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Borna Vor zehn Jahren: Landtag entscheidet für Borna als Kreissitz
Region Borna Vor zehn Jahren: Landtag entscheidet für Borna als Kreissitz
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00:21 26.01.2018
So hat die LVZ vor zehn Jahren über die Entscheidung für Borna berichtet.  Quelle: LVZ
Borna

 „Keine Mehrheit für die Borna-Gegner“ titelte die LVZ auf den Tag genau vor zehn Jahren. Gemeint war eine Entscheidung, bei der es für Borna um viel ging – um nicht mehr und nicht weniger als den Kreissitz. Der musste angesichts der Kreisreform, die dann ein halbes Jahr später, am 1. August 2008, in Sachsen umgesetzt wurde, im neuen Landkreis Leipzig festgelegt werden. Vorausgegangen war ein anderthalbjähriges Ringen zwischen Borna und Grimma, bei dem es nicht immer nur nobel zuging.

Am Abend des historischen Tages, an dem der Landtag in Dresden den Kreissitz Borna festschrieb, zündete der damalige Bornaer Oberbürgermeister Bernd Schröter (Bürger für Borna/BfB) ein Feuerwerk auf dem Parkhaus in der Mühlgasse. Unten auf dem Markt wurde Freibier ausgeschenkt, und immerhin an die 300 Leute feierten den Erhalt des Kreissitzes. Den hatte Schröter schon beizeiten für seine Stadt reklamiert. Es war im Juni 2006, als er Bürgermeister der Nachbarkommunen im Leipziger Land, aber auch den damaligen Regierungspräsidenten Walter Christian Steinbach im Stadtkulturhaus auf die Unterstützung des Projekts mit dem Arbeitstitel „Borna bleibt Kreissitz“ einschwor.

Berger nannte Borna „Mumie“

Damit hatte der heute 62-Jährige den Braten eher gerochen als die Verantwortlichen in Grimma, dem Kreissitz des seinerzeitigen Muldentalkreises. Die waren mit Blick auf die Geschichte der „Perle des Muldentals“ davon ausgegangen, dass Grimma gewissermaßen ein natürliches Anrecht auf den Kreissitz in einem künftigen gemeinsamen Gebilde aus Muldental und Leipziger Land haben würde.

Was folgte, war ein bisweilen herzhaftes Hauen und Stechen, aus Bornaer Perspektive vor allem von Grimmaer Seite. Es war der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos), der in Bezug auf Borna von einer „Mumie“ sprach. Es folgten öffentliche Veranstaltungen in Borna wie in Grimma und politische Lobby-Arbeit.

Behaupteter Deal nie bewiesen

Aus Grimma hieß es, dass die Festlegung der Kreisstadt Borna Konsequenz eines Deals mit der damaligen Bornaer Landrätin Petra Köpping (SPD) sei, eine Behauptung, die allerdings bis heute nicht bewiesen wurde. Die heutige sächsische Integrationsministerin hatte sich für Borna stark gemacht. Immerhin gehörte die einstige Bergarbeiterstadt zu den Verlierern der ersten sächsischen Kreisreform 14 Jahre zuvor. 1994 büßte Borna seinen Status als Kreissitz für fünf Jahre ein, Kreissitz wurde Leipzig. Der Kreissitz kam zwar wieder zurück; es dauerte allerdings Jahre, bis die Folgen des Verlusts einigermaßen ausgeglichen wurden und die Kreisstadt Borna nach dem Ausbau der einstigen Kasernen in der Stauffenbergstraße auch wieder als solche erkennbar war.

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden damaligen Kreisstädten hatte durchaus positive Effekte. Speziell für Teile der Bürgerschaft. Hatte sich in Grimma ein Bündnis unter dem Namen „Pro Grimma“ formiert, bildete sich um die Jahreswende 2006/7 in Borna sozusagen als Reflex die Bewegung „Pro Borna“, der Zusammenschluss von einem reichlichen Dutzend Leuten unterschiedlicher Provenienz. Der damalige CDU-Kreischef Jörg Lorentz gehörte ebenso dazu wie die Stadtratsfraktionschefin der Linken, Simone Luedtke, die zu diesem Zeitpunkt kaum ernsthaft damit gerechnet haben dürfte, ein halbes Jahr später die Früchte der erfolgreichen Pro-Borna-Kampagne als Oberbürgermeisterin einer Kreisstadt ernten zu können. Thomas Stein, der Kopf der damals noch als Gewerbeverband firmierenden Vereinigung von Händlern und Geschäftsleuten zählte dazu, aber auch Axel Meier, seinerzeit grüner Kandidat für den Chefposten im Rathaus. An der Spitze des Bündnisses stand Druckaus-Borna-Inhaber Bernd Schneider, der sich in der Tat zum rhetorischen Gegenspieler des Grimmaer Oberbürgermeisters entwickelte.

Entscheidung fiel im Landtag

Die abschließende Entscheidung fiel dann schließlich im Landtag. Dort machten vor allem die damaligen Oppositionsparteien gegen den Kreissitz Borna mobil. Und es war die CDU-Abgeordnete Angelika Pfeiffer aus Wurzen, die einen Änderungsantrag zugunsten eines Kreissitzes Grimma einbrachte. Aber die Borna-Front stand.

Zwar landete die Angelegenheit Monate später, als die Kreisreform bereits in Kraft getreten war, noch vor dem sächsischen Verfassungsgericht in Leipzig. Doch auch dort änderte sich nichts am Kreissitz Borna.

Luedtke: „Noch nicht zusammengewachsen“

Bleibt die Frage, ob sich die Auseinandersetzungen damals gelohnt haben – für Borna. Ja, sicher, lässt die heutige Oberbürgermeisterin Luedtke durchblicken und verweist dennoch auf die andere Seite der Medaille. Zwar sei es positiv, wenn die Landkreisverwaltung nach Borna komme. Wenn aber zugleich eine wichtige Behörde wie das Finanzamt von Borna nach Grimma verlagert werde, sei das nicht gut. Zudem sei der Landkreis nach wie vor nicht zusammengewachsen, speziell was die Verbindungen im Öffentlichen Personennahverkehr zwischen den großen Städten Borna, Grimma und Wurzen anbelange. „Der Kreis ist noch nicht zusammengewachsen.“

So berichtete die LVZ vor zehn Jahren:

Download_Leipziger Volkszeitung_Borna-Geithain_Donnerstag, 24. Januar 2008 (598,3 kB)

Von Nikos Natsidis

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