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Borna Von der Wyhraer Mühle den Fichtelberg sehen
Region Borna Von der Wyhraer Mühle den Fichtelberg sehen
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10:56 29.05.2018
Die Mühlenbetreiber Barbara und Gerhard Artelt am Bergbaulehrpfad in der Nähe der Mühle. Quelle: Nikos Natsidis
Wyhra

 Es dürfte der einzige Ort im Leipziger Land sein, von dem aus der Fichtelberg zu sehen ist. Jedenfalls bei guter Sicht. Kein Wunder, schließlich ist die Neuholländermühle im Bornaer Ortsteil Wyhra mit allem Drum und Dran stattliche 160 Meter hoch. Am Pfingstwochenende laden die Mühlenbetreiber Gerhard und Barbara Artelt zum alljährlichen Schleppertreffen nebst Mühlentag ein.

Sie ist ein beeindruckendes Bauwerk, das schon von weitem gut erkennbar ist, Wer sich der Mühle nähert, steht vor der „der jüngsten Mühle Deutschlands“. Errichtet vom gelernten Mühlenbauermeister Gerhard Artelt. Es handelt sich um die erste Mühle, die in Deutschland seit mehr als 100 Jahren gebaut wurde.

Bis zur Wende 1989/90 arbeitete Gerhard Artelt als Mühlenbauer, ein Beruf, der seither nicht mehr gebraucht wurde. Dem gebürtigen Zedtlitzer aber blieb sein Traum von der eigenen Mühle. Und so begann der Mann, der seit neun Jahren auch im Bornaer Stadtrat sitzt, im Jahr 2003 mit den Vorbereitungen. Auf einer Wiese, einem ehemaligen Bergbaugelände, das einst von der Leipziger Firma Bleichert genutzt wurde. „Auf Kippenboden“, wie der Mühlenbauer sagt. Gerhard Artelt ließ über Rudolf Lehmann, den ehemaligen Länderchef Thüringen-Sachsen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung, in Erfahrung bringen, ob es unterhalb des Geländes noch Stollen gab.

Im Jahr 2013, zehn Jahre nach Baubeginn, stand die Neuholländermühle, ein Bauwerk mit festem Turm und drehbarer Kappe. Ein Dreiflügler, der mit allem ausgestattet ist, was gebraucht wird, um tatsächlich Mehl zu mahlen. Es gibt 100-jährige Walzenstühle. „Eigentlich wollte ich eine Schaumühle bauen“, sagt der Mühlenbauer.

Längst ist das Bauwerk zum Magneten vor allem für Besucher von außerhalb geworden. Die finden den Weg ins Mühlencafé, dass Gerhard Artelt gemeinsam mit Gattin Barbara betreibt. Die Virologin, jahrzehntelang Professorin an der Universität Leipzig, ist Vorsitzende Vereins Mühlen und Technik, ohne den der öffentliche Betrieb der Mühle, in der warmen Jahreszeit Sonnabend und Sonntag an den Nachmittagen, nicht denkbar wäre. Der Verein zählt 15 Mitglieder, allesamt gute Geister, die bei Großereignissen wie dem Schleppertreffen und dem Mühlentag zu Pfingsten unverzichtbar sind.

Mühlenbesucher kamen bisher aus China und Dänemark ebenso wie aus Berlin und Leipzig. Die Messestädter reisen oft mit der S-Bahn bis nach Neukirchen, um dann als Pedalritter die Mühle anzusteuern. Bornaer Gymnasiasten wiederum haben die Mühle schon als Kletterwand genutzt. „Die haben sich abgeseilt.“

Dabei ist das Potenzial des einzigen Mühlen-Neubaus seit einem Jahrhundert, in dessen Nähe Gerhard Artelt auch einen Bergbau-Lehrpfad angelegt hat, noch längst nicht ausgereizt. Mühlenbauer Artelt, der das weit und breit einzigartige Bauwerk in jeder Hinsicht selbst konzipiert und konstruiert hat, arbeitet daran, dass die Mühle Strom erzeugt. In der Perspektive wollen die Mühlenbetreiber ihren Strombedarf in der Mühle selbst decken.

Während das noch Zukunftsmusik ist, laufen mittlerweile längst die Vorbereitungen für das Großereignis am Pfingst-Wochenende. Dann werden immerhin bis zu 3000 Besucher erwartet.

