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Borna Untertage-Kumpel singen in Espenhain das Steigerlied
Region Borna Untertage-Kumpel singen in Espenhain das Steigerlied
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00:21 05.07.2018
Jahr für Jahr singen Espenhainer Untertage-Kumpel das alte Lied: Der Steiger kommt Quelle: Katja Senier
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Rötha/Espenhain

Die Zeiten haben sich geändert. Vorbei sind die Tage, an denen zähe, junge Kerle in die Kohlegrube hinabfuhren, um dort nur mit Spitzhacke bewaffnet das schwarze Gold zu Tage zu fördern. Vorbei die Zeiten, als sie sich auf Gedeih und Verderb aufeinander verlassen mussten, wenn sie schwarz und dreckig im Kohleschlamm ihre Knochenarbeit leisteten. Vorbei auch die gemeinsamen Ausfahrten und Feiern – doch nicht ganz.

25 von ehemals 150 Kumpel treffen sich in der Aspe

Jeden Samstag vor dem ersten Sonntag im Juli, der in der DDR der Tag des Bergmanns war, treffen sie sich wieder, die alten Untertage-Kumpels vom Tagebau Espenhain. So auch an diesem Wochenende. Von den rund 150 Mann, die in den 60er-Jahren hier unter Tage arbeiteten, kommen noch 25 in die Gaststätte „Aspe“ in Espenhain, deren Wände die Geschichte dieser Region erzählen. Bergmannssymbole, der Hammer und die Hacke, gezeichnete Bilder vom Tagebau und allerlei Nippes wie Bergmann-Räuchermännchen und Briketts mit „Glück auf“-Prägung finden sich dort. Der Wirt Peter Petters, der bis 1965 im Forschungslabor „Technikum“ des Kombinats Espenhain tätig war und heute für die Linke im Stadtrat sitzt, kam nach und nach zu dieser Sammlung, weil ihm immer wieder Leute ihre Erinnerungsstücke brachten. Darunter auch eine schwarze Bergmannsuniform.

Erinnerungsstücke an den Bergbau in der Gaststätte „Aspe“ in Espenhain. Quelle: Katja Senier

Er hat durch seine Arbeit im Labor damals eine Frage mitgenommen. In teils elf Meter hohen Versuchs-Anordnungen untersuchte er mit anderen Kollegen die Bestandteile der Kohle, destillierte sie, verbrannte sie. „Bei bestimmten Temperaturen roch sie einfach nur scheußlich“, erzählt er, „aber ein andermal wie 47/11“, eine Anspielung auf ein bekanntes Männerparfüm. Die Frage, die er hat, ergab sich aus einer Aussage seines damaligen Vorgesetzten. Dieser behauptete immer wieder: „Die Kohle nur zu verbrennen ist der größte Frevel. Denn es sind darin so viele wertvolle Stoffe enthalten, die es wert sind, näher untersucht zu werden.“

Erinnerungen an das Ende nach der Wende

Aber dazu kam es nicht mehr. Mit der Reduzierung der mitteldeutschen Braunkohleindustrie nach dem Ende der DDR wurde auch der Tagebau Espenhain schrittweise geschlossen. Am 23. Dezember 1993 wurde die Inanspruchnahme neuen Geländes eingestellt, am 30. April 1994 wurde die Förderbrücke stillgelegt, und am 27. Juni 1996 verließ der letzte Kohlezug die Grube. Am 7. Mai 1997 wurde schließlich die Abraumförderbrücke gesprengt, und eine Ära ging zu Ende.

Die Kumpels bekamen Arbeit in der Großflächenentwicklung oder gingen ins Handwerk, falls sie noch keine Bergmannsrente bekamen, die man aufgrund der schweren Arbeit schon mit 50 erhielt.

Gute Erinnerungen an harte Zeiten

„Es war wunderschön, wir hatten gutes Geld, wir hatten Familie, obwohl es eine harte Zeit war“, erinnert sich Jan Wolfgang, einer der Männer am Tisch in der „Aspe“. Diese gemeinsame Zeit wird sie wohl bis an ihr Ende miteinander verbinden, und jedes Jahr werden sie wieder das alte Bergmannslied gemeinsam singen: „Glück auf, der Steiger kommt“.

Von Katja Senier

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