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Unbeachtet und verwittert: Gedenksteine auf dem Friedhof Deutzen

Neukieritzsch Unbeachtet und verwittert: Gedenksteine auf dem Friedhof Deutzen

Mit einem ortskundigen Führer entdeckt man auf dem Deutzener Friedhof einige Steine, die bei der Devastierung um 1960 mit auf den heutigen Friedhof gebracht worden waren. Sie führen ein Schattendasein. Zu Überbleibseln des Alt-Deutzener Friedhofes gibt es zudem nur wenige Überlieferungen.

Das Denkmal für Kriegsgefallene auf dem Friedhof in Deutzen.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Deutzen. Auf dem Friedhof in Deutzen kann sich ein seltener Besucher schon mal verlaufen. Etliche von Hecken umgebene Parzellen mit teils nur einem Eingang machen die Orientierung nicht einfach. Sucht man nach Erinnerungen an den Friedhof von Alt-Deutzen, der wie das Dorf selbst um 1960 dem Braunkohleaufschluss weichen musste, so ist es gut, wenn man einen ortskundigen Führer dabei hat. So einen wie Karl-Heinz Feiner, den Vorsitzenden des Heimatvereins Regis-Breitingen und Umgebung und zugleich Kopf der Heimatgruppe Deutzen.

Er führt den Besucher zuerst zum Denkmal für die Verfolgten des Naziregimes (VVN), welches vermutlich in den 1950er Jahren vor dem Friedhof in Alt-Deutzen aufgestellt worden war. Hier steht es seit gut 55 Jahren ganz am nordöstlichen Rand, dort wo der Friedhof in den Wald übergeht. Es erinnert an drei Männer. Vor dem Mahnmal befinden sich noch zwei quadratische Tafeln im Boden. Was darauf stand, ist nicht mehr zu lesen.

Das Schicksal, weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein, teilt das VVN-Denkmal mit einem schlichten Grabstein, der ein paar Meter weiter links hinter Buschwerk und unter dichten Bäumen unscheinbar aus dem Efeu ragt. „Hier ruhen italienische Soldaten“ und „Qui riposano Militari italiano“ steht noch gut leserlich darauf. Demnach müsste es sich tatsächlich um ein Grab handeln. Doch Karl-Heinz Feiner kennt keine Überlieferung. Auch die beiden alteingesessenen Deutzener Heinz Kühn und Konrad Hausotter konnten ihm nicht helfen, und er ist überzeugt: „Wenn wir drei es nicht wissen, weiß es keiner.“ Clauß Bräugiam, Heimatforscher und Buchautor, der unter anderem eine Chronik anlässlich 775 Jahre Deutzen geschrieben hat, weiß zumindest, dass auf dem alten Friedhof Italiener begraben waren.

Grabstein für italienische Soldaten am Rande des Deutzener Friedhofes

Grabstein für italienische Soldaten am Rande des Deutzener Friedhofes.

Quelle: André Neumann

Viel würdevoller ist es auch um die Kriegstoten aus dem eigenen Ort nicht bestellt. Am nördlichen Rand stehen die stark verwitterten Reste eines Denkmals, dass schon bald nach dem Ersten Weltkrieg gesetzt worden sein muss und 1938 erneuert wurde. Die Stele in der Mitte mit einer Namenstafel ist nur ein Teil der alten Anlage. Dass die in der kommunistischen DDR überhaupt auf den neuen Friedhof mitgenommen wurde, ist möglicherweise einem damaligen Friedhofsgärtner zu verdanken, der sich darum bemühte. Jedenfalls hat das Clauß Bräutigam von Zeitzeugen erfahren. Vom Oberteil des einstigen Denkmals, das auf alten Fotos zu sehen ist, fehlt jede Spur.

Der Sockel dagegen ist auf dem Friedhof noch vorhanden. Das wusste bis vor kurzem noch nicht einmal Heimatforscher Feiner. In einer der von Hecken umgebenen Abteilungen, ziemlich weit weg vom Kriegerdenkmal liegt nämlich viele Jahre unbeachtet ein steinerner Balken. Wer näher herangeht, erkennt links und rechts die Jahreszahlen 1914 und 1918, Beginn und Ende des ersten Weltkrieges. Wer mehr wissen will, muss etwas von der Grasnarbe entfernen, in die der behauene Stein über die Jahre eingewachsen ist. Noch etwas Moos abgekratzt, und es wird dieser Schriftzug sichtbar: „Sie starben fürs Vaterland / Den gefallenen Helden aus den Gem. Deutzen und Röthigen / gew. v. Militärverein Deutzen“.

Denkmal für Verfolgte des Naziregimes auf dem Deutzener Friedhof

Denkmal für Verfolgte des Naziregimes auf dem Deutzener Friedhof.

Quelle: André Neumann

Heimatforscher Karl-Heinz Feiner würde nicht so weit gehen, dass das Denkmal wieder zusammengesetzt werden müsste. „Doch es wäre schön, wenn wenigstens die Namen wieder hergestellt werden könnten“, sagt er. Auf der Tafel der Mittelstele sind viele noch zu lesen, etliche Namen von noch immer in Deutzen ansässigen Familien kennt Feiner. Auf den beiden verwitterten flankierenden Porphyrsteinen ist jedoch so gut wie gar nichts mehr zu entziffern.

Klar zu lesen sind dagegen die 129 Namen auf einer schlichten Tafel für die im zweiten Weltkrieg gefallenen Deutzener. Die wurde nach der Wende an einer Wand der Trauerhalle angebracht. Feiner ist traurig darüber, wie wenig sich die Deutzener darum kümmern und zeigt auf zwei leere Gläser für Blumen und zwei kümmerliche Grünpflanzen auf einem Sockel darunter.

Von André Neumann

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