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Borna Von Flößberg bis Wurzen – 15 Gedenkorte für Kriegsopfer im Kreis
Region Borna Von Flößberg bis Wurzen – 15 Gedenkorte für Kriegsopfer im Kreis
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12:03 22.04.2016
Auf dem Friedhof Trebsen befindet sich dieses Grab, das an zwei gefallenen Sowjetsoldaten erinnert. In kyrillischen Buchstaben sind sie auf den Steinen benannt.
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Borna/Wurzen

Friedhöfe und Ge­denkstätten erinnern heute noch an die Toten der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts. Dafür sorgt vor allem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der wurde bereits 1919, ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet. Im Landkreis Leipzig finden sich 15 Orte, an denen ausländische Kriegstote begraben sind. Dabei handelt es sich ausschließlich um Opfer aus dem Zweiten Weltkrieg, wie aus einer Übersicht des Landesverbandes Sachsen des Volksbundes hervorgeht. Dazu gehören bekannte Gedenkstätten wie die im ehemaligen KZ-Außenlager Flößberg, aber auch einzelne Gräber wie auf dem Friedhof in der Seelingstädter Straße in Trebsen. In ganz Sachsen gibt es etwa 1000 Kriegsgräberstätten, sagt Dirk Reitz, Landesgeschäftsführer des Volksbundes. Die Organisation ist nicht für Kriegerdenkmäler zuständig, sondern für Orte, an denen tatsächlich Menschen beerdigt sind.

Im ganzen Freistaat geht es vor allem um Tote aus dem Zweiten Weltkrieg. Was den Ersten Weltkrieg anbelangt, so „finden sich in Sachsen quasi nur Lazarett-Tote“, weil es im damaligen Königreich Sachsen keine Gefechte gab, sagt Reitz. Die Masse deutscher Gefallener aus dem Zweiten Weltkrieg liegt auf Friedhöfen in Ostsachsen und damit dort, wo es gegen Kriegsende zu Gefechten kam. Zudem, so der Landesgeschäftsführer weiter, gibt es im Bundesland Gräber für Opfer der Bombenangriffe und von ausländischen Kriegsgefangenen.

Etwa in Flößberg (Stadt Frohburg), wo sich auf einer Wiese die Ruhestätte von 38 unbekannten Toten befindet. Wie viele von ihnen aus der ehemaligen Sowjetunion stammten, ist nicht bekannt, heißt es von Seiten des Volksbundes. Ihre Gräber befinden sich auf dem Gelände des ehemaligen Flößberger Männeraußenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald.

An Zwangsarbeiter aus der Ukraine erinnert ein Grab an der Friedhofsmauer von Oelzschau (Stadt Rötha). Dort haben vier Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf dem Colditzer Friedhof tragen neun Grabsteine die Namen von 16 sowjetischen Kriegsgefangenen sowie zweier Soldaten, die kurz nach Ende des Krieges starben. Die Anlage wurde 1995 eingeweiht. Die Gefangenen mussten in der Steingutfabrik Colditz sowie im Schamottwerk und in den Lippendorfer Elektrowerken Zwangsarbeit leisten.

In Brandis gibt es einen Ehrenfriedhof für Sowjetbürger, die im Zweiten Weltkrieg ums Lebe kamen. Nach heutigem Erkenntnisstand, so heißt es vom Volksbund, wurden hier im Jahr 1946 die sterblichen Überreste von 147 Kriegsgefangenen umgebettet. Sie gehörten zu einem Arbeitskommando des Fliegerhorstes Brandis-Waldpolenz und starben meist an den Folgen der schweren Arbeit. Außerdem wurde in Brandis zwei Jahre nach Kriegsende eine Massengrab für die sterblichen Überreste von 90 Zwangsarbeitern aus Wurzen und Zschadraß sowie vier Kriegsgefangenen aus Beucha und Borsdorf angelegt.

In Böhlen (Stadt) finden sich gleich zwei Erinnerungsstätten an Kriegstote. In der Nähe des Eingangs zum Verwaltungsgebäude der heutigen Dow Olefinverbund GmbH Böhlen gibt es eine größere Gedenkanlage, in der an die Menschen erinnert wird, die in einer Außenstelle des KZ Buchenwald unter unmenschlichen Bedingungen in der Treibstoffproduktion arbeiten mussten. Sie waren zunächst im nahen Dorf Pulgar bestattet worden, das 1976 dem vorrückenden Braunkohlentagebau zum Opfer fiel. Auf dem Friedhof in Böhlen findet sich zudem ein Sammelgrab, das die Ruhestätte von 31 Zwangsarbeitern ist, darunter 18 Russen und Ukrainern. Sie kamen zum Großteil bei den Luftangriffen der Alliierten ums Leben.

Während von vielen Toten oftmals die Namen nicht bekannt sind, ist das auf dem Friedhof in Trebsen anders. Auf zwei Grabsteinen finden sich in kyrillischer Schrift die Namen der beiden Toten. In Wurzen erinnert ein Ehrenhain im Stadtpark an der Kutusowstraße an 20 Sowjetbürger, über deren Todesumstände allerdings Unklarheit herrscht. Bekannt ist dagegen das Schicksal von Kriegsgefangenen, die in der Nähe von Wurzen umkamen. Die Gedenkstätte ist eine der größten im Landkreis. Vor einer halbrunden Natursteinmauer steht eine Skulptur auf einem Sockel. Eine Versöhnungsgeste: Ein deutscher Zivilist (Arbeiter) reicht einem Sowjetsoldaten die Hand.

Der Volksbund hat in Sachsen etwa 3300 Mitglieder. Sie sind im Schnitt etwa zehn Jahre jünger als in den alten Bundesländern, weil der Volksbund erst nach der Wiedervereinigung Landesverbände im Osten gründen konnte. Er versteht sich als humanitäre Organisation, die sich der Pflege von Kriegsgräbern in 45 Ländern widmet. Er finanziert sich zu 80 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Von Nikos Natsidis

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