Sonntag 10 Uhr – Eröffnung und Besichtigung von Traktoren und Mühle, 11 Uhr – Fotoausstellung „Landschaftsbilder aus Deutschland und Italien“, 15 Uhr – Schlepperkorso durch Wyhra und Zedtlitz, 16 Uhr – Platzkonzert des Musikvereins Neukieritzsch-Regis, 19 Uhr – Disco

Montag 10 Uhr – Frühschoppen und Vorführung alter Mühlentechnik, 14.30 Uhr – Blasmusik zur Kaffeezeit

Mühlentag im Landkreis Leipzig

Lindigtmühle am Lindenvorwerk im Kohrener Land: Frohburg OT Jahnshain, Linda Nr. 34 Kontakt: Michael Theile, info@lindenvorwerk.de Beschreibung: Wassermühle von 1524 mit oberschlächtigem Wasserrad und Schrotgang, Haferquetsche, 1994-1998 restauriert, vollfunktionsfähig, Backstube mit Altdeutschen Steinbackofen, Müllerburschenkammer, Laubengang, Mühlenladen Aktivitäten am Mühlentag: Die Mühle in Betrieb, Mühlenladen mit regionalen Spezialitäten, Kulturelle Unterhaltung, Kunst- und Handwerkermarkt Sonstige Aktivitäten: Besichtigung, Führung, Bewirtung, Verkauf von Mühlenprodukten; Öffnungszeiten April bis Oktober Sa. und So. 11 – 17 Uhr

Bockwindmühle Lindennaundorf: Markranstädt, Priesteblicher Straße 23 Kontakt: Jens Schwertfeger Tel. 0341 4426380, jens.schwertfeger@heimatverein-frankenheimlindennaundorf.de Beschreibung: Bockwindmühle mit einem Schrotgang, Quetsche und Walzenstuhl (Bachmann und Reiter), Elevator und Sichter – windgängig sowie elektrisch zu betreiben. Baujahr 1848, seit 1927 im Besitz der Familie Bude, Erwerbsbetrieb bis 1975, danach noch private Mahltätigkeit bis 1990. Erwerb durch den Heimatverein im Jahr 2009. Im Zuge der dringend erforderlichen Sanierung wurde die Mühle auf die neue Festwiese des Ortes umgesetzt und komplett saniert. Die Wiedereröffnung des Denkmals erfolgte zum Deutschen Mühlentag 2010. Aktivitäten am Mühlentag: Mühlenführungen, Brot- und Kuchenbacken im Holzbackofen, mobile Ölmühle, kulturelle Umrahmung, Ausstellungen zum Mühlenwesen und zur Sanierung, kleine Technikschau, Kindernachmittag mit Holzwerkstatt, Basteln und Spielen, Hüpfburg, Streichel- und Reittieren, Imker, Töpfer, Spinnen und Klöppeln, Rustikale Mahlzeiten vom Grill und aus der Gulaschkanone, Kaffee und Kuchen. Erste-Hilfe-Station für durstige Mühlenfreunde. Sonstige Aktivitäten: Osterfeuer am 31. März, Mühlenflohmarkt am 6. Mai, Heimatfest vom 7. bis 9. September, Führungen an jedem 1. Sonntag zwischen März und Oktober sowie nach Anmeldung, Brotbacktage im eigenen Mühlenbackofen, gemütlicher Holzspielplatz neben der Mühle.

Breunsdorfer Bockwindmühle: Frohburg OT Schönau, Windmühlenstr. 6 Kontakt: Arno Heinicke: sachsen@muehlen-dgmev.de Beschreibung: Bockwindmühle, Jalousieflügel, erstmals 1862 für Breunsdorf gebaut, bis 1942 in Betrieb, Januar 1986 vom Bock gefallen und nach Schönau transportiert, 1995 Wiederaufbau in Schönau Aktivitäten am Mühlentag: Besichtigung Sonstige Aktivitäten: Besichtigung nach Vereinbarung

Bockwindmühle Kühnitzsch: Standort Lossatal OT Kühnitzsch, Mühlenweg Kontakt: Kerstin Kaltofen Tel. 034262/62845 Günter Hübner Tel. 034262/62810, bockwindmuehle_kuehnitzsch@yahoo.de Beschreibung: Technisches Denkmal in sehr gut erhaltenem Zustand mit komplett funktionstüchtigem historischen Mahlwerk. Die einzelnen Arbeitsschritte vom Korn zum Mehl werden anschaulich beschrieben und vorgeführt. Durch ihren exponierten Standort sieht man die Bockwindmühle mit den vier neuen Mühlenflügel (Ruten) schon von Weitem. Der Standort liegt am Leipzig-Elbe-Radroute, Dahlener-Heide-Radroute oder dem ökumenischen Pilgerwanderweg (Via Regia: Etappe Dahlen-Wurzen). Aktivitäten am Mühlentag: 10 Uhr Eröffnung des Mühlentages durch die Vereinsvorsitzende Kerstin Kaltofen – bis 17 Uhr Mühlenführungen, Verkauf von Mühlenbrot der ortsansässigen Bäckerei. Sonstige Aktivitäten: www.kuehnitzsch.info – private Mühlenführungen für Gäste und Gruppen

