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Von der Kanzlerin profitiert

Von der Kanzlerin profitiert

Freude auf der einen Seite, Wundenlecken auf der anderen. Am Tag nach der Bundestagswahl war die Stimmungslage gestern bei den fünf Direktkandidaten der bisherigen Bundestagsparteien im Wahlkreis Leipzig-Land erwartungsgemäß gemischt.

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Hier gratuliert der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete Rolf Rau (r.) seiner Parteifreundin Katharina Landgraf, die ihr Mandat souverän verteidigt hat.

Quelle: Frank Prenzel

Borna. Wirklich überrascht war allerdings niemand.

 

 

Katharina Landgraf (CDU) musste sich immer wieder kneifen beim Blick auf die Liste mit den Wahlergebnissen. Schließlich liegt die alte und neue Direktkandidatin mit ihrem Ergebnis von 51,3 Prozent der Erststimmen um etwa zehn Prozent über ihrem Ergebnis vor vier Jahren. Die Bundestagsabgeordnete räumt ein, "dass ich sicher auch von der Bundeskanzlerin profitiert habe". Bevor sie sich auf den Weg nach Dresden aufmachte, wo sich bei Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) die sächsische Landesgruppe im Bundestag konstituierte, erklärte sie, dass sie zu einer großen Koalition in Berlin tendiere. "Die SPD kennen wir schließlich schon. Das würde auch die Zusammenarbeit mit dem rot-grün-dominierten Bundesrat erleichtern.

Zufrieden zeigte sich auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Axel Troost. Der stellvertretende Linken-Bundesvorsitzende zieht über die sächsische Landesliste seiner Partei erneut in den Bundestag ein. Er habe viel Präsens vor Ort gezeigt, erklärte er. Erschreckend sei für ihn der große Zuspruch zur Alternative für Deutschland (AfD), zu deren Wählern auch zahlreiche einstige Linken-Wähler gehören. Dieser europaskeptischen Haltung müsse sich seine Partei stellen. Die sieht Troost in Berlin in einer klaren Oppositionsrolle. Und Troost würde eine große Koalition bevorzugen. Dann bliebe für die Linken mehr Platz, um sich in der Opposition zu profilieren.

Harald Redepenning (SPD) war gestern enttäuscht. Sein Wahlergebnis liege "in unserem Trend". Er habe auf ein Konzept im Wahlkampf gesetzt, das aber dann nicht den erhofften Erfolg gebracht habe. Für die Bundes-SPD seien die 25,7 Prozent jedenfalls ebenso wenig berauschend. Redepenning, der auch weiterhin kommunalpolitisch aktiv bleiben will, verlangt, dass sich die SPD für künftige Wahlen strategisch besser positionieren soll.

Tommy Penk (Grüne) hatte realistischerweise nicht damit gerechnet, in den Bundestag einzuziehen. Was ihn allerdings richtiggehend ärgerte, war der Umstand, "dass ich noch hinter dem Nazi liege", erklärte er mit Blick auf das NPD-Ergebnis. Penk kam auf 3,2 Prozent der Erststimmen, kann sich aber "dennoch keinen Vorwurf machen", weil er wie andere Kandidaten auch "abhängig ist, von dem, was in Berlin passiert". Es sei den Grünen nicht gelungen, mit ihren Kernthemen zu punkten. Penk ist davon überzeugt, dass es ein Fehler war, auf das Steuerthema anstatt auf die Energiewende zu setzen. In jedem Fall will der 23-Jährige aber weiter in der Politik bleiben - ehrenamtlich als Stadtratskandidat in Markkleeberg.

Auch Steve Görnitz (FDP) will sich nicht völlig von der politischen Bühne verabschieden. Dabei ist die Lage für den jungen liberalen Hoffnungsträger nach dem Bundestagsaus für die FDP weitaus betrüblicher als für Penk. "Ich bin im Rahmen des Landkreises geblieben", erklärt der 26-Jährige zu seinem Wahlergebnis. Das Ende der FDP auf Bundesebene habe sicher an der Arbeit in der Regierung gelegen, "die war nicht so gut". Görnitz kann sich gut vorstellen, dass in einem halben Jahr bedauert wird, "dass es die FDP nicht mehr gibt". Jetzt habe seine Partei lange Zeit, sich mit einem neuen Team für die Wahl in vier Jahren aufzustellen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.09.2013

Natsidis, Nikos

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