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Ur-Bornaer wirbt für seine Stadt mit Zwibbelkuchen-Rezept

Wolfgang Fuchs Ur-Bornaer wirbt für seine Stadt mit Zwibbelkuchen-Rezept

Borna und Zwiebeln gehören zusammen. Nur wenige haben sich dem Born’schen Gemüse so intensiv gewidmet wie der Ur-Bornaer Wolfgang Fuchs. Er hat Gedichte dazu verfasst und den Zwiebellauf begründet. Mit einem Rezept des Born’schen Zwiebelkuchens ist er auch in einem Kochbuch vertreten.

Serviert echten Born´schen Zwiebelkuchen: Wolfgang Fuchs, der Erfinder des Bornaer Zwiebellaufs.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Heimatliebe geht auch durch den Magen. Und deshalb ist es kein Wunder, dass sich im Jubiläumsbuch der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten auch ein Rezept von Wolfgang Fuchs und seiner Frau Ingeborg findet. Selbstverständlich für einen Born’schen Zwibbelkuchen. Wie könnte es auch anders sein. Die Zwiebel, mit Blick auf die Kohle im Zweifel das positiver besetzte Symbol von Borna, hat es dem 81-jährigen gelernten Schriftsetzer angetan, der sich zeitlebens für alles interessiert hat, was mit seiner Heimatstadt zusammenhängt.

Wolfgang Fuchs hat den Zwiebellauf erfunden

Dazu gehören nicht nur die zahlreichen Broschüren, die er seit den 90er Jahren mit Erinnerungen an seine eigene Kindheit ebenso wie mit Reimen in Born’scher Mundart oder seinen Erlebnissen als Läufer erfasst hat. Schließlich ist Wolfgang Fuchs der Erfinder des mittlerweile legendären Bornaer Zwiebellaufs, der seit nunmehr drei Jahrzehnten stattfindet. Auch in diesem Jahr wieder am 3. Oktober im Rudolf-Harbig-Stadion. Und auch hier kommt die Zwiebel ins Spiel, von der jeder gut informierte Bornaer weiß, dass es sich bei diesem Gemüse um einen Bornaer Exportschlager handelt, der bis zum Ersten Weltkrieg sogar in London geschätzt wurde.

„Es war die Zeit der Rundenläufe“, erinnert sich Wolfgang Fuchs, der früher auch als freier Mitarbeiter für die LVZ tätig war – in einer Zeit als das noch Volkskorrespondent hieß – an die Erfindung des Zwiebellaufs. Weil es im Jahr 1987 immer schwieriger wurde, die gelaufenen Runden der einzelnen Läufer im Stadion zu zählen, kam der Ur-Bornaer auf die nachgerade geniale Idee mit den Zwiebeln. „Pro Runde gab es für die Läufer eine“ – was unter dem Strich noch heute bedeutet, dass Zwiebelzahl gleich Rundenzahl ist. Es versteht sich, dass Wolfgang Fuchs, der sich nach dem Ende seines Arbeitslebens einen Computer nebst Drucker zulegte, auch eine Chronik des Zwiebellaufs verfasst hat.

In einem seiner Werke geht es um „Mei Zwibbelborne“, und auf den Seiten finden sich alte und neue Gedichte zum besagten Thema. Aus eigener wie aus fremder Feder und meistens in astreinem Sächsisch. Teilweise auch sangbar, wenn sich etwa das Gedicht „Borna du kleine stille Stadt“ auf die Melodie des bekannten Liedes von den Königskindern intonieren lässt. Zu finden ist auch Historisches wie das Festlied zur Einweihung des neuen Saales im Gasthaus „Zum Goldenen Stern“, das im Jahr 1844 entstanden ist.

Und natürlich das Bornaer Zwiebellied, in dem es heißt: „Ob trock’nes Brot, ob Festgericht, verachtet mir die Zwiebel nicht“. Auch das lässt sich singen – auf die Melodie der „Wacht am Rhein“, ein Lied, das bis Mitte des letzten Jahrhunderts wohl jeder kannte und das sich je nach Standpunkt als patriotisch oder reaktionär einstufen lässt.

Bornaer hat sich für die Zwiebel immer starkgemacht

All das findet sich in den gedruckten Sammlungen von Wolfgang Fuchs. Und die Zwiebel fehlt im Prinzip nie. Dass er sie für die bessere Assoziation hält, mit der sein Borna in Verbindung gebracht werden sollte, dafür hat er sich schon zu DDR-Zeiten starkgemacht. Zu Zeiten, in denen Borna zwar tatsächlich für Kohle stand, aber damit auch für Umweltverschmutzung und Dreck.

Dass der Zwibbelkuchen aus Borna jetzt eins von 150 regionaltypischen Gerichten ist, die die Gewerkschaft NGG für repräsentativ hält, ist da nur folgerichtig. In dem Buch, das nach eine bundesweiten Aufruf zur Einsendung regionaler Rezepte anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Gewerkschaft vor zwei Jahren erschien, findet sich der Fuchs’sche Zwiebelkuchen jedenfalls in prominenter Gesellschaft. Mitgekocht haben auch Linken-Bundeschef Gerd Riexinger (Kaninchen mit Feigen), die neue Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), die Forellen am Grill serviert, und Linken-Ikone Gregor Gysi (Gefüllte Paprikaschoten). Das dürfte alles ganz lecker schmecken. Mit einem Born’schen Zwiebelkuchen aus dem Hause Fuchs lässt es sich aber ganz sicher nicht vergleichen.

Von Nikos Natsidis

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