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Borna Vaterschaftstests: Väter und Eifersüchtige finden Gewissheit in einem Dorf bei Rötha
Region Borna Vaterschaftstests: Väter und Eifersüchtige finden Gewissheit in einem Dorf bei Rötha
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00:21 15.09.2017
Die Utensilien für eine DNA-Probe gehören seit über zehn Jahren zu den Arbeitsmitteln von Christian Schubert. Quelle: André Neumann
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Rötha

Es gibt Männer, die kommen von selbst zu Christian Schubert, andere schickt das Gericht oder das Jugendamt. Die einen möchten, vielleicht nach einem Leben voller Zweifel, endlich Gewissheit über die Familienverhältnisse. Die anderen wollen sich vor der Verantwortung drücken. In beiden – und vielen anderen – Fällen hilft ein Vaterschaftstest.

Christian Schubert Quelle: André Neumann

Christian Schubert wohnt in einer ruhigen Eigenheimsiedlung in einem Ortsteil von Rötha. Hier, in Vertrauen schaffender Abgeschiedenheit, nimmt der promovierte Chemiker Speichelabstriche von seinen Kunden und Klienten. Er macht daraus eine auswertbare DNA-Probe, verschickt sie an ein Labor und fertigt wenig später aus dem Analyseergebnis ein Gutachten, das für Klarheit sorgt. Vor Gericht oder in der Familie, so oder so.

Der 64-Jährige hat sich nicht schon immer mit der Aufklärung der Frage befasst, ob jemand nun Vater eines Kindes ist oder nicht. 1971 verschlug das Chemiestudium den gebürtigen Erzgebirgler nach Leipzig. Seinen Doktor machte er in organischer Synthesechemie. Weil Wissenschaft ihn mehr interessierte „als Schichtdienst in Leuna“, blieb er an der Universität, wo er unter anderem Medizinstudenten in Biochemie ausbildete.

1986 forschte er für ein Jahr am Albert-Einstein-College für Medizin in New York. Dort lernte er Kollegen kennen, die Molekularbiologie betrieben, also am Erbinformationsträger DNA forschten. Die Bekanntschaft mit den neuen Freunden sollte sich noch einmal als wertvoll erweisen.

Zur Rückkehr nach Leipzig gehört diese kleine Episode: Irgendwie gelang es Schubert damals, einen der noch jungen Macintosh-Computer aus den USA heraus und in die DDR hineinzubringen. Der funktioniert heute noch. Für die DDR nahte damals schon das Ende, und in den Wirren des Umbruchs verließ er die Universität, um 13 Jahre als Verkäufer für Pharmaproduzenten zu arbeiten.

Dann, 2005, stand er ohne Arbeit da und überlegte, „was ich sonst noch so kann“, erinnert er sich. Er besann sich auf seine New Yorker Freunde, zu denen der Kontakt nie abgerissen war. Einer von ihnen betrieb immer noch ein Labor für Abstammungsforschung und ermunterte den Sachsen, es mit Vaterschaftstests zu versuchen: Er soll die Proben nehmen, über den großen Teich schicken und anschließend mit der Analyse aus New York das Gutachten schreiben. Da war nur ein kleines Problem: Wie bekommt man eine DNA-Probe ohne Zoll und Formalitäten in die USA? Postdienstleister winkten ab, das gehe nicht. Schubert erklärte ihnen: Das macht ihr doch täglich, immer wenn einer eine Briefmarke angeleckt hat, verschickt ihr DNA. So kamen die DNA-Proben in den Briefumschlag.

Nach zehn Jahren erkrankte der Freund in den USA und gab sein Labor auf. Schubert fand einen neuen Partner in Deutschland und macht bis heute weiter. Neben den Vaterschaftstest im Auftrag von Gerichten, Jugendämtern oder Privatpersonen auch mit einer weiteren Dienstleistung, die ihre Wurzeln in den USA hat.

Er verkauft den Checkmate-Test. Der Begriff ist ein Wortspiel, dass sich mit Untreue-Test übersetzen lässt. Damit kann ein von Eifersucht geplagter Mensch heimlich herausfinden, ob es sich bei der Spur in Kleidungsstücken um Sperma handelt, dass auf Fremdgehen hindeuten könnte. Falls ja, kann ein folgender DNA-Abgleich Gewissheit darüber bringen, ob tatsächlich eine dritte Person im Spiel war. Moderne Wissenschaft im Dienst verlorener Liebe.

Von André Neumann

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