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Überraschung im Bornaer Stadtrat: Bergbau-Zentrum sagt dankend Nein

Tradition Überraschung im Bornaer Stadtrat: Bergbau-Zentrum sagt dankend Nein

Erst rein, dann wieder raus: Mehrere Bornaer Stadträte haben bei der vergangenen Sitzung ihren zunächst eingebrachten Antrag nach langer Debatte wieder zurückgezogen. Thematisch ging es am Donnerstagabend um die Suche nach einem Standort für das Dokumentationszentrum für den Bergbau und die verlorenen Orte.

Viele Jahrzehnte Standort für Kohleproduktion, später Adresse für Kulturveranstaltungen. Die Fabrikgebäude in Witznitz wären möglicherweise für ein Bergbau-Museum geeignet.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Erst rein, dann wieder raus: Mehrere Bornaer Stadträte haben bei der jüngsten Sitzung ihren zunächst eingebrachten Antrag nach langer Debatte wieder zurückgezogen. Inhaltlich ging es um die Suche nach einem passenden Standort, um dem geplanten Dokumentationszentrum für den Bergbau und die verlorenen Orte eine Adresse zu geben. Mitglieder der CDU- als auch der SPD-Fraktion sowie der Bürger für Borna (BfB)/Freie Wähler hatten einen Antrag zur Bildung einer Arbeitsgruppe eingereicht, deren Ziel – unter Einbeziehung der Bornaer Bürger – letztlich die Entscheidung über einen geeigneten Standort sein soll.

Netzwerk aus Menschen und unterschiedlichen Projekten

Eines aber wurde schon vor der Debatte zum Beschluss selbst deutlich: Dem Förderverein zum Aufbau des Dokumentationszentrums IndustrieKulturlandschaft Mitteldeutschland (DokMitt) geht es gar nicht in erster Linie um einen festen Ort, sondern um lebendiges ein Netzwerk. „Wenn wir von einem Standort reden, soll das nicht nur grundstücksbezogen sein“, betonte Thomas Krafczyk, Schriftführer des Vereins, bei der Stadtratsitzung. Deshalb habe der Verein eine solche Festlegung bisher außer acht gelassen.

„Im Fokus stehen inhaltliche Schwerpunkte und unterschiedliche Projekte an verschiedenen Orten, denn der Bergbau umfasst ja eine ganze Region“, begründete er. Unter anderem gehöre auch der Bergbau-Technik-Park an der Autobahn 38 im Süden von Leipzig in das Netzwerk, „aber den können wir ja schlecht von Großpösna nach Borna bringen“. Der Verein könne sich lediglich vorstellen, eine Art Museum in Borna zu entwickeln und an dieser Adresse die Fäden des Netzwerkes zusammenlaufen zu lassen. Einige Stadträte zeigten sich sichtlich irritiert, dass es einen Beschluss über eine Standortsuche geben solle, wenn der Verein doch gar nicht an einer „Hülle“ interessiert sei.

„Wenn nicht ein festes Gebäude in Borna in Betracht kommen soll, dann geht der Beschluss vollkommen daneben“, sagte Maik Staudacher (BfB) und zog seine Unterschrift unter den Antrag zurück. Roland Wübbeke (CDU) gab daher zu bedenken, den Antrag von der Tagesordnung zu nehmen und zunächst Gespräche mit dem Verein zu suchen. Schließlich würden zum jetzigen Zeitpunkt der Vorschlag der Stadträte und die Vorstellungen von DokMitt völlig auseinanderlaufen. Auch Sylvio Weise (CDU), der ebenfalls zu den Unterzeichnern gehörte, sprach sich nach den Ausführungen von Krafczyk dafür aus, zunächst mit dem Förderverein zusammenzuarbeiten, bevor es einen solchen Beschluss gebe. Er zog seine Unterschrift ebenfalls zurück. Sebastian Stielers (CDU) Vorschlag, den Beschluss „um die Ausrichtung des Vereins“ zu ergänzen, fand keine Zustimmung, weshalb der Antrag gleich komplett von der Tagesordnung verschwand.

Industrielle Vergangenheit für Identität von Borna wichtig

Tino Johne (Linke) zeigte sich in Anbetracht der langen Debatte mehr als überrascht, dass so viele Unterzeichner von den Zielen des Vereins gar nichts wussten und nun ihre Unterschrift zurückzogen. „Es wäre doch sinnvoll gewesen, dass sich die entsprechenden Räte zunächst mit dem Verein treffen und ausloten, was jeder will“, erklärte er abschließend. Dennoch will das Gremium das Thema nicht aus den Augen verlieren, denn „der Bergbau-Standort Borna ist für die Stadt und deren geschichtliche Identität wichtig“, so Wübbeke.

Von Julia Tonne

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