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Borna Volkskundemuseum Wyhra: Kreis setzt auf Erlebnis und Aktion im Vierseithof
Region Borna Volkskundemuseum Wyhra: Kreis setzt auf Erlebnis und Aktion im Vierseithof
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00:18 25.05.2017
Auf dem Vierseithof in Wyhra führt Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer eine sogenannten Aspirateur vor - damit wurde Korn sortiert. Quelle: Foto: Jens Paul Taubert
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Borna

Wie beschwerlich es früher auf dem Dorfe zuging, wird bald nur noch im Museum zu bestaunen sein. Bäuerliche Handarbeit ist Hightech-Melkständen gewichen, Traditionen gehen verloren. Orte wie das Volkskundemuseum Wyhra sind deshalb von unschätzbarem Wert, um Historie lebendig zu halten. Ein Fakt, dem sich jetzt auch der Landkreis aktuell stellt. Das Volkskundemuseum sei eine Perle, hatte Kultusamtsleiter Holger Pethke unlängst festgestellt.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Bestrebungen gegeben, den historischen Vierseithof in die Trägerschaft der Stadt Borna zu übergeben. Die Wyhra-Kommune hatte jedoch mehrfach signalisiert, dass man sich dieser Verantwortung aus finanziellen Zwängen heraus nicht stellen könne. Der Kreis möchte deshalb jetzt Nägel mit Köpfen machen. Im nächsten Kreisausschuss soll für eine Prüfung zur Entwicklung des Museums grünes Licht gegeben werden. Dabei gehe es um die inhaltliche und bauliche Umgestaltung mit dem Ziel, den Vierseithof zu einem multifunktional ausgerichteten Museumshof zu entwickeln. Das Ergebnis soll dem Kreistag zur Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Museums vorgelegt werden, heißt es.

Bereits die damalige Gemeinde Neukirchen-Wyhra hatte das Potenzial des Anwesens im Benndorfer Weg 3 in Wyhra erkannt. Erste Überlegungen, die Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert museal zu nutzen, gab es bereits in den 80er Jahren. Seit 1992 befinden sich Immobilie und Museum im Eigentum des Landkreises. Ein Geschäftsbesorgungsvertrag regelt, dass der Heimatverein Bornaer Land seit 1996 die Einrichtung betreibt.

Die Heimatkundler rund um Museumschef Hans-Jürgen Ketzer lassen nichts unversucht, um auf das Kleinod aufmerksam zu machen. Mit Schulklassen wird gebuttert und gebacken, beim Oma-Opa-Tag beugen sich die Generationen über den Zuber, um wie anno dazumal Wäsche zu schrubben. Die Erinnerung an bäuerliche Traditionen wird kenntnisreich und engagiert wachgehalten. Dennoch: Ketzer, ein promovierter Kulturwissenschaftler, hatte zuletzt signalisiert, dass man neue Ideen brauche, um Besuchergruppen anzusprechen. Trotz vielfältiger museumspädagogischer Angebote würden immer weniger Schulklassen den Weg auf den historischen Bauernhof finden. Nach Auswegen soll jetzt, vorausgesetzt der Kreisausschuss gibt seinen Segen, mit Hilfe von Profis gesucht werden.

„Leitbild und Konzeption für den musealen Bereich des Vierseithofs sollen künftig weiter verfolgt, das Museum als Kern der Anlage weiter belebt und aufgewertet werden“, heißt es aus dem Kultusamt. Durch die Umsetzung kreiseigener Museumsgüter von der Burg Gnandstein nach Wyhra könnten sich neue Themen erschließen lassen. Gedankenspiele sehen ein fest etabliertes Café, Heutenne sowie Musik- und Veranstaltungsscheune vor. Das Museum als multifunktionaler Erlebnisort könnte auch dem neuen Freizeit-Trend, Geschichte live zu erleben, gerecht werden. Der Ort sei wie geschaffen, in den Alltag vergangener Zeiten einzutauchen.

Finanzielle Spielräume gilt es ebenso auszuloten. Neben dem Kreismuseum Grimma ist das Volkskundemuseum Wyhra aktuell das einzige, das sich in Trägerschaft des Landkreises befindet. Andere Einrichtungen wie das Stadtmuseum Wurzen oder das Museum Schloss Frohburg werden von der jeweiligen Kommunen getragen. Das Steinarbeiterhaus Hohburg beispielsweise führt ein Verein. Allein auf sich gestellt kann allerdings kein Träger die Kosten stemmen. Deshalb schießt der Kulturraum Leipziger Raum allein in diesem Jahr über 800 000 Euro für Museen in den beiden Landkreisen Leipzig und Nordsachsen zu. Den größten Posten erhält mit rund 115 000 Euro das Volkskundemuseum Wyhra, dieses speist sich außerdem aus weiteren Landkreisgeldern, dem sogenannten Sitzgemeindeanteil der Stadt Borna sowie einem Eigenanteil des Verein.

Von Simone Prenzel

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