Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Unwillkommene Habenichtse
Region Borna Unwillkommene Habenichtse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 19.05.2015

Deshalb werden Betroffene, die nach Kriegsende nach Borna kamen, am Mittwoch, 18 Uhr, ins Museum eingeladen. Gefragt sind ihre Erfahrungen an ihrem neuen Lebensort.

Sie kamen vielfach als Habenichtse, und sie waren keineswegs willkommen: Die Frauen, Männer und Kinder, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und auch in den Jahren danach ihre angestammte Heimat in den so genannten Ostgebieten verlassen mussten. Über Jahrhunderte waren sie in Ostpreußen, Ungarn oder auch in Böhmen zu Hause gewesen, als sie vor der Roten Armee oder auch den anderen Bevölkerungsteilen fliehen mussten. Im Projekt, das den Titel "Ankunft" trägt und das vor mehr als zwei Jahren von der Leipziger Universität begonnen wurde, geht es nun um ihre Erlebnisse, sagt Gert Schreiber, Ortschronist und Vorsitzender des Geschichtsvereins, der das Projekt ebenso wie das Museum begleitet.

In und um Borna waren nach Kriegsende viele Menschen aus den deutschen Ostgebieten gelandet. "Jeder Vierte, der 1946 hier lebte, stammt von dort",sagt Schreiber, der seine Erkenntnisse aus dem Vergleich von Telefonbüchern aus den Jahren 1938 und 1946 hat. Die neuen Mitbürger wurden keineswegs mit offenen Armen empfangen, so der Historiker. Kein Wunder in einer Zeit, in der es auch den Einheimischen am Nötigsten fehlte. Die Flüchtlinge hatten allerdings bisweilen nicht mehr als die Kleider, die sie am Leib trugen. Schreiber weiß von Eingriffen der Staatsmacht, die die Bewohner von Bauernhöfen dazu zwang, zusammenzurücken, um damit in den anderen Zimmern des Hofs Flüchtlinge unterzubringen.

Später entspannte sich die Situation. Ganz allerdings wohl nie, weil sich die Flüchtlinge, im offiziellen DDR-Deutsch Umsiedler genannt, zu sozialistischen Zeiten zumindest nicht in der Öffentlichkeit zu ihren oftmals schmerzlichen und leidvollen Erfahrungen, vor allem bei ihrer Flucht, äußern durften. Von finanziellen Unterstützungen, wie sie Flüchtlinge im Westen erhielten, ganz zu schweigen.

Am Mittwoch soll es im Museum um die Erlebnisse der Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Borna und der Umgebung gehen. Wobei Geschichtsverein und Museum noch mehr im Sinn haben. Denn die große Flüchtlingswelle, die nach Kriegsende viele Menschen nach Mitteldeutschland spülte, war keineswegs die erste ihrer Art. Bereits im Dreißigjährigen Krieg kamen Menschen, etwa aus Pommern, nach Borna. Deshalb soll es am Jahresende in Zusammenarbeit mit dem Museum in Stettin eine Ausstellung geben, in der Schlösser und Herrenhäuser in Pommern vorgestellt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Nikos Natsidis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Landkreis Leipzig ist in Sachsen Spitzenreiter bei rechtsmotivierten und rassistischen Angriffe. Das geht aus der Statistik der Opferberatung des Freistaates für das Jahr 2012 hervor.

19.05.2015

Das Genehmigungsverfahren für den Bau des Elstertrebnitzer Wehrs soll abgekürzt werden. Frage: Die Betroffenen in den Hochwassergebieten der Elsterregion sind frustriert und fühlen sich mit ihren Sorgen allein gelassen.

19.05.2015

Die Reparatur der Hochwasserschäden im Pegauer Hort wird teuer. Bis zu 100 000 Euro plant Bauamtsleiter Gunther Grothe dafür ein. Doch dies wird wohl das letzte Hochwasser sein, das den Hort trifft.

19.05.2015
Anzeige