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WG für Kinder: Celin und Lea wachsen in der „Mole“ Auligk wie Schwestern auf

Groitzsch WG für Kinder: Celin und Lea wachