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Viel Stahl für den Breiten Teich

Viel Stahl für den Breiten Teich

Jede Menge Stahl wird derzeit im Breiten Teich in Borna versenkt, oder besser gesagt: in dessen Untergrund getrieben. Mancher Passant und Anwohner wundert sich über den mächtigen Aufwand, der da am östlichen Ufer gerade getrieben wird.

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Am östlichen Ufer des Breiten Teiches in Borna bringen Mitarbeiter eines Unternehmens aus Brandenburg an der Havel die Gründung für einen Steg in den Boden.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Denn eigentlich soll ja nur ein Steg gebaut werden.

 

 

Das dumpfe metallische Schlagen scheppert bis zum anderen Ufer des Teiches herüber und ist auch in der Stadt noch zu vernehmen. Mit einem Spezialaufsatz rammt ein großer Autodrehkran dicke Metallrohre in den Boden. 13 Meter tief sollte die Gründung für den Zugang zum Teich laut Plan reichen. Doch nun ist bei neun Metern Schluss. "Dann ging es nicht mehr weiter", sagt Sven Girbinger von der Firma Orka Steganlagenbau aus Brandenburg an der Havel, der Meister auf der Baustelle. Die gekappten Rohre, zwölf werden es insgesamt sein, vermitteln allerdings immer noch ein bisschen den Eindruck, als solle hier eine kleine Festung gebaut werden.

Ein Norddeutscher wundert sich

Einer der sich über die scheinbar unangemessene Bauweise maßlos aufregt, ist Ralf Land. Der 69 Jahre alte gebürtige Norddeutsche, der seit 13 Jahren in Borna lebt, kennt sich mit Stegen aus, sagt er, weil er seit 35 Jahren mit Yachten zur See fährt. Er habe manchen Anlege-Steg kennengelernt und hat in Schleswig-Holstein noch immer ein großes Boot liegen. "Das würde ich hier ohne Bedenken an einem einzigen dieser Pfeiler festmachen", sagt er und will nicht verstehen, warum bei einem "Personensteg", wie er hier gebaut wird, ein dermaßen großer Aufwand betrieben werden muss. Seiner Ansicht nach würde ein hölzerner Steg völlig ausreichen. Dies hier sei "Geldverschwendung ohne Gleichen", ist er überzeugt.

Eine Ansicht, die Girbinger ganz und gar nicht teilt. Während der Kran den nächsten Pfeiler anhebt und Männer in Gummistiefeln ihn im schlammigen Uferbereich positionieren, erklärt er, warum auf die Pfeiler auch noch eine "sehr stabile Stahlkonstruktion" gelegt wird, die dann mit Holz beplankt wird.

Man befinde sich hier im öffentlichen Bereich, da gelten Bauvorschriften und es werde "vom schlimmsten Fall ausgegangen". Was in dem Falle die Annahme bedeutet, dass der Steg einmal bis zum letzten Quadratzentimeter mit Menschen gefüllt sein könnte.

Das wiederum würden sehr viele sein, den dieser Steg hier wird keiner, den man sich als beschauliches Plätzchen zum Angeln oder zum Entenfüttern vorstellt, diesen hier darf man fast schon als kleine Seebrücke bezeichnen: Gut zwei Meter breit und zwanzig Meter lang ist der Zugang, an den schließt sich vorn eine sieben Meter breite und noch einmal fünf Meter lange Plattform an. An den Planungen hätten neben dem eigenen Unternehmen Statiker und Geologen mitgearbeitet, sagt Girbinger. Als jetzt die Gründung nicht die vorgesehene Tiefe erreichte, seien die erneut zu Rate gezogen wurden und hätten nach Tests die um mehrere Meter verringerte Gründungstiefe als ausreichend befunden.

Zweiter Steg am anderen Ufer

Das Unternehmen aus Brandenburg baut in dieser Woche zunächst die Gründung für den Steg am Ostufer, nächste Woche ist das Westufer an der Reihe. Auch dort werden erst die Pfeiler in den Boden gerammt. Gebaut wird ein zwei Meter breiter Bogensteg, den man vom Ufer aus an zwei Stellen betreten kann und der insgesamt etwa 13 Meter in den Teich hinein reicht.

Ralf Land wird die Arbeiten weiterhin kopfschüttelnd beobachten und sich wahrscheinlich fragen, wie groß eine Yacht sein dürfte, die an diesen Stegen festmachen kann. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.10.2013

Neumann, André

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