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Borna Verwaltung will Beiträge für Bergbau-Vereine sparen
Region Borna Verwaltung will Beiträge für Bergbau-Vereine sparen
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18:03 27.04.2018
Der Bergbautechnikpark an der Autobahn A 38 im Leipziger Südraum. Die Stadt Rötha bleibt vorerst Mitglied des gleichnamigen Vereins. Quelle: André Kempner
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Rötha/Oelzschau

Ignoriert die Stadtverwaltung Rötha die Bergbautradition, welche die Stadt spätestens seit der Eingemeindung von Espenhain und den dazugehörigen Orten hat? Zumindest sah sich die Verwaltung auf der Stadtratssitzung am Donnerstag genau diesem Vorwurf ausgesetzt. Dabei ging es eigentlich nur um knapp 1500 Euro.

Bei den Bemühungen, den städtischen Haushalt in Ordnung zu bringen, hat Kämmerin Heike Herzig, die seit Januar im Amt ist, sich auch die Mitgliedschaften der Stadt in Vereinen und Verbänden vorgenommen. Das schreibt auch das Haushaltstrukturkonzept vor, nach dem die Stadt bis 2012 arbeiten muss. Vierzehn Mitgliedschaften kosten die Stadt im Jahr mehr als 25000 Euro. Herzig hat vier gefunden, aus denen die Stadt austreten könne: den Verein, der das Landwirtschaftsschulheim in Dreiskau-Muckern betreibt (670 Euro im Jahr), den Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle (64 Euro), die Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain (250 Euro) und den Bergbau-Technik-Park (500 Euro).

Verwaltungsausschuss winkt Vorschlag durch

Der Verwaltungsausschuss hatte den Beschlussantrag zuvor mehr oder weniger durchgewunken. Erst ein Schreiben von Tobias Thieme (Rötha Land) an den Bürgermeister und die Stadträte hatte offenbar Nachdenken ausgelöst. Thieme warf der Verwaltung ein „einseitig orientiertes Geschichtsverständnis“ vor, in dem Schloss und Park in der Stadt die wichtigste Rolle spielen würden. Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) wies das in der Sitzung zurück.

Amtsschimmel verkennt eigene Lage

Kahnsdorf vom Nordufer des Hainer See. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Begründungen für die Austritte konnten allerdings schon annehmen lassen, dass im Rathaus nur wenig gedankliche Hinwendung zur Bergbau- und Kohlevergangenheit der Espenhainer Region herrscht: Störmthaler und Markleeberger See seien aus dem Tagebau Espenhain entstanden. Der habe den Namen zu DDR-Zeiten bekommen, aber auf anderen Gemarkungen gelegen. An anderer Stelle heißt es, die Stadt Rötha liege nicht unmittelbar an einem See der Seenlandschaft. Was nicht stimmt: Rötha grenzt an den Störmthaler, den Hainer und den Kahnsdorfer See und auch der Stausee Rötha verdankt seine Entstehung dem Bergbau.

Folgen des Bergbaus wachhalten

Uwe Wellmann ging noch weiter. Der Tagebau Espenhain, wenn er mit dem Ende der DDR nicht gestoppt worden wäre, hätte weitere Orte, die heute zu Rötha gehören, verschlungen. Von der anderen Seite wäre der Tagebau Witznitz auf Rötha zugekommen. Und Mölbis sei europaweit bekannt gewesen wegen der Folgen des Bergbaus. „Wenn uns das nicht 500 Euro wert ist, dann ist uns die ganze Stadt nichts wert“, sagte er.

Zumal er in der Mitgliedschaft im Bergbau-Technik-Park anders als die Verwaltung durchaus touristische Effekte für Rötha sieht: „Von 20000 Besuchern im Jahr finden einige auch nach Rötha.“ Auch wenn der Radweg wegen der Überflutung unter der B 95 derzeit nicht zu nutzen ist, was sich ändern werde.

Tobias Thieme rückte ausdrücklich den Verein Straße der Braunkohle in den Fokus. Der bemühe sich seit über 20 Jahren, Zeitzeugen erlebbar zu machen. „Es ist eine ideologische Frage, ob man sich wegen 64 Euro im Jahr davon verabschiedet“, warf er in die Debatte. Andere Stadträte wiesen daraufhin, dass die Vereine gerade auf die Beiträge der Kommunen angewiesen seien.

Beitritt zum Grünen Ring beschlossen

Zum Schluss wurde der Vorschlag der Verwaltung zusammengestrichen. Rötha wird nun nur aus dem Verein austreten, welcher das Schullandheim in Dreiskau-Muckern betreibt. Damit werden 670 Euro im Jahr gespart. Kurz darauf beschloss der Stadtrat den Beitritt der Stadt zum Grünen Ring. Von dem erhofft sich die Verwaltung wirkliche Effekte für die Stadt. Beitrag im Jahr: 2745 Euro.

Von André Neumann

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