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"Und das Groitzscher Volk jubelt..."

"Und das Groitzscher Volk jubelt..."

Hinter der Schusterstadt Groitzsch liegt ein Wochenende voller Lebensfreude, fiebriger Geschäftigkeit - und englischem Sauwetter. Die Protagonisten von Naturfreunde- und Heimatverein und Stadtverwaltung dürften nach diesem Festmarathon mehr Kilometer in den Beinen und Worte auf den Lippen haben, als sonst in einem Monat.

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Die Burggesellschaft zu Groitzsch mit dem Burgvoigt Albrecht (v. r.) und seiner Gemahlin Annemarie.

Quelle: Thomas Kube

Groitzsch. Manche von ihnen schlüpften in mehrere Rollen und waren überall an vorderster Front. Dreh- und Angelpunkt unter ihnen: Stadtschreiber Antonius. Dietmar Schäfer füllte diese Figur mit Herz und Seele aus und wurde nicht müde, die historischen Zusammenhänge zu erklären. "Und das Groitzscher Volk jubelt", forderte er immer wieder zu Hurra-Rufen und Handgeklapper auf.

Wir schreiben das Jahr 1214: Hoch zu Ross betritt Dietrich der Bedrängte (Albrecht Landgraf), Markgraf zu Meißen und der Lausitz, den Groitzscher Marktplatz. In schwulstigen Worten erklärt er dem einfachen Volk als auch dem "edlen Herrn Kunze", dass hier künftig Märkte abgehalten werden können. Bei Strafe sei es verboten, im Nachbarort Pegau seine Waren feilzubieten oder gar zu kaufen. Dennoch verlange er eine "ehrbare gute Nachbarschaft mit dieser Stadt." Bürgermeister Kunze dankte für dieses Privileg, das Münz- und Zollrechte einschloss, und schwor, dass Groitzsch bis in alle Ewigkeit Stadt bleibe.

Doch Pegaus Abt stänkerte ordentlich gegen die Nachbarn und erwirkte nur vier Jahre, 1219, die Aberkennung der Stadtrechte. "Aber wir wären nicht Groitzsch, wenn wir die Durststrecke nicht durchgehalten hätten", konterte Antonius. Im Laufe der Jahrhunderte rappelte sich die Stadt auf und entfaltete neue Blüten.

Mit einem heiteren Theaterstück über "Das Burgfräulein" ließ der Heimatverein längst vergangene Zeiten aufleben, als es noch Musikusse und Mundschenke, Kräuterfrauen und Burgherren gab. Zwei zänkische Bäuerinnen stritten sich vor den Burgtoren, wer die größten Möhren hat, und wurden an die Halsgeige gekettet. Indes ließ Burgfräulein Amelie wie einst die Prinzessin in König Drosselbart einen Bewerber nach dem anderen abblitzen: zu alt, zu dick, zu arm, zu betrunken, selbst Pfaffe Roland (Roland Meyer) oder ehrbare Handwerker hatten keine Chancen bei ihr. Der Richtige musste schon groß und dunkelhaarig, jung und knackig und von blauem Geblüt sein, verkündete sie und fand den Traummann schließlich in einem groß gewachsenen Prinzen aus dem Ungarnland. "Es hat nicht alles hundertprozentig geklappt, aber das hat zum Glück niemand gemerkt", lachte Dietmar Schäfer im Nachhinein. "Aber live ist live."

Das Bühnenprogramm am Wochenende ließ tatsächlich keine Wünsche offen. Groitzscher Hortkinder stellten auf ihre Weise "Schulgeschichte" dar - sie tanzten mit Pionierbluse und rotem Halstuch zu "Alt wie ein Baum", "Jugendliebe" und "Am Fenster" - Schutz- und Geleitritter kämpften um ihr Leben, Hexe Ambrosia wurde ganz grün im Gesicht, wenn sie auf Stelzen lief und die Spielleute des Ostens, "Exoriente" brachten mit Schalmeien, Dudelsäcken und Flöten Stimmung unters Volk.

Für gute Unterhaltung sorgte am Sonnabendnachmittag der Groitzscher Carnevalsverein mit einem Mischmasch aus Comedy, Tanz, Gesang und Klamauk. Befreundete Vereine sowie die Sambagruppe "Como Vento" hatten ordentlich Rhythmus im Blut. Eine heiße, fast mystische Feuershow präsentierte zu späterer Stunde Hexe Ambrosia. Mit Hula-Hoop-Reifen, Ketten und anderen Requisiten jonglierte sie durch die Nacht, auch wenn ihre Öllampen aufgrund des Nieselregens nicht immer gleich Feuer fingen.

Im Anschluss nahmen "Four Roses" die Bühne ein und rockten die Ohrwürmer von Queen, Dire Straits, Tom Petty, Karat oder den Rolling Stones. Nur einen Abend zuvor standen die Leipziger mit den Puhdys auf der Bühne.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.09.2014
Kathrin Haase

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