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Vertraut und doch fremd

Vertraut und doch fremd

Obwohl das Denkmal seit mittlerweile mehr als 60 Jahren in der Lobstädter Straße in Borna steht, ist es doch so gut wie in Vergessenheit geraten. Vertraut und doch fremd.

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Der 16-jährige Carlo Hohnstedter befasste sich mit einem Bornaer Denkmal und wurde damit im Geschichtswettbewerb Landessieger. Hier zeigt er im Beisein von Geschichtslehrerin Steffi Kohlmetz und Thomas Bergner vom Museum die Auszeichnung.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Der 16-jährige Carlo Hohnstedter ist der Frage nachgegangen, warum der Gedenkstein, der an 98 Opfer des Konzentrationslagers Flößberg erinnert, selbst fast vergessen ist. Mit seiner Arbeit "Ein Porphyr in der Nachbarschaft" ist der Schüler vom Gymnasium "Am Breiten Teich" sächsischer Landessieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten unter Schirmherrschaft der Körberstiftung geworden.

Gerade einmal 700 Meter liegen zwischen dem Denkmal und dem Zuhause des Zehntklässlers, und bis vor einem Jahr wusste Hohnstedter selbst nichts von der Existenz des Steins. Erst eine Stadtführung während eines deutsch-israelischen Schüleraustauschs führte ihn zu dem Ort - und damit auch zu der Erkenntnis, dass lokale Historie kaum wahrgenommen wird. "Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte", das Motto des Geschichtswettbewerbs hätte kaum besser zum Porphyr und dessen eigener Vergangenheit gepasst.

1950 wurde der Gedenkstein durch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes auf dem Friedhof aufgestellt, auf dem die Toten beerdigt worden waren. "Doch an die Opfergruppe, an den jüdischen Charakter und an die Todesumstände erinnerte er nicht", erzählt Hohnstedter, der während seiner Arbeit von der Geschichtslehrerin Steffi Kohlmetz unterstützt wurde. Erst ein Jahr später kam zu der Inschrift "Den Lebenden zur Mahnung, den Toten zur Ehr" die zweite Inschrift "Hier ruhen 98 Opfer des KZ Flößberg" hinzu.

Der Frage, warum kaum jemand das Denkmal kennt, ging Hohnstedter bereits im Winter nach. Auf dem Marktplatz befragte er 95 Passanten unterschiedlichen Alters - und stellte fest, dass die Menschen der Jahrgänge 1926 bis 1959 zum großen Teil den Gedenkstein kennen und um dessen Bedeutung wissen. "Aber mit der Elterngeneration gibt es einen großen Knick", erkannte der 16-Jährige. Grund dafür sei die "einseitige Erinnerungskultur" zu DDR-Zeiten gewesen, bei der vorrangig Antifaschisten als Opfer des Nationalsozialismus galten.

Dass Hohnstedter mit seiner Arbeit Landessieger wurde und diese nun auf dem Weg zur Jury des Bundespreises ist, verwundert Kohlmetz nicht. "Das ist wirklich eine außergewöhnliche Arbeit, die schon den Charakter einer Masterarbeit hat", betont sie. Vor allem sei sie über die Vorgehensweise des Schülers erstaunt gewesen. Denn neben der Befragung von Passanten sprach er mit Zeitzeugen und forschte im Museum Borna in den Archiven. Thomas Bergner vom Museum und zugleich vom Förderverein Gedenkstein Flößberg unterstützte ihn dabei und war fasziniert vom Ergebnis: "Ich dachte, ich lese ein Fachbuch", sagt er. Hohnstedter habe sich umfassend mit der Geschichtsfälschung der DDR auseinandergesetzt. Dass sich ein 16-Jähriger mit der Verleugnung der jüdischen Opfer befasse, sei sehr ungewöhnlich.

Eine Art, gerade bei den nachkommenden Generationen das Denkmal wieder ins Bewusstsein zu rücken, ist für den Schüler das Geocaching. Eine Koordinatenspur führt zum Ehrenhain, wo die Fährtenleser dann Informationen zum Gedenkstein erhalten. Für Hohnstedter ist das einer der besten Wege, lokale Historie und modernes Lernen miteinander zu verknüpfen. Denn in der Schule bleibt bei dem vollen Lehrplan "kaum Platz für Geschichte vor Ort", wie Kohlmetz bedauert.

Julia Tonne

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2013

Julia Tonne

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