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Von Borna nach Bansin

Von Borna nach Bansin

Nur ein paar Schritte bis zum Strand, die Ostseewellen direkt vor der Nase, gutes Essen und lauter fröhliche, aufgeschlossene, Menschen um sich herum: Dort, wo andere Familien ihren Urlaub genießen, geht Andreas Kühl (51) seiner täglichen Arbeit nach.

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Das Panoramahotel an der Strandpromenade von Bansin ist seit 2006 fest in Bornaer Hand. Viele Wyhrastädter verbringen hier ihren Urlaub. Fotos (2): privat

Quelle: Privat

Bansin/Borna. Unserer Zeitung schildert der "Auswanderer" seinen Weg von Borna nach Bansin auf der Insel Usedom - oder vom gelernten Instandhaltungsmechaniker und Automobilkaufmann zum Hotelier.

Von Kathrin Haase

Einmal Borna, immer Borna - zumindest theoretisch sprach für Andreas Kühl nichts gegen ein Leben in der Wyhrastadt. Der 51-Jährige besuchte hier die Georg-Schwarz-Schule, baute sich einen Freundeskreis auf, lernte in Espenhain Instandhaltungsmechaniker und arbeitete 20 Jahre lang bei Automobile Borna, zuletzt als Verkaufsleiter für die Filialen Borna, Pegau und Böhlen. Anfang des letzten Jahrzehnts wollte er in dem Unternehmen als Gesellschafter einsteigen - und wurde zweimal abgelehnt.

Das ging nicht spurlos an ihm vorüber, und in Andreas Kühl reifte die Idee und die Sehnsucht nach einem Neubeginn. Bereits 2002 kaufte er sich eine Wohnung in Heringsdorf und verlegte ein Jahr später seinen Hauptwohnsitz dorthin. "Das war meine Oase, dorthin konnte ich mich nach einer stressigen 60-Stunden-Arbeitswoche zurückziehen", erinnert sich der 51-jährige Familienvater. "Die weite Anreise hat mir nichts ausgemacht, ich war das viele Fahren gewöhnt." Gemeinsam mit seiner Partnerin Gerlinde Matthä sattelte der Bornaer schließlich beruflich um und erwarb das leer stehende Panorama-Hotel Bansin auf der Insel Usedom, unmittelbar an der Strandpromenade. Nach umfassender Renovierung feierte das Paar im Juli 2006 die Eröffnung. "Als wir das Hotel übernommen hatten, stand dort alles leer", erzählt der Unternehmer. "Es gab keinen Tisch, keinen Stuhl, keinen Schrank und Bett. Wir mussten uns alles neu anschaffen."

Dabei bewies Andreas Kühl ungeahnte Kreativität und designte die Hotelmöbel selbst. "Tische, Schränke und sogar der Glastresen im Restaurant sind Spezialanfertigungen nach unseren Wünschen", freut sich der Hotelier. "Wir haben sie gezeichnet und Firmen aus Sachsen haben sie genauso gebaut."

Mittlerweile genießt das Drei-Sterne-Hotel eine große Popularität in ganz Deutschland, ist freilich auch in Kühls ehemaliger Heimat ein gefragtes Urlaubsdomizil. 13 Angestellte, vom Azubi und Koch bis zur Servicekraft, kümmern sich um die Wünsche der Urlauber. "Zu mir kommen viele Bornaer", berichtet der Chef, "ich habe ja auch noch gute Kontakte nach Sachsen."

Zwei-, dreimal im Jahr besucht er seine Mutter, seine Schwester und seinen Sohn Benjamin in Borna oder trifft sich mit Schulkameraden und alten Freunden. "Borna ist und bleibt meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen, aber hier oben an der Ostsee ist es traumhaft schön. Der Wind, die frische Luft, das Meer und lauter fröhliche, aufgeschlossene Menschen, die die schönste Zeit des Jahres in unserem Haus verbringen. Was will man mehr?", schwärmt Andreas Kühl von seiner Wahlheimat. "Mein Vater stammte übrigens von der Insel, meine Mutti ist aus Eschefeld, und in Heringsdorf haben sie sich kennengelernt. Schon als Kind bin ich oft zu meinen Großeltern in den Ferien an die Ostsee gefahren. Das war immer sehr schön."

2008 packte auch sein Sohn Daniel (32) die Schecke in der Wyhrastadt, und sorgt nun für frisch gebackene Brötchen und Brote zum Frühstück sowie süße Raffinessen im Cafégeschäft. Im vergangenen Jahr hatte er seine Ausbildung zum Bäcker- und Konditormeister erfolgreich abgeschlossen. Seitdem gehört die Restaurant- und Personalplanung zu seinen täglichen Aufgaben und entlastet die Unternehmer erheblich.

Neben dem Panorama-Hotel in Bansin betreiben Andreas Kühl und Gerlinde Matthä noch eine zweite Einrichtung mit insgesamt vier Angestellten, das "AK 1 Hotel" in Ducherow, auf halber Strecke zwischen Ueckermünde und Anklam. 25 Einzel- und Doppelzimmer stehen den Gästen zur Verfügung, darüber hinaus ein großer Saal zum Feiern. "Das Haus wird gern für Klassentreffen, Familienfeiern oder andere Partys genutzt", berichtet der Unternehmer.

Seinen Weg vom gelernten Instandhaltungsmechaniker, KFZ-Mechaniker, Handelsfachwirt und Automobilkaufmann in Borna zum Hotelbetreiber in Bansin hat der 51-Jährige nie bereut. "Ich bin rundum glücklich und zufrieden", sagt er. Ob es für ihn eines Tages wieder "Kommando zurück" nach Borna heißt, lässt Andreas Kühl bewusst offen. "Wer weiß, was die Zukunft bereithält."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2013

Kathrin Haase

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