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Vorwurf: 776-mal die Stieftöchter missbraucht

Vorwurf: 776-mal die Stieftöchter missbraucht

Schwerste Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs lastet die Staatsanwaltschaft Leipzig einem 47-jährigen Mann aus Lobstädt an. Frank N. soll seine beiden Stieftöchter jahrelang missbraucht haben – bis die Mädchen geschlechtsreif waren und ihre Periode bekamen.

Leipzig/Lobstädt. Die Anklage geht von mindestens 776 Fällen zwischen 1990 bis 1997 aus. Einmal soll er eines der Mädchen gezwungen haben, einen Kollegen zu befriedigen. Vor dem Landgericht Leipzig begann der Prozess.

Um es vorweg zu nehmen: Im Wesentlichen bestritt der frühere Maschinist für Tagebaugroßgeräte eine Schuld. „Was da behauptet wird, ist nicht wahr“, sagte der Angeklagte zum Auftakt des Prozesses. Er sieht sich als Opfer eines innerfamiliären Rachefeldzuges. Einzig seine Ehefrau halte noch immer zu ihm. Der Kontakt zu den vier Kindern, neben den Stieftöchtern gibt es noch zwei gemeinsame, ist abgebrochen. Er würde sich gern mit ihnen aussprechen, meinte der Angeklagte gestern. Sie ließen ihm aber keine Chance dazu.

Seine Rückschau: überwiegend positiv. Er habe ein gutes Verhältnis zu den Mädchen, die im November 1983 und im Juli 1984 geboren wurden, gehabt, erklärte Frank N. gestern. Die Kinder seiner Frau, die er 1987 heiratete, hätten „Papa“ zu ihm gesagt. Einmal habe er mit der älteren der beiden Mädchen geschlafen, gab er zu. „Im gegenseitigen Einvernehmen“ sei das im Ehebett der Wohnung geschehen, behauptete er. Ohne Kondom. Sie habe es ausprobieren wollen und sei zu nichts gezwungen worden. Die Anklage, die zu großen Teilen auf den Schilderungen der Mädchen beruht, sagt anderes aus. Danach soll er sich sehr häufig an beiden Mädchen vergriffen haben. „Zweimal die Woche kam es zum Geschlechtsverkehr“, sagte Staatsanwalt Michael Höhle. Auch an der jüngeren Schwester hat sich der Stiefvater laut Anklage vergangen. Sie musste ihn oft oral befriedigen, sein Sperma schlucken – im Bett, im Ehebett, auf der Couch im Wohnzimmer. Auch im Bad soll es zu Übergriffen gekommen sein. In der Badewanne sei es auch im Genitalbereich zu Berührungen gekommen. „Das war bei uns üblich“, behauptete Frank N. vor Gericht.

Im Sommer 2007 hatten die inzwischen erwachsenen Frauen ihr Schweigen gebrochen und ihr in Kindertagen erlittenes Martyrium angezeigt. Anlass war eine Wohnungsdurchsuchung. Im beschlagnahmten Computer des Stiefvaters fanden die Ermittler kinderpornografische Abbildungen. Die Stieftöchter gingen danach zur Polizei. Aus Angst, dass er sich auch an anderen Kindern vergreifen würde. Er kam in dieser Sache mit neun Monaten auf Bewährung davon.

Die Opfer werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen. Ihre Mandantin habe große Angst, das Ganze nicht verarbeitet, „leidet psychisch und emotional“, erklärte Rechtsanwältin Anne Prestrich, die die Jüngere der Schwestern vertritt. Ihr Antrag auf Ausschluss des Angeklagten für die Dauer der Vernehmung wurde vom Gericht abgelehnt. Angst allein rechtfertige einen solchen Ausschluss nicht, so der Vorsitzende Richter Michael Dahms.

Der ehemalige Kollege des Angeklagten war im Vorjahr vom Amtsgericht Borna zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden (die LVZ berichtete). Frank N. habe ihn einmal mit seiner Stieftochter besucht. Das Mädchen musste ihn auf Geheiß seines Stiefvaters oral befriedigen. In dessen Beisein, gestand er damals nach mehr als 15 Jahren. „Ich hätte das unterbinden müssen“, sagte der Angeklagte zu diesem Fall. Er könne sich das nicht verzeihen. Den Vorfall will er – bis auf die herunter gelassenen Hosen – nicht mitbekommen haben. Das Gericht hat noch drei Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil wird am Mittwoch erwartet.

Sakia Grätz

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