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Unwillkommene Habenichtse

Unwillkommene Habenichtse

Um die Erlebnisse von Flüchtlingen und Vertriebenen, die es nach dem Krieg nach Borna und in die Umgebung verschlagen hat, geht es im Projekt "Ankunft", das der Geschichtsverein Borna und das Museum verfolgen.

Borna. Deshalb werden Betroffene, die nach Kriegsende nach Borna kamen, am Mittwoch, 18 Uhr, ins Museum eingeladen. Gefragt sind ihre Erfahrungen an ihrem neuen Lebensort.

Sie kamen vielfach als Habenichtse, und sie waren keineswegs willkommen: Die Frauen, Männer und Kinder, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und auch in den Jahren danach ihre angestammte Heimat in den so genannten Ostgebieten verlassen mussten. Über Jahrhunderte waren sie in Ostpreußen, Ungarn oder auch in Böhmen zu Hause gewesen, als sie vor der Roten Armee oder auch den anderen Bevölkerungsteilen fliehen mussten. Im Projekt, das den Titel "Ankunft" trägt und das vor mehr als zwei Jahren von der Leipziger Universität begonnen wurde, geht es nun um ihre Erlebnisse, sagt Gert Schreiber, Ortschronist und Vorsitzender des Geschichtsvereins, der das Projekt ebenso wie das Museum begleitet.

In und um Borna waren nach Kriegsende viele Menschen aus den deutschen Ostgebieten gelandet. "Jeder Vierte, der 1946 hier lebte, stammt von dort",sagt Schreiber, der seine Erkenntnisse aus dem Vergleich von Telefonbüchern aus den Jahren 1938 und 1946 hat. Die neuen Mitbürger wurden keineswegs mit offenen Armen empfangen, so der Historiker. Kein Wunder in einer Zeit, in der es auch den Einheimischen am Nötigsten fehlte. Die Flüchtlinge hatten allerdings bisweilen nicht mehr als die Kleider, die sie am Leib trugen. Schreiber weiß von Eingriffen der Staatsmacht, die die Bewohner von Bauernhöfen dazu zwang, zusammenzurücken, um damit in den anderen Zimmern des Hofs Flüchtlinge unterzubringen.

Später entspannte sich die Situation. Ganz allerdings wohl nie, weil sich die Flüchtlinge, im offiziellen DDR-Deutsch Umsiedler genannt, zu sozialistischen Zeiten zumindest nicht in der Öffentlichkeit zu ihren oftmals schmerzlichen und leidvollen Erfahrungen, vor allem bei ihrer Flucht, äußern durften. Von finanziellen Unterstützungen, wie sie Flüchtlinge im Westen erhielten, ganz zu schweigen.

Am Mittwoch soll es im Museum um die Erlebnisse der Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Borna und der Umgebung gehen. Wobei Geschichtsverein und Museum noch mehr im Sinn haben. Denn die große Flüchtlingswelle, die nach Kriegsende viele Menschen nach Mitteldeutschland spülte, war keineswegs die erste ihrer Art. Bereits im Dreißigjährigen Krieg kamen Menschen, etwa aus Pommern, nach Borna. Deshalb soll es am Jahresende in Zusammenarbeit mit dem Museum in Stettin eine Ausstellung geben, in der Schlösser und Herrenhäuser in Pommern vorgestellt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Nikos Natsidis

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