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Viertes Lutherfest sorgt für mittelalterliche Atmosphäre in Borna

Dreitägiges Spektakel Viertes Lutherfest sorgt für mittelalterliche Atmosphäre in Borna

Martin Luther hätte das Wochenende in Borna mehr als gefallen: Denn zum vierten Lutherfest kamen hunderte Besucher, wurde die Stadt zum Mittelaltermarkt, tummelten sich Ritter und Gaukler in den Straßen, feierte das Theaterstück „Luthers Traum vom Teufel“ seine Premiere. Askese jedenfalls war Luthers Sache nicht.

Ein Wasserspielplatz ganz aus Holz: den nahmen die neunjährigen Zwillinge Thor (links) und Leif gleich in Beschlag.

Quelle: Julia Tonne

Borna. „Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen“: Das Lutherfest in Borna am Wochenende dürfte dem Reformator, der diese Worte einst sprach, wohl mehr als gefallen haben. Denn die Stadt verstand es von Freitag bis Sonntag, ausgiebig zu feiern. Mit einem Mittelaltermarkt, dessen buntes Treiben hunderte Besucher an den drei Tagen lockte, mit den Aufführungen des Theaterstücks „Luthers Traum vom Teufel“, bei denen Sitzplätze Mangelware waren, und mit Lutherlauf und -wanderung, die Rekordanmeldungen verzeichneten.

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Viertes Lutherfest in Borna im August 2016: In den zurückliegenden drei Jahren hat sich das einzige Lutherfest auf sächsischen Boden zu einer festen Größe in den Veranstaltungskalendern der Region entwickelt. 499 Jahre nach Martin Luthers berühmtem Thesenanschlag in Wittenberg feiert Borna bereits das vierte Lutherfest.

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Mit viel Liebe zum Detail verzauberte die Theatergruppe um Michael Potkownik die unzähligen Zuschauer sowohl am Freitag als auch am Sonnabend. 58 Mitwirkende standen auf der Bühne, sangen im Chor und erschienen Luther im Traum. Das Werk drehte sich um die Zeit Luthers auf der Wartburg, wo der Reformator bis 1522 lebte und arbeitete, die Sprache des Volkes formte und vom Teufel in Versuchung geführt werden sollte. „Die Leute glauben dem Klang des Goldes mehr als den Worten des Mönchleins“, ließ der Teufel (Tino Johne) verkünden. Ohne Erfolg. „Die Übersetzung der Bibel wird gelingen, wenn wir dem Volk aufs Maul schauen“, ließ sich der Reformator, gespielt von Frank Hankel, nicht beirren. Ob Musik, Licht und Requisiten – „in diesem Jahr sind alle Effekte noch besser als bisher“, erklärte Potkownik. Denn mittlerweile arbeite die Gruppe, die in den vergangenen Jahren zunehmend größer geworden ist, mit deutlich mehr Erfahrungen.

Die Erfahrung ist es auch, die den Zieleinlauf der Wanderer und Läufer in diesem Jahr zeitlich nach vorne gerückt hat. Als 2015 der erste Wanderer auf den Marktplatz kam, stand niemand, um ihm zu gratulieren. Das sollte nicht noch einmal passieren, also warteten Besucher und Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) bei brütender Hitze bereits ab Öffnung des mittelalterlichen Marktes. Und das war mehr als umsichtig. Früher als im vergangenen Jahr tauchte mit dem Wanderer Christian Bischoff der erste auf, der die Ziellinie überquerte.

Der Bornaer, sonst eher in den Bergen und auf Gipfeln unterwegs, hatte die rund 22 Kilometer von Altenburg bis nach Borna in 3,37 Stunden geschafft. 180 Wanderer hatten sich diesmal angemeldet – „ein neuer Rekord, 2015 waren es 120 Anmeldungen“, sagte Stadtsprecher Hans-Robert Scheibe. Bei den Läufern blieb die Zahl bei 95 – entsprechend der Thesen, die Luther 1517 an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, schickte. Allerdings gingen wegen der mehr als 30 Grad Celsius am Sonnabend nicht alle von ihnen auf die Strecke.

Mit Michael von der Straßen (Thomas Claus) und Henry Graichen waren Geleitsmann und Landrat (das heutige Pendant) beim Lutherfest aufeinander getroffen. „Nur hier leben Historie und Gegenwart so eng zusammen“, betonte Claus. Was Graichen besonders faszinierte, ist der Enthusiasmus, mit dem die Bornaer das Spektakel seit vier Jahren auf die Beine stellen. „Es ist der Stadt nicht von außen aufgestülpt worden, vielmehr sind es die Bewohner selbst, die mit dem Fest einen richtigen Höhepunkt im Veranstaltungskalender geschaffen haben.“ Entsprechend liebevoll sei das Lutherfest organisiert und umgesetzt worden.

Der Martin-Luther-Platz hatte sich während der drei Tage in das Mittelalter versetzen lassen. Gaukler drehten ihre Runden, um das Volk mit Feuerspucken, Jonglage, Schabernack und frechen Weisen zu begeistern. Ein Wasserspielplatz – komplett aus Holz gefertigt – war wegen des kalten Wassers und der vielen Aquädukte für die Kinder zum Lieblingsplatz avanciert. Allerdings tummelten sie sich auch rund um die Rittersleut, die nicht nur auf sich selbst losgingen, sondern auch dem Nachwuchs die Kampftechniken beibrachten. Gaukler Kerze half bei den ersten vorsichtigen Versuchen der jungen Besucher, Teller zu jonglieren und brennende Fackeln durch die Luft zu werfen. Anziehungspunkt war zudem die (nachgebaute) Gutenberg-Druckerpresse des Bibelmobils, an der Namen, eigene Texte und Gedichte gedruckt werden konnten. Die größeren Besucher konnten sich hingegen bei Blumen-Ute, Seilertante Antje und Weber-Dieter in die Kunst des Blumenbindens, der Seilerei und des Webens einweihen lassen. Stephanus der Reisende war gar extra aus Österreich gekommen, um „Alex, der Metsieder“ unter das erwachsene Volk zu bringen: Honigwein, gemixt mit Zitronenmelisse, Himbeere oder schärfer mit Chili, Ingwer und Cayennepfeffer, kombiniert mit einem roten Beerenmix. „Martin Luther hätte es garantiert gefallen, wie die Stadt, in der er Zuflucht suchte, heute feiert“, machte Rathauschefin Luedtke deutlich. Wahrscheinlich hätte er sich gar selbst unter das feierwütige Volk gemischt. Askese sei seine Sache nicht gewesen. Wie Michael Seimer, Beauftragter für die Lutherdekade der Sächsischen Landeskirche, erklärte, habe Luther etliche Spuren in Borna hinterlassen. Und die Besinnung auf diese historischen Ereignisse werde nirgends so deutlich wie hier.

weitere Fotos online: www.lvz.de

Von Julia Tonne

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