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"Über sieben Brücken": Karat-Klassiker erzählt von einer Geschichte aus Espenhain

Liebesstory "Über sieben Brücken": Karat-Klassiker erzählt von einer Geschichte aus Espenhain

Eigentlich müsste Espenhain weltberühmt sein. Denn mindestens die halbe Welt kennt das wunderbare Lied „Über sieben Brücken musst du geh’n“. Was das mit dem Ort zu tun hat, das erzählte Text-Autor Helmut Richter jetzt der Siedlergemeinschaft. Vor dem Lied gab es nämlich schon ein gleichnamiges Buch.

Zaspenhain, so hieß im Film „Über sieben Brücken musst du gehen“ der Chemieort Espenhain, in dem sich eine deutsch-polnische Liebesgeschichte abspielte.
 

Quelle: Studio Hamburg Enterprises

Rötha/Espenhain.  Eigentlich müsste Espenhain weltberühmt sein. Denn mindestens die halbe Welt kennt das wunderbare Lied „Über sieben Brücken musst du geh’n“. Auf deutsch von der Band Karat oder in der Version von Peter Mafay oder in einer anderen von mindestens einem Dutzend Sprachen, in die es übersetzt wurde. Doch dass dieses Lied ganz eng mit dem Röthaer Ortsteil Espenhain verknüpft ist, wissen nicht einmal die meisten Espenhainer.

Was sich jetzt ändern dürfte, denn die Siedlergemeinschaft Espenhain hatte auf ihrer Jahresversammlung am Donnerstagabend im Gasthof Aspe in Espenhain den Schriftsteller Helmut Richter zu Gast. Im letzten Satz der Einladung hatte Christian Schlegel, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft geschrieben: „Ohne Espenhain keine Geschichte und kein Lied.“ Das klingt zwar äußerst selbstbewusst, doch selbst Helmut Richter gibt zu, dass der Satz im Grunde wahr ist.

Jener Helmut Richter, der Professor und nun 82 Jahre alt ist, kam am Beginn der 1970er Jahre als frisch gebackener Absolvent des Leipziger Literaturinstituts „Johannes R. Becher“ nach Thierbach, um dort eine Reportage über den Bau des Kraftwerkes zu schreiben. Die mündete nach zwei Jahren in dem Buch „Schnee auf dem Schornstein“, das erst veröffentlicht und dann von der Obrigkeit verboten wurde. Richter machte aus dem gesammelten Stoff einige andere Veröffentlichungen, Filme und Hörspiele und unter anderem die Erzählung „Über sieben Brücken musst du gehen“, die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau aus einem Chemieort namens Zaspenhain und einem der damals hier tätigen polnischen Arbeiter.

Kurze Zeit später entdeckte das Fernsehen den Stoff. Helmut Richter schrieb das Drehbuch, Regie führte der junge Regisseur Hans Werner. Der wollte eine rockige Musik für den Film. Richter war einverstanden, verlangte aber einen Song, bei dem der von ihm geschriebene Text – anders als bei vielen Rock-Titeln – durchgängig zu verstehen sein sollte. Da kam Ed Swillms ins Spiel, ein exellent ausgebildeter Musiker, der seit 1974 zur Gruppe Karat gehört. Er komponierte die Musik zu dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“, das seit 1978 seinen noch immer anhaltenden Zug um die Welt antrat.

Der gleichnamige Film, der im Frühjahr 1978 im DDR-Fernsehen gezeigt wurde, wie Richter sich erinnert, wurde nicht so berühmt. Die Geschichte, die er erzählt, kann die Espenhainer jedoch immer noch stolz machen. Spielt sich doch darin die Freundschaft der Völker, wie sie die DDR damals propagierte und der, so sieht es Richter, schon damals ein europäischer Gedanke innewohnte, auf einer ganz bodenständige, persönlichen Ebene ab. Diese deutsch-polnische Liebe, im Film gespielt von Viola Schweizer und Krzystof Jedrysek, hat es wirklich gegeben. Christa D. und Ramon Z. waren deren leibhaftige, authentische Vorbilder. Christa D., die in Hoyerswerda lebt, war damals wirklich Laborantin im Chemiewerk, Ramon Z. arbeitete am Kraftwerk und die beiden haben später im Espenhainer Kulturhaus geheiratet. Gastwirt Peter Petters, dessen Gasthof im Film Zaspe heißt, kennt die Frau von Schulzeiten an und hat erst kürzlich mit ihr gesprochen.

Noch immer kommen in Espenhain polnische Namen vor. Ein unmittelbarer Nachbar von Christian Schlegel ist gebürtiger Pole, hat damals am Kraftwerk mitgearbeitet, fand in Espenhain seine Frau und gründete eine Familie. Einige andere leben in der Umgebung.

Einziger Wermutstropfen an der Geschichte: Zwar ist Zaspenhain wirklich Espenhain und die Zaspe ist tatsächlich Peter Petters Gasthof Aspe, gedreht aber wurde keine einzige Szene im Ort der Handlung. Die Kühltürme im Film standen irgendwo in der Lausitz, der Marktplatz in Gotha und der Gasthof Zaspe wurde im ehemaligen Kulturhaus in Borna eingerichtet, welches vor mehreren Jahren abgerissen wurde. Beteiligt aber waren Espenhainer. Sylvia Ronneberger beispielsweise stand damals als Kleindarstellerin mit vor der Kamera und war am Donnerstagabend zu Gast bei den Siedlern. Nachdem Helmut Richter von den für viele überraschenden Zusammenhängen berichtet hatte, sahen alle gemeinsam den Film. Das runde Dutzend Bücher, das Richter mitgebracht hatte, fand reißenden Absatz. In das, welches Christian Schlegel erstand, schrieb der Schriftsteller als Widmung sozusagen die Antwort auf den eingangs zitierten Satz aus der Einladung: „Espenhain ist Spitze“

Von André Neumann

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