Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Visionen für Rötha
Region Borna Visionen für Rötha
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 10.04.2011
Anzeige

. Das Schloss von Rötha war einst Hauptquartier der verbündeten Monarchen gegen Napoleon. Ein Fakt, der nahezu vergessen ist, der aber in angemessener und würdiger Form ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden soll. Der Förderverein „Rötha. Gestern. Heute. Morgen" hatte am Freitagabend eine Expertenrunde vor Ort versammelt, um über das Projekt „Rötha 2013", machbare Ziele und Visionen, zu sprechen.

Seit der Vorwoche ist es klar: Reste von Bausubstanz des 1969 gesprengten Schlosses sind definitiv vorhanden. „Es ist noch etwas da vom Schloss", erläuterte Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie den Teilnehmern des Auftaktkolloquiums „Rötha 2013" die Ergebnisse erster Grabungen.

Mit einer kurzen Besichtigung des willkürlich zerstörten authentischen Ortes hatte Walter Christian Steinbach, Chef des Fördervereins, die Besucher an den Ort geführt, wo das einst prachtvolle Gebäude – 1669 anstelle einer mittelalterlichen Wasserburg für die Adelsfamilie von Friesen errichtet – stand.

Unterirdisch ist das Schloss noch nicht in Gänze verschwunden. Wenngleich durch einen Bau der LPG Anfang der 80er Jahre auch Teile des Kellers zerstört wurden. Es fanden sich Ziegel älteren Datums, sogenannte Klosterformate, die laut Westphalen bis in die Neuzeit verwendet wurden. „Es lohnt, weiterzumachen", sagte er.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der auf 1209 Pfählen errichtete Bau schon vor 1969 bedroht war: durch den Tagebau Witznitz. Die Abbaupläne wurden aber nicht verwirklicht. Nach 1945 diente das Haus Wohnzwecken und als Kindergarten. Es wies unter anderem Schäden im Putz und Risse auf – ein Schandfleck, der aus Sicht der DDR-Oberen weichen musste. Trotz Protesten. Das damalige Institut für Denkmalspflege war dagegen und konnte einen Teil der Ausstattung und des Mobiliars bergen, erläuterte Thomas Brockow vom Landesamt für Denkmalspflege. Fotos von den Innenräumen und weitere Zeugnisse existieren. Es sei auch noch einiges im Amt, das der Restaurierung bedarf. „Es gibt noch viel zu erforschen."

Ein zweiter Komplex: der Schlosspark. Das einst barocke Areal wurde um 1750 im Stile des Rokoko umgestaltet und weist bis heute „interessante Gehölze in großer Vielfalt" auf, erläuterte Hans-Joachim Keil, Mitglied des Heimatvereins. Ziel: Die frühere Sichtachse soll wiederhergestellt und untypische Bäume entfernt werden. „Von manchem müssen wir uns trennen", sagte Keil. Er erinnerte an den langjährigen Heimatvereinsvorsitzenden Horst Brauße, der sich viele Jahre um die Bewahrung der Historie Röthas verdient gemacht hatte.

Im Anschluss ging es um die Frage, wie Rötha mit den vorhandenen Pfunden wuchern kann. Anderthalb Jahre bleiben Zeit, bis das prominente Jubiläum der Völkerschlacht in großem Stile begangen wird. Der Förderverein wolle der Stadt Rötha helfen, ein Programm für Rötha 2013 zu erstellen.

Dass das Schloss Hauptquartier der Alliierten war, ist belegt. Zum einen in einer handschriftlichen Notiz des damaligen Schlossherrn von Friesen, zum anderen in der Leipziger Zeitung vom 22. Oktober 1813. Gleichwohl ist die Aktenlage zu diesem Thema dünn. Steffen Poser, Chef des Völkerschlachtdenkmals, hält gründliche Recherchen für nötig, etwa im österreichischen Staatsarchiv. Sein Vorschlag: Bis 2013 sollten Überbleibsel des Schlosses und die Parkanlage erlebbar gemacht werden.

Wolfgang Hocquél von der Kulturstiftung Leipzig regte eine Ausstellung an, die dem Alleinstellungsmerkmal (Hauptquartier) gerecht wird, ergänzt durch die Besichtigung des archäologischen Denkmals Schloss und den Park könne Rötha „ein hochattraktiver Ort werden, der einen Besuch lohnt". Und nach 2013 sollte dann weitergemacht werden, es müsse noch viel Material gesammelt werden.

Ob zur Präsentation 2013 auch Teile des historischen Speisezimmers derer von Friesen gehören können, wird zu klären sein. Es mangelt an einem geeigneten Raum. Im Mehrgenerationenhaus könne es laut Steinbach allenfalls temporär gezeigt werden. Danach müsse es eine museale Lösung geben. Und natürlich werde auch Geld gebraucht.

Aber: Er kenne kein Projekt, das am Geld gescheitert sei, betonte Steinbach. Vielmehr scheitere vieles im Kopf. Damit reagierte er auf die Äußerungen von Bürgermeister Ditmar Haym, der sich dem Projekt Rötha 2013 gegenüber aufgeschlossen zeigte, allerdings auch auf die bescheidene finanzielle Situation der Stadt hinwies. Dennoch wollen die Protagonisten alles tun, um das Image von Rötha ins rechte Licht zu rücken. 2013 sei dafür ein ganz entscheidender Zeitpunkt, sagte Steinbach. Danach könne die Phase der Umsetzung beginnen, die irgendwann einen Pavillon der Erinnerung vorsieht.

Saskia Grätz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der mutmaßliche Todesschütze von Groitzsch, der auf drei Schrottdiebe geschossen haben soll, sieht sich als Opfer, nicht als Mörder.Dem aus Bayern stammenden Mann wird vorgeworfen, drei 19, 23 und 27 Jahre alte Männer erschossen zu haben, die sich an und auf seinem Grundstück als Schrottdiebe zu schaffen gemacht haben.

07.04.2011

Überraschung im Mordprozess gegen Guido N.: Am Montag teilte der Verteidiger des Angeklagten, der drei junge Männer in Groitzsch erschossen haben soll, Erhard Frank mit, dass er seine Verteidigung zurückzieht.

07.04.2011

Großdeuben. Bei manchen Themen braucht es Geduld. Unsäglich viel Geduld. Der Volkspark Großdeuben mit der unvollendeten Baustelle Herrenhaus und dem Torhaus ist so ein Problem, das von den Eigentümern offenbar nicht gelöst werden kann.

06.04.2011
Anzeige