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Borna Verstärkte Vorsorge vor Afrikanischer Schweinepest im Landkreis Leipzig
Region Borna Verstärkte Vorsorge vor Afrikanischer Schweinepest im Landkreis Leipzig
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09:00 24.03.2017
Jens Rogel, Mitarbeiter des Veterinäramtes im Bornaer Landratsamt, untersucht Fleischproben von Haus- und Wildschweinen auf Trichinen (Fadenwürmer). Die Untersuchungen zur Schweinepest laufen in der Landesuntersuchungsanstalt in Chemnitz. Quelle: Simone Prenzel
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Landkreis Leipzig

Die Geflügelpest bestimmt noch immer die Schlagzeilen. Aber auch eine gefährliche Viruserkrankung, die Schweine befallen kann, bereitet Jägern und Veterinären Kopfzerbrechen: die Afrikanische Schweinepest. Obwohl der Erreger bislang noch einen Bogen um Deutschland macht, sind die Behörden in Alarmbereitschaft. Seit 1. Januar gilt deutschlandweit ein verschärftes Monitoring, um eine engmaschige Kontrolle von Schwarzkitteln zu gewährleisten. „In der Russischen Föderation, Weißrussland und der Ukraine ist es schon zu größeren Ausbrüchen gekommen. Seit einigen Jahren grassiert die Afrikanische Schweinepest zudem auch in östlichen EU-Ländern wie Polen, Lettland und Litauen“, erklärt Norman Ständer, Sachgebietsleiter für Tierseuchenbekämpfung und Tierschutz, im Bornaer Landratsamt.

Im benachbarten Polen wurde die hochansteckende Krankheit erstmals 2014 nachgewiesen. „Deshalb wird alles daran gesetzt, ein Übergreifen der tödlichen Tierseuche auf Deutschland zu verhindern“, so der Fachtierarzt für Mikrobiologie, der seit acht Jahren in der Kreisbehörde arbeitet.

Dr. Norman Ständer, Sachgebietsleiter für Tierseuchenbekämpfung im Bornaer Landratsamt. Quelle: Simone Prenzel

Zwar kann die Afrikanische Schweinepest dem Menschen nicht gefährlich werden, dafür würden massive Auswirkungen auf Schweinebestände drohen, sollte sich der Erreger weiter vorwärts arbeiten. Es müsste in Zuchtbetrieben der ganze Bestand gekeult werden, sollte sich nur ein infiziertes Tier im Stall befinden. Auch für den Handel mit Schweinefleisch würden dann scharfe Restriktionen gelten. „Der Transitverkehr, aber auch eine Ausbreitung über Wildschweinpopulationen gelten als mögliche Übertragungswege“, erklärt Norman Ständer. Da der Erreger in Lebensmitteln, zum Beispiel rohem Schinken, etliche Zeit überleben kann, gilt zum Beispiel Rohwurst aus östlichen EU-Bereichen als gefährliches Mitbringsel. Ein unbedacht weggeworfenes Wurstbrot – von einem Fernfahrer verschmäht – könnte theoretisch zu folgenschweren Konsequenzen führen. „Wenn hiesige Wildschweine ein derart belastetes Lebensmittel fressen, wäre der Ernstfall da“, warnt der Experte.

Um möglichst frühzeitig zu reagieren, wird die Kontrolle der Wildschweinbestände verschärft. „Jäger sind aufgefordert, Proben von allen verendet aufgefundenen Wildschweinen und geschossenen Tieren mit klinischen Auffälligkeiten abzugeben.“ Einen finanziellen Anreiz gibt es für Blutproben von gesund erlegten Schwarzkitteln, die ebenfalls unter das Monitoring fallen. Für jede dieser Proben erhält der Jäger zehn Euro Aufwandsentschädigung, die von der Tierseuchenkasse bis zu einer Gesamtzahl von 123 für den Landkreis Leipzig gezahlt werden. „Seit Jahresanfang wurden bereits rund 80 Blutproben auf dieser Grundlage abgegeben“, so der amtliche Tierarzt. Die Jäger hätten ein großes Interesse daran, den weiteren Vormarsch der Afrikanischen Schweinepest aufzuhalten. Das Veterinäramt sieht in den Jagdberechtigten natürliche Verbündete. „Die Bereitschaft der Waidmänner ist sehr groß, sich am Kampf gegen das gefährliche Virus zu beteiligen“, lobt der 37-Jährige.

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis nach Angaben des Veterinäramtes insgesamt 374 Blut- und 107 Organproben von Wildschweinen genommen. Weder Afrikanische noch Klassische Schweinepest wurden dabei nachgewiesen. In zwei Proben tauchten Brucellose-Erreger auf. Insgesamt drei Füchse wurden auf Tollwut untersucht – bei keinem bestätigte sich der Verdacht. Bei einem Fuchs wurde allerdings Staupe festgestellt.

Im kreiseigenen Labor in der Bornaer Stauffenbergstraße erfolgt die Untersuchung auf Trichinen. Das sind winzige Fadenwürmer, die in Schlacht- oder Wildschweinen vorkommen können. Alle geschlachteten und erlegten Tiere, die für den Verzehr bestimmt sind, müssen hier auf Parasitenbefall untersucht werden. „Die Jäger oder Fleischereien geben bei uns entsprechende Muskelproben ab“, berichtet der Mikrobiologe. Per Internet erhalten die Betroffenen dann innerhalb von ein bis zwei Tagen Bescheid, dass das Fleisch einwandfrei ist und in die Kochtöpfe der Region wandern kann. Trichinen tauchten in Sachen letztmalig 2013 auf.

Von Simone Prenzel

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