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Umsiedlung wegen Kohleabbau: Erste Pödelwitzer beziehen neue Wohnungen

Wieder Boden unter Füßen Umsiedlung wegen Kohleabbau: Erste Pödelwitzer beziehen neue Wohnungen

Im Pödelwitzer Bogen im Groitzscher Wohnbaugebiet Schiefer Weg kehrt Leben ein. Roland Gerhardt ist der erste Pödelwitzer, der in sein neues Heim zog. Seit Freitag ist er auf dem rund 3,6 Hektar großen Gelände nicht mehr alleine.

Die ersten Dorfbewohner sind bereits im Wohngebiet Schiefer Weg eingezogen.

Quelle: Jakob Richter

Groitzsch. Am vergangenen Freitag rollten die Umzugswagen zweier weiterer Familien vor. Und noch vor Weihnachten geht es weiter. Das Ehepaar Brummer nimmt am 16. Dezember sein neues Haus in Beschlag. „Ein bisschen geschmückt wird aber jetzt schon, sonst ist es Weihnachten noch so nackt hier“, sagen die beiden Neu-Groitzscher.

Derzeit entstehen auf dem Areal 13 Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus, zehn Grundstücke stehen noch zum Verkauf. „Und die bleiben für die Pödelwitzer bis 2018 reserviert“, sagt Sylke Saupe, Leiterin Liegenschaften / Umsiedlungen bei der Mibrag. Das Bergbauunternehmen hatte 2012 zusammen mit der Stadt Groitzsch einen Grundlagenvertrag zur Umsiedlung der Pödelwitzer geschlossen, es will die unter dem Groitzscher Ortsteil liegende Kohle gewinnen. Der Vertrag beinhaltet unter anderem die Reservierungsmöglichkeiten. 90 Prozent der 130 Pödelwitzer hatten sich zuvor für eine Umsiedlung ausgesprochen, 37 Dorfbewohner von ihnen bauen mittlerweile am Schiefen Weg.

Die ersten Dorfbewohner sind bereits im Wohngebiet Schiefer Weg eingezogen

Die ersten Dorfbewohner sind bereits im Wohngebiet Schiefer Weg eingezogen.

Quelle: Jakob Richter

Auffällig ist vor allem, dass viele Häuser im Bungalow-Stil entstehen, farbenfroh wird es außerdem im neuen Wohngebiet. „Der Bebauungsplan lässt die unterschiedlichsten Farben zu, bei den Dächern gab es allerdings engere Grenzen“, erklärt Saupe. Auch Thomas Jülich hat sich für den Bungalow-Stil entschieden - „vorausschauend“, wie er sagt. Am Tag 189 seit Baubeginn seines Hauses steht nun der Umzugswagen vor der Tür, er hat die Veränderung lange herbeigesehnt. „Jahrelang haben wir uns mit dem Gedanken befasst, Pödelwitz zu verlassen. Und hier am Schiefen Weg kann man es nicht viel besser treffen“, sagt er.

Roland Gerhardt hat sich hingegen fast schon eingelebt. Er wohnt seit zwei Wochen im Pödelwitzer Bogen und freut sich auf seine „neuen alten“ Nachbarn. Dass sich die Nachbarn alle bereits vor dem Einzug kennen, ist eigentlich ungewöhnlich für ein neues Wohnbaugebiet. „Für uns ist das Klasse, wir nehmen sozusagen unser Dorfleben mit hierher“, sagt Gerhardt.

Die Umsiedlung hat er nicht bereut, weder jetzt noch vorher. „Viele Pödelwitzer wollten hierher, wir wollten nicht direkt neben dem Tagebau leben und gemeinsam mit der Mibrag haben wir eine Lösung gefunden“, betont er. Die Zusammenarbeit mit dem Bergbauunternehmen habe reibungslos geklappt. Wie berichtet, hatte die Mibrag die Pödelwitzer nach dem Bodenrichtwert entschädigt und ihnen das Baugebiet zur Verfügung gestellt. Jetzt finanziert das Unternehmen die Umzugsfirmen.

Neben den derzeit 13 Einfamilienhäusern entsteht auf dem Areal auch ein Mehrfamilienhaus, in dem vor anderthalb Wochen Richtfest gefeiert werden konnte. Im Erdgeschoss gibt es zukünftig zwei altersgerechte Zweiraumwohnungen, im Obergeschoss eine Zweiraum- und eine Maisonette-Wohnung. Der Keller beherbergt einen Gemeinschaftsraum und Küchenzeile.

Saupe hofft, dass die Landschaftsgestaltung im neuen Wohngebiet bereits in den nächsten Wochen in Angriff genommen werden kann. Voraussetzung ist, dass sich das Wetter hält. So soll das Grundstück am Bogen direkt ein Platz zum Erholen für alle Bewohner werden. Zudem kümmert sich das Unternehmen noch um die Entwässerung des Areals.

Dass die Zusammenarbeit zwischen den Pödelwitzern und der Mibrag gut funktioniert, zeigen auch die fast wöchentlichen Einladungen zu Richtfesten. „Erst heute sind wir wieder eingeladen“, erklärte Saupe am Freitag. Sie geht davon aus, dass auch die zehn freien Grundstücke noch an Pödelwitzer verkauft werden, „denn der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft ist groß“.

Von Julia Tonne

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