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Borna Bornaer Cannabis-Prozess: Gefängsstrafe wegen Beihilfe
Region Borna Bornaer Cannabis-Prozess: Gefängsstrafe wegen Beihilfe
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16:32 28.09.2018
LKA-Beamte stellten in einem Bornaer Firmengelände im Februar eine Indoor-Plantage sicher, in der sich 3000 erntereife Marihuanapflanzen befanden. Quelle: LKA Sachsen
Leipzig/Borna

Rafal J. (45) ist wegen der Beihilfe zum unerlaubten Handeln mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die 8. Strafkammer des Landgerichts Leipzig sah es als erwiesen an, dass der in seinem Heimatland vorbestrafte Pole für die Überwachung einer professionellen Aufzuchtplantage für Cannabispflanzen in einer Lagerhalle in der Deutzener Straße in Borna eingesetzt war. 3000 Pflanzen waren Anfang des Jahres von Spezialkräften sichergestellt worden.

Angeklagter kündigt Wahlverteidiger das Mandat

Der siebente und letzte Verhandlungstag begann mit einer etwas skurrilen Überraschung. J.s zweiter Verteidiger Robert Simoncic aus Berlin hatte – nicht zum ersten Mal übrigens – kurzfristig einen Vertreter geschickt. Der junge Mann kam aber gar nicht erst zum Einsatz, denn Rafal J. kündigte seinem Wahlverteidiger das Mandat, weil er sich von dem Berliner unfair behandelt fühle. Pflichtverteidigerin Kerstin Linnemann aus Leipzig, nunmehr die einzige an der Seite des Polen, führte dessen Verteidigung allein fort.

Rafal J. hat erstmals ausgesagt

Und noch etwas war neu am letzten Verhandlungstag. Der Angeklagte, der seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, sagte erstmals etwas. Allerdings nach wie vor nichts zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, nichts zu Hintermännern, nichts, was irgendwie zur Aufklärung des Falles hätte beitragen können. Er sprach lediglich über seine persönlichen Verhältnisse. Dass der Pole in seiner Heimat wegen eines Tötungsverbrechens vorbestraft ist, war für Prozessbeobachter neu.

Zweigleisige Verteidigungsstrategie

Die Strategie der Verteidigerin war zweigleisig. Sollte, das war Variante eins, das Gericht der Staatsanwaltschaft folgen, die J. für schuldig hielt, dann sei höchstens von Beihilfe auszugehen, und für die sollten höchstens zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt werden. J. sei nur der Gärtner gewesen, der keine verantwortliche Position hatte und selbst unter Überwachung stand.

Pflichtverteidigerin wollte einen Freispruch

Eigentlich wollte Verteidigerin Linnemann aber einen Freispruch. Denn die Ermittlungsbehörden hätten nicht viel mehr in der Hand als die Feststellung: „Er war der Pole, der vor Ort verhaftet wurde.“ In dessen Schlafkammer, nicht bei der Arbeit mit den Pflanzen. Die einzige Äußerung, in der der Angeklagte überhaupt erkennen ließ, dass er von der Hanfplantage wusste, stammt aus der ersten polizeilichen Vernehmung. Und die hätte aus Sicht der Verteidigerin wegen fehlender Belehrung nicht verwendet werden dürfen. Außerdem gebe es nur wenige Spuren, keine DNA von Rafal J. und nur eine sehr kurze Observation durch die Polizei.

Staatsanwaltschaft beantragt vier Jahre und elf Monate Haft

Die Staatsanwaltschaft beurteilte die Rolle des Polen in der illegalen Hanfaufzucht dagegen als so verantwortlich, dass sie ihn als Täter verurteilt wissen wollte, und zwar zu vier Jahren und elf Monaten Gefängnis.

So weit ging die vorsitzende Richterin Katrin Seidel in ihrem Urteil nicht. Es seien viele Fragen offen, das Gericht sei aber überzeugt, dass J. die Anlage kannte, dass er dort als Techniker angestellt war und eine gewisse Verantwortung hatte. Geplant, organisiert und aufgebaut habe er die Zucht aber nicht, deswegen sei es nur Beihilfe. Mit den drei Jahren und zehn Monaten lehnte sich das Gericht an das Strafmaß an, das für den Fall eines Geständnisses im Gespräch war.

Ermittlungen gegen drei weitere Männer laufen

Gegen das Urteil können die Beteiligten Revision einlegen. Selbst wenn es nicht dazu kommen sollte, wäre der Fall aus Borna noch nicht aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen drei weitere Männer aus Polen. Gegen den Vermieter der Halle wird nicht vorgegangen. Ihm glauben die Ermittler, dass er von der Hanfplantage nichts wusste.

Von André Neumann

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