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Verdienstorden mit 37 Jahren

Verdienstorden mit 37 Jahren

„Eigentlich fühle ich mich noch zu jung für eine solche Auszeichnung. Aber natürlich freue ich mich – und verstehe den Orden als Verpflichtung", sagt Dr. Frauke Petry aus Tautenhain.

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Bundespräsident Joachim Gauck verleiht Frauke Petry im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Quelle: dpa

Tautenhain/Berlin. Die 37-Jährige ist promovierte Chemikerin, Geschäftsführerin eines kleinen Betriebes, Ehefrau und vierfache Mutter. Am Donnerstag hat sie in Berlin aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten – als eine von 35 Frauen und Männern.

„Die Einladung zur Ordensverleihung kam ja schon im Sommer. Ich hatte den Brief zunächst als Behördenpost gar nicht beachtet und dachte nur ,Bist du etwa schon wieder geblitzt worden?‘ Doch dann reichte mir mein Mann den Umschlag...", erinnert sich Frauke Petry schmunzelnd. Ihr Mann Sven ist Pfarrer in Tautenhain – und erlebte mit seiner Frau, den vier Kindern, der Großmutter und der Patentante die feierliche Zeremonie im Schloss Bellevue live mit.

Er ist natürlich stolz auf seine Frau, die tagtäglich den Spagat zwischen Beruf und Familie meistern muss. Das Leben der Pfarrerfamilie findet auf der Achse Tautenhain–Leipzig statt, wo Frauke Petrys Firma PURinvent angesiedelt ist. Auf dem morgendlichen Weg bringt sie die beiden großen Kinder Tabea (10) und Sebastian (7) noch in die Schule. „Ich freue mich sehr, dass ein kleiner Ort wie Tautenhain neben den vielen großen Städten medial erwähnt wurde", so die Chemikerin. Sie kann allerdings nicht verstehen, warum in Sachsen hinsichtlich des Fahrgelds für den Schulweg nicht alle Schüler gleich behandelt werden und sich der Landkreis Leipzig für nicht zuständig erklärt, weil die Kinder in der Stadt Leipzig zur Schule gehen. „Man will doch angeblich Leute auf dem Land halten und wirbt mit der direkten Anbindung an Leipzig. Da muss man auch Anreize schaffen, sich hier anzusiedeln."

Umso mehr schwirren ihr aber Dinge im Kopf herum, für die sie jetzt geehrt wurde. „Ihren Berufsweg prägen ganz besondere Courage und Tatkraft im Bereich der Forschung und Entwicklung", hieß es am Donnerstag in der Laudatio. In der Tat ist die von der gebürtigen Dresdenerin 2007 in Leipzig-Plagwitz gegründete Firma eine Erfolgstory. Ihre Mutter hatte einst ein Patent für einen neuartigen Kunststoff entwickelt, an dem die Industrie damals nicht interessiert war. Tochter Frauke entwickelte das Patent zu einem tragfähigen Geschäftsmodell weiter. Das ist inzwischen mehr und mehr gefragt, weil es ökologisch und ökonomisch einzigartig ist. So können sowohl große Reifen von Baumaschinen als auch Räder von Rollstühlen, Kinderwagen oder Schubkarren vollständig damit gefüllt und somit vor Pannen geschützt werden. „Wir verfeinern das Produkt ständig, die Forschung hört nie auf", sagt die Geschäftsführerin über ihr Team. Sie hat inzwischen ein weiteres Patent darauf. Zehn Mitarbeiter zählt ihr Unternehmen schon und soll weiterwachsen. PURinvent hat nicht nur in Europa immer mehr Kunden, sondern nun auch in den USA wurde die erste Füllstation eröffnet.

Der berufliche Stress indes hindert die junge Frau nicht, sich für anderes Zeit zu nehmen. In erster Linie natürlich für die Familie und den großen Pfarrgarten. Zudem ist Frauke Petry in Leipzig an der Schule ihrer ältesten Tochter Mitglied der Elternvertretung, und mit PURinvent unterstützt sie soziale Projekte in Leipzig über den Förderverein des BIP-Kreativitätsschulzentrums. Und dann ist da noch die Musik, ohne die es für Frauke Petry sowieso nicht geht. Sie singt im zur Thomaskirche gehörigen Kammerchor, dem Leipziger Vocalensemble mit, und wenn nötig hilft sie ihrem Mann im Gottesdienst an der Tautenhainer Orgel aus. „Leider hat auch mein Tag nur 24 Stunden. Ich wünschte mir schon, mehr Zeit zu haben, um mich sinnvoll ehrenamtlich zu engagieren", bekundet sie. Eine Einstellung, die imponiert.

Thomas Lang

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