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Vom Grimmaer Schandfleck zum modernen Behördensitz – das neue Finanzamt

Endspurt vor Fusion mit Bornaer Behörde Vom Grimmaer Schandfleck zum modernen Behördensitz – das neue Finanzamt

Einst Ruine, bald Behördenbau: Auf dem Grimmaer Kasernengelände in der Lausicker Straße wird seit Ende 2014 ein historischer Klinkerbau saniert. Die Arbeiten stehen kurz vorm Abschluss.

Die Bauarbeiten für das neue Finanzamt in Grimma kommen gut voran. Der Löwenkopf an der Stirnseite der einstigen Königin-Carola-Kaserne ist eines der wenigen Überbleibsel aus der Zeit der früheren Nutzer.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Auf der Zielgeraden befinden sich die Arbeiten am Erweiterungsbau des Grimmaer Finanzamtes. Vor einigen Monaten noch Ruine, ist dem alten Militärgebäude seine Vergangenheit nicht mehr anzusehen. Nur noch an Stellen, mit denen die Architekten bewusst an die Tradition des Bauwerkes erinnern.

Seit Oktober 2014 ist der einstige Schandfleck an der Lausicker Straße eine Baustelle. Der Freistaat erbarmt sich des historischen Gemäuers und investiert über zehn Millionen Euro in die einstige Königin-Carola-Kaserne. Nach der Entscheidung, die bislang getrennten Finanzbehörden Borna und Grimma an der Mulde zusammenzuführen, war hier eine Aufstockung der Kapazitäten unerlässlich. „Mittlerweile befinden wir uns im Endspurt“, erläutert Gerlindt Berndt bei einem Gang durch das Objekt. Als Niederlassungsleiterin des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) ist sie mit allen Details des ehrgeizigen Vorhabens vertraut.

Bausubstanz war marode

Die Bausubstanz konnte nur noch als marode bezeichnet werden, erklärt die Bauexpertin. Welcher Kraftakt es war, die Kaserne in einen zeitgemäßen Behörden-Bau zu verwandeln, offenbart sich nur dem, der die Ausgangslage kennt. „Im Innern des Gebäudes blieb fast kein Stein auf dem anderen. Das Dachgeschoss mussten wir fast komplett entfernen. Auch sämtliche Zwischendecken in allen Räumen mussten ausgetauscht werden“, berichtet Gerlind Berndt.

Wünsche des Denkmalschutzes mussten mit den Anforderungen an eine moderne Dienststelle in Einklang gebracht werden. Vor allem dem Gewicht, das Tausende von Steuerakten mit sich bringen, trugen die Architekten Rechnung. 750 Kilogramm Last müssen die Decken pro Quadratmeter abhalten – eine gewaltige Menge also, die das Bauwerk zu stemmen hat.

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Vom Schandfleck zur modernen Behörden-Adresse: Die ehemalige Königin-Carola-Kaserne in Grimma wird seit Ende 2014 aufwändig saniert und beherbergt künftig Mitarbeiter des Finanzamtes Grimma.

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Benachbarte Armee-Objekte fielen einfach in sich zusammen, für den stattlichen Klinkerbau kam die Rettung indes gerade noch rechtzeitig. Herausforderungen barg das Gemäuer dennoch jede Menge. So mussten bleihaltige Wandfarben und teerhaltige Böden, die wohl auf das Konto der bis 1993 hier stationierten sowjetischen Streitkräfte gehen, in luftdichten Plastiksäcken und mit Schutzanzügen entfernt werden.

Auf den drei Stockwerken des sanierten Klinkerbaus haben inzwischen die letzten Gewerke das Sagen: Auf sämtlichen Etagen wuseln die Handwerker. Alles ist bereits verkabelt. Dutzende von Türen lehnen an den Wänden – bereit zum Einhängen. Wenige Meter weiter wird der Malerpinsel geschwungen. „Es ist uns gelungen, historische Befunde zu den einzelnen Farbschichten zu sichern“, erläutert SIB-Projektleiter Michael Mayer. Sie stammen aus der Entstehungszeit des Gebäudes um 1900. Auch die langen und schmucklosen Flure werden an die militärische Vorgeschichte erinnern.

Grimmaer Finanzamt soll nach Fusion 300 Mitarbeiter zählen

Der Blick fällt außerdem auf Hufeisen – eine Reminiszenz an die ersten berittenen Nutzer, das 2. Königlich-Sächsische Husarenregiment Nr. 19. Die Andenken an die Zeit der blauen Husaren finden sich in den hölzernen Türrahmen wieder. „Allerdings nur über den Archiv- und Lagerräumen“, sagt der SIB-Projektleiter. Über den normalen Büros prangt das sächsische Wappen. Kleine Herzen, ebenfalls in Holz verewigt, weisen den Weg zu den Toiletten.

Moderner Blickfang ist ein zweigeschossiger Neubau. Er verbindet das vor mehreren Jahren sanierte und vom bisherigen Finanzamt genutzte Dragonergebäude mit der neuen Behörden-Adresse. „Hier mussten wir uns genau überlegen, welchen Bau wir dazwischen setzen, da beide Kasernengebäude zu unterschiedlichen Zeiten entstanden waren.“ Die Wahl fiel auf eine Variante mit viel Glas, um möglichst harmonische Übergänge zu schaffen. Über eine Rampe und den Fahrstuhl im Gebäude sind alle Etagen barrierefrei zu erreichen.

Der Besucherverkehr wird sich allerdings hauptsächlich im flachen Verbindungsbau abspielen. Am modernen Tresen werden die Besucher empfangen. Neben der Informations- und Annahmestelle befinden sich das Zimmer des Amtsvorstehers sowie die Geschäftsstelle in dem Trakt, der über eine offene Galerie und ein Rollregallager im Keller verfügt. Wer genau hinschaut, wird im Eingangsbereich ein Stück Originalwand erspähen. „Hier wurde ein Teil der Husarenkaserne bewahrt und quasi ins Innere des Gebäudes geholt“, klärt Gerlindt Berndt auf. Die SIB-Vertreterin strahlt große Zuversicht aus, dass der Umzug der Bornaer Finanzbediensteten, wie geplant, im Juni über die Bühne gehen kann. Nach der Fusion wird das neue Finanzamt Grimma insgesamt rund 300 Mitarbeiter zählen.

Von Simone Prenzel

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