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Verlorener Sohn will zurück zur CDU

Verlorener Sohn will zurück zur CDU

Er ist das, was gemeinhin ein politisches Talent genannt wird. Everybody`s Darling ist er zweifellos nicht: Sebastian Stieler, seit knapp fünf Jahren im Stadtrat und dort mit Abstand das jüngste Mitglied, wo der junge Mann, derzeit fraktionslos, auch wieder hin will.

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Sebastian Stieler

Quelle: Archiv

Borna. Und zwar auf dem Ticket der CDU, wo er einst seine politische Laufbahn begonnen hat.

Es gab Zeiten, da war Stieler, mittlerweile 25 Jahre jung, für manche ein Überflieger. Er erklärte in kurzen Filmen im Internet die Lokalpolitik und bot gemeinsame Nachmittage an. "Kuchen mit Sebastian" hieß das Schlagwort. Sein für Bornaer Verhältnisse nahezu professioneller Wahlkampf vor der letzten Stadtratswahl, zu dem auch ein ordentliches Gefährt mit Porträt und Wahlaufruf gehörte, waren sicher jedenfalls auffällig. Stieler hatte da schon als Kreisschülersprecher erste politische Erfahrungen gemacht. Er landete bei der CDU, verließ den Bornaer Ortsverband nach Querelen zusammen mit dem früheren Bürgermeister Lutz-Egmont Werner und der einstigen Landratsamtsdezernentin Brigitta Ast, mit der er sei vier Jahren eine freiwillig-unfreiwillige Gemeinschaft als Fraktionslose im Stadtrat bildet. Zuvor hatte der junge Mann, der sein Studium der Medienwissenschaften erfolgreich abgeschlossen hat und seit einem halben Jahr Pharmazie studiert, bei der Fraktion Freie Wähler/FDP angedockt und seine damaligen Mitstreiter nach Auseinandersetzungen vor Gericht gebracht. Mit der Folge, dass die einstigen Fraktionskollegen kräftig zahlen mussten und Stieler seither nicht mehr grüßen.

Das allerdings änderte nichts, dass der junge Mann, rhetorisch begabt, zu einer Größe im Stadtrat wurde. Was wohl auch die Großkopferten der örtlichen CDU dazu gebracht hat, den verlorenen Sohn wieder heranzulassen. Fakt ist, dass Stieler bei der Stadtratswahl am 25. Mai auf dem Kandidatenzettel der CDU stehen will, freilich ohne dort gleich wieder Parteibeitrag zu zahlen. Für seine Entscheidung nennt er Gründe: dass die Freien Wähler, für die er seinerzeit wegen ihres Wahlprogramms angetreten sei, nur auf Borna beschränkt seien. "Wenn ich als Stadtrat mal einen Experten brauche, gibt es da keinen." Bei den großen Parteien wie der CDU allerdings finden sich sowohl in Dresden als auch in Berlin im Zweifelsfalle kompetente Ansprechpartner. Und die CDU, sagt er, "ist im Stadtrat der einzige Gegenpol zur Oberbürgermeisterin".

Von seinen Stadtratskollegen hebt sich der junge Mann mit der Leidenschaft für Schach in jedem Fall durch seine äußerst pointierten Auftritte ab. Etwa, wenn er mit dem Lego-Modell eines Freibades seine Position zu den Wiederaufbauplänen für das Areal An der Wyhraaue deutlich macht. Und er hat Selbstbewusstsein. Kostprobe aus der letzten Stadtratssitzung: "Frau Oberbürgermeisterin, Sie können mir ja viel vorwerfen, aber nicht, dass ich nicht vorbereitet bin." Ein Volltreffer, weil kaum jemand die Beschlussvorlagen gründlicher studiert. "Für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich das, worüber ich abzustimmen haben, gelesen habe und im Zweifelsfalle Fragen stelle".

Bleibt die Frage, wo er sich bei der CDU, ein Stadtratsmandat vorausgesetzt, einordnen wird. Immerhin hätte er dort das politische Schwergewicht Roland Wübbeke und den versierten Sylvio Weise vor sich. Ein Platz für Stieler in Reihe drei? Warum nicht, sagt er. "Wenn die, die vorn stehen, auch die Arbeit machen, die von den Vorderleuten gemacht werden muss."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.02.2014
Nikos Natsidis

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