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Borna Versuchter Totschlag in Rötha: Angeklagter zeigt sich reumütig
Region Borna Versuchter Totschlag in Rötha: Angeklagter zeigt sich reumütig
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16:36 11.03.2018
Ein 66-Jähriger aus Rötha ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. In der kommenden Woche geht die Verhandlung am Landgericht Leipzig weiter (Symbolfoto). Quelle: Dpa
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Leipzig/Rötha

Ein halbes Jahr Untersuchungshaft hat offenbar Wirkung gezeigt. Günter M. aus Rötha – am Landgericht Leipzig angeklagt wegen versuchten Totschlags – zeigte sich am Mittwoch reumütig. Es sei „falsch gewesen“, räumte er am zweiten Prozesstag ein.

Ausführlich nahm der 66-Jährige Stellung zu den von der Staatsanwaltschaft gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Laut Anklage soll er seinen Nachbarn geschlagen haben – mit einem Aschenbecher, einer Bierflasche, einem Tischbein. Immer im alkoholisierten Zustand. „Das wäre nicht passiert, wenn ich nicht getrunken hätte“, meinte er.

Alkohol war oft im Spiel

Getrunken hat der gelernte Baumaschinist Günter M. oft und reichlich. Und auch Wolfgang W., der in der Wohnung nebenan im Block in der Ernst-Thälmann-Straße in Rötha wohnt und von Hartz IV lebt, bechert gern und viel. Beide Männer freundeten sich an, bildeten eine Trinkgemeinschaft, die oft in Gelage mündete. Ärger und Streit blieben freilich nicht aus: Auch am 2. September vorigen Jahres kippte die promillehaltige Stimmung.

Günter M. vermisste plötzlich seine Brieftasche, suchte sie überall. Vergeblich. Sein Freund Wolfgang kam später damit an, „es hat Geld gefehlt“, sagte der Angeklagte. Circa 100 Euro. Sein Kumpel habe alles abgestritten. Die Situation eskalierte – W., ebenfalls angetrunken, habe mit einem Tischbein herumgefuchtelt. Günter M. nahm es ihm ab und schlug damit zu.

„Dass er einen Schädelbruch hatte, kann ich gar nicht glauben“, meinte er auch am Mittwoch noch. Das sei „ein Unding“, er habe ihm doch immer geholfen. „Ich wollte das nicht.“

Ärzte attestieren „lebensbedrohliche Verletzungen“

Ärzte attestierten später beim Opfer „lebensbedrohliche Verletzungen“ – ein Fakt, den der 66-Jährige nur schwer nachvollziehen kann. Auch bei weiteren Vorfällen vor dieser blutigen Auseinandersetzung, die für den Freund in der Klinik endete, ging es ziemlich zur Sache, nach ähnlichem Muster. Es gab Streit – und dann auch Schläge.

Ohne Grund habe er jedenfalls nicht zugeschlagen, meinte der Angeklagte noch. Eine Bemerkung, bei der sich das Gericht einschaltete. „Das ist nicht die feine Art, das ist eine Straftat“, belehrte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf bestimmt. Und hörte daraufhin ein kleinlautes „Das sehe ich ein.“

Urteil für Donnerstag erwartet

Ausführlich hatte Günter M. vorab seine Lebensgeschichte geschildert. Er arbeitete im Lager und als Heizer im Schichtbetrieb, war dann nach der Wende arbeitslos und aufgrund eines Augenleidens – er ist auf einem Auge fast blind – „nicht mehr vermittelbar“. Er lebte zunächst von Stütze, bezieht inzwischen seit etlichen Jahren eine EU-Rente. Die Scheidung nach 29 Jahren habe ihn getroffen, berichtete der Vater zweier erwachsener Kinder.

Alkohol – auch „eine lange Geschichte“ in seinem Leben. 2009 wurde er nach einer Verurteilung wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt. Einen Entzug aber brach er ab. Inzwischen könne er sich vollstellen, es noch einmal zu versuchen.

Für Montag ist die Zeugenvernehmung des Opfers vorgesehen, auch Gutachter sind geladen. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Von Saskia Grätz

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