, um zukünftig die Last der Fahrbahnen, Brücken und des Verkehrs zu tragen. Deshalb lässt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) Probefelder errichten, um Methoden der Bodenverbesserung zu prüfen.

„Wir bauen auf dem ehemaligen Gelände des Tagebaus Espenhain, und nach der Verschüttung in den 60er und 70er Jahren gab es keinerlei Verdichtung“, erklärt Klaus-Peter Lechler, Projektleiter für den Abschnitt 5.2. Zwei Verfahren für eben diese Verdichtung würden in den kommenden Monaten detailliert erprobt, die Ergebnisse spätestens bis Ende des Jahres ausgewertet. Eine Technologie sind sogenannte Rüttelstopfsäulen. Bei diesem Verfahren wird in einem Abstand von etwa 1,50 bis 2,50 Metern ein Rüttelgerät bis zu 15 Metern tief in die Erde gebracht, um das Erdreich seitlich zu verdrängen und den so entstandenen Hohlraum beim Herausziehen mit Sand und Kies aufzufüllen. Eine zweite Variante sind Vertikaldrainagen. Das heißt, dass der Baugrund lediglich entwässert wird, um eine Verdichtung zu erreichen.

In beiden Fällen – Rüttelstopfsäulen und Drainage – ist es anschließend notwendig, die Probefelder einer Belastungsprobe zu unterziehen. Was bedeutet, dass dieser Tage Betontürme aus einer Art überdimensionalen Lego-Steinen auf den Feldern errichtet werden. Jeder dieser Türme ist etwa acht Meter hoch und bringt ein Gewicht von rund 1300 Tonnen auf die Flächen mit den jeweiligen Technologien. „Wir legen auf das künstlich verdichtete Erdreich ein Gewicht, um zu messen, wie weit und wie gleichmäßig sich der Boden absenkt“, erklärt Steffen Batzke, Referatsleiter Straßenbau beim Lasuv. Etwa ein halbes Jahr lang werde das Gewicht bleiben, um verlässliche Messwerte zu erhalten. Nach Auswertung der Daten solle dann entschieden werden, welches Verfahren für den Bau des 7,2 Kilometer langen Autobahnabschnitts angewendet werde.

Sollte die Rüttelstopfsäulen-Technologie zum Einsatz kommen, rechnen Batzke und Lechler mit rund 550 Kilometern dieser Säulen im Untergrund, um Stabilität zu schaffen. Denkbar sei jedoch auch eine Kombination aus beiden Verfahren.

Zwei weitere Probefelder entstehen ab Ende Juli an der Gösellache. Weil der letzte Abschnitt der A 72 zu großen Teilen auf der jetzigen Trasse der B 95 verlaufen wird und eine Umleitung über die umliegenden Orte ausgeschlossen werden soll, müsse die Autobahn halbseitig gebaut werden. Zwischen den Richtungsfahrbahnen muss also eine tief im Boden verankerte Spundwand das seitliche Abrutschen des Baukörpers verhindern. „Mithilfe der zwei weiteren Baufelder soll geprüft werden, wie viele Anker tatsächlich benötigt werden und wie viel Last über die Anker abgesetzt werden kann“, erklärt Lechler.

Bisher sind für den letzten Autobahnabschnitt weder Zeitabläufe noch Kostenschätzungen bekannt. „Beides können wir erst dann bekannt geben, wenn sämtliche Probefelder ausgewertet sind“, macht Isabel Siebert, Sprecherin des Lasuv, deutlich. Eine Zahl stehe aber bereits fest: in diesem Jahr investiert das Lasuv 16,1 Millionen Euro in Leitungsumverlegungen, Regenrückhaltebecken und die Probefelder im letzten Bauabschnitt. Im kommende Jahr werde aller Voraussicht nach Baubeginn sein.

Von Julia Tonne

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