Museum Wassermühle Höfgen: Standort Grimma OT Höfgen, Höfgener Dorfstraße 8 Kontakt: Verein zur Erhaltung der Wassermühle Höfgen, Hans Henning Ruhmer und Michael Hofmann Tel. 03437/707572 (Museum), hhruhmer@wassermuehle-hoefgen.de, Wassermuehle.Hoefgen@t-online.de Beschreibung: 1721 urkundlich erwähnte Getreidemühle, mit oberschlächtigem Wasserrad, 2 Mahlgängen, 1 Walzenstuhl, Rundsichter, Sechskantsichter,Schälmaschine, Backofen, Vorratskeller, nachgebildeter Müllerwohnung, 3 Müllerfiguren, sehenswerter Kräutergarten, älteste zugängliche Mühle im Mühlendreieck bei Grimma Aktivitäten am Mühlentag: Sonderführungen, Brotbacken im altdeutschen Backofen, gastronomische Versorgung im historischen „Gasthaus zur Wassermühle“ Sonstige Aktivitäten: Besichtigung, Führungen, Mitmach-Projekte für Schulklassen und Kindereinrichtungen, am 1. Sonnabend im Monat: Backtag mit dem Mühlenverein (April bis Oktober)

Bockwindmühle Ebersbach: Standort Bad Lausick, Thierbaumer Str. 15 Kontakt: Christian Graichen Tel.: 034341/42666, sachsen@muehlen-dgm-ev.de Beschreibung: sehr gut erhaltene (restaurierte) Bockwindmühle mit alter Technik Aktivitäten am Mühlentag: Besichtigung, Führung, Kaffee und Kuchen Sonstige Aktivitäten: Besichtigung, Führung nach Anfrage

Eisenmühle: Standort Elstertrebnitz Kontakt: Familie Anne-Sabine und Jost W. Mucheyer Eisenmühle, G 41, 04523 Elstertrebnitz Tel. 0177/1623178 und 0160/6627649, info@eisenmuehle.de Beschreibung: Seit dem 12. Jahrhundert wird die Kraft des Wassers am Profener Elstermühlgraben genutzt. 1915 entsteht der Südflügel der Eisenmühle, in den 1930er-Jahren der Westflügel. Hier wird nach einem einzigartigen Reibeverfahren Eisenpulver hergestellt. Die Produktion wird 1993 stillgelegt. 2007 erwirbt die Familie Mucheyer die im Verfall begriffene Eisenmühle und saniert das Gebäudeensemble des technische Kulturdenkmals. Im Sommer 2015 wurde die Eisenmühle offiziell als Event Location, Museum und Landpension eröffnet. Aktivitäten am Mühlentag: Tag der offenen Tür von 10 bis 18 Uhr mit Führungen durch die historische Wasserkraftanlage mit ihrem modernen Wassermanagement, Fischwanderhilfen und Fischschutzrechen, sowie das Eisenpulvermuseum, ergänzt mit einem kleinen Rahmenprogramm. Es gibt ein Angebot süßer und herzhafter Speisen sowie Getränke. Sonstige Aktivitäten: www.eisenmuehle.de

Paltrockmühle Schkortitz: Standort Grimma OT Schkortitz Schmiedeberg, Kontakt: Gunter und Marion Hantschmann info@hantschmann-energie.de Beschreibung: Die Paltrockmühle Schkortitz wurde in den Jahren von 2009 bis 2013 in Wurzen/Roitzsch demontiert, saniert und in Schkortitz wieder aufgebaut. Die Probeinbetriebnahme erfolgte zum Mühlentag 2013. Von der alten Konstruktion wurden das komplette Gebälk des Mühlenkastens sowie die Ringschiene erhalten und wiederverwendet. Erstmalige Erwähnung der Mühle ca. 1836. Zukünftig wird hier die alte Tradition des Mahlens mit Wind erhalten und gepflegt. Gleichzeitig soll der Zusammenhang „vom Korn zum Brot“ veranschaulicht werden. Sonstige Aktivitäten: regelmäßig Mahlen von Dinkel für die Versorgung eines Bäckers in Grimma

Von Nikos Natsidis

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