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Vogelgrippe verunsichert Geflügelzüchter im Landkreis

Erste Rasseschau abgesagt Vogelgrippe verunsichert Geflügelzüchter im Landkreis

Der erste Fall von Vogelgrippe am Cospudener See hat für große Verunsicherung unter Züchtern im Landkreis Leipzig gesorgt. Im Muldental wackelt die Kreisschau, Borna hat die Veranstaltung in Rötha abgesagt. Agrarbetriebe und Hobbyzüchter rechnen mit Einbußen im Weihnachtsgeschäft.

Experten nehmen Proben von Tieren, die auf Vogelgrippe untersucht werden.

Quelle: Frank Schmidt

Landkreis Leipzig. Nachdem die ersten Landkreise in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wegen der Vogelgrippe die Stallpflicht für Geflügel anordneten, gilt seit Montagabend auch im Landkreis Leipzig die Aufstallungspflicht von gehaltenen Vögeln zum Schutz gegen die Geflügelpest. Nach dem ersten Fall einer mit dem H5N8-Virus infizierten Wildente am Cospudener See waren seit Sonntag große Teile des Landkreises Leipzig zum Beobachtungsgebiet deklariert, informierte Brigitte Laux, Sprecherin der Behörde. Was zuerst nur Böhlen, Rötha, Ortsteile von Neukieritzsch, Pegau und Groitzsch betraf, gilt inzwischen sachsenweit – die sofortige Aufstallung von Geflügel. Hühner, Enten, Gänse und anderes Federvieh dürfen nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommen.

Obwohl diese flächendeckende Anordnung nicht ganz so strenge Auflagen beinhaltet, wie die Regeln im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet, hat sie in der Region zu einer großen Verunsicherung geführt. „Wenn wieder eine Stallpflicht verordnet wird, ist das das Ende für viele Hobbyzüchter“, befürchtet Gerd Pöge, Vorsitzender des Kreisverbandes Muldental des Sächsischen Rassegeflügelzüchterverbandes (SRV). „Unsere Mitglieder werden immer älter. Nachwuchs fehlt. Mitstreiter, die 2006 ihre Bestände durch den Vogelgrippe-Fall bei Eskildsen schon einmal verloren haben, werden das kein zweites Mal mitmachen.“

So wie der Eichaer saßen am Montag viele Freizeitzüchter wie auf Kohlen und warteten jede Sekunde auf die Entscheidung, ob Sachsen die Stallpflicht ausweitet. „Für unseren Verein kommt das alles zur Unzeit“, beklagt der 75-Jährige, dessen ganze Familie Rassegeflügel züchtet. Am kommenden Wochenende soll eigentlich die große Kreisschau des Verbandes mit über 500 Tieren über die Bühne gehen, zu der sich die Federvieh-Freunde nur aller zwei Jahre in der Reithalle Wermsdorf versammeln. „Es wäre jammerschade, wenn die ganze Arbeit im Vorfeld umsonst war.“ Gerd Pöge hält derzeit an die hundert Tiere, davon 15 Gänse. Unter anderem wollte er mit Zwerghühnern die Punktrichter überzeugen. „2006 habe ich mir Partyzelte gekauft, um der Stallpflicht Genüge zu tun. Aber das waren keine Zustände. Und mit artgerechter Haltung, um die sonst viel Aufhebens gemacht wird, hat das rein gar nichts zu tun.“ Wilfried Große aus Köllmichen bei Grimma wäre im Fall der Stallpflicht gezwungen, einen Großteil seiner Enten und Gänse vorfristig zu schlachten. Seine Stallkapazitäten seinen begrenzt, so der Züchter. Und was die bevorstehende Kreisschau im Muldental betrifft, da zuckt er die Achseln.

Auch im benachbarten Pegau macht sich der Rassegeflügel- und Rassekaninchenzüchterverein Gedanken, ob die für das kommende Wochenende geplante Ausstellung in Kitzen stattfinden kann. „Wir zählen noch nicht zum Sperrbezirk und hoffen, dass wir die Schau ausrichten können“, erklärt Vereinsvorsitzender Dieter Stengel. Sollte die Stallpflicht in der Region auch Pegau betreffen, würde der Verein eine reine Kaninchenschau auf die Beine stellen.

Schutzmaßnahmen für Menschen

Obwohl bislang keine Fälle der Übertragung des Virus H5N8 auf den Menschen bekannt sind, empfiehlt das Landratsamt im Landkreis Leipzig folgende Schutzmaßnahmen:

•Verendete oder erkrankte Vögel sollten nicht angefasst werden. Fachpersonal, das die Tiere beseitigt, soll Schutzkleidung tragen.

•Wenn es einen versehentlichen Kontakt zu toten oder kranken Tieren gab, reicht es aus, sich die Hände sehr gründlich zu waschen.

•Erkrankungen von Hunden sind bislang nicht beschrieben. Im Sperrbezirk und dem Beobachtungsgebiet sind Hunde an der Leine zu führen. In den anderen Gebieten soll der Kontakt mit toten Wasservögeln vermieden und die Tiere im Uferbereich angeleint werden. .

•Eine Katze, die einen infizierten Wildvogel fängt, kann sich möglicherweise anstecken. Doch ist die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe der Krankheit auf den Menschen als sehr gering einzuschätzen.

•Insbesondere sollten Haustierhalter aber darauf achten, die Grundregeln der Hygiene im Umgang mit ihren Tieren zu beachten und die Hände nach dem Tierkontakt zu waschen.

Wer verendete Wasser- oder Raubvögel (Singvögel spielen bei der Geflügelpest keine Rolle!) gesichtet hat, sollte diese beim Lebensmittel- und Veterinäramt des Landkreises telefonisch unter. 03433 241 2500 (zu den Sprechzeiten) oder per E-Mail an lueva@lk-l.de melden. Fundort und Kontaktmöglichkeit für Rückfragen sind erforderlich.

Die am Wochenende geplanten Schau des Kreisbandes Borna ist am Montagabend von Frank Schäffner, Ausstellungsleiter des Rassegeflügelvereins Rötha, abgesagt worden. „Uns bleibt nichts anders übrig, die Auflagen durch den Seuchenschutz sind zu aufwendig“, sagt er. Im Notfall würde sich die Schau im Röthaer Schützenhaus lediglich auf Tauben beschränken. Vorbereiten können sich nach seiner Aussage Geflügelzüchter nicht auf den Ausbruch der Vogelgrippe. „Sie wird durch Wildvögel eingeschleppt, aber eine ganzjährige Stallhaltung ist keine Option. Daran gehen die Tiere auch zugrunde“, macht er deutlich.

Einschnitte für die Geflügelhalter erwartet auch Lorenz Eskildsen. „Es wird wieder dazu kommen, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden“, befürchtet der Inhaber des Zuchtbetriebes in Wermsdorf. Rund 15000 Tiere will das Unternehmen bis Weihnachten schlachten und vermarkten. Die Tiere leben im Freiland, Stallkapazitäten hat Eskildsen lediglich für 7000 Gänse. „Sollten wir gezwungen sein, Stallkapazitäten für den Ernstfall vorzuhalten, wäre das das Aus für die Gänsehaltung in Deutschland“, so Eskildsen.

Vorhandene Ställe lassen dagegen Heiko Andrä zuversichtlich aufs Weihnachtsgeschäft schauen. „Unser Weihnachtsgeflügel ist jeden Tag draußen, und so soll es ja auch sein“, sagte der in Breitenborn nahe Geithain ansässige Züchter. Ab Ende November bis unmittelbar zum Heiligen Abend würden die Gänse und Enten verkauft. „Die Leute, die einen richtigen Braten wollen, kommen zu uns statt in das Tiefkühlfach eines Supermarktes zu greifen.“ Das Thema Vogelgrippe sei „eine schwierige Sache“, wenngleich keine neue; betroffen gewesen sei sein Betrieb nie. „Wenn eine Stallpflicht käme, könnten wir die umsetzen. Wir haben genügend große Stallungen, um die Tiere artgerecht unterzubringen“, so Andrä. Und man verfüge auch über ausreichend Stroh für die Einstreu. Deshalb gelte: Ruhe bewahren, alle Hygienevorschriften einhalten.

Bis zur großen Ausstellung der Bad Lausicker Geflügelzüchter, die traditionell über den Jahreswechsel stattfindet, ist es noch ein paar Wochen hin. Deshalb halte man hinsichtlich der Vogelgrippe den Ball flach, sagt Schriftführer Matthias Kortenhof: „Die Meldepapiere an alle, die ausstellen möchten, gehen in den nächsten Tagen planmäßig raus.“ Problematischer sei aus seiner Sicht die Lage für die namhafte Lipsia-Schau in Leipzig in drei Wochen; schließlich reiche der von den Behörden festgesetzte Beobachtungsbezirk bis nahe an die Messe heran. Kortenhof rechnet – nach weiteren Funden infizierter Vögel – durchaus damit, dass das Land Sachsen eine Stallpflicht für jegliches Geflügel verhängt. Das würde vor allem Züchter von Wassergeflügel vor Probleme stellen. Wer – wie er selbst – Tauben züchte, habe diese Sorgen eher nicht: „Tauben erkranken nicht daran, und sie tragen die Erreger nicht weiter.“ Zudem lebten sie ohnehin meist in Volieren. Deshalb geht er davon aus, dass er in anderthalb Wochen wie geplant in Erfurt ausstellen könne.

Von sp/cb/es/jto/bis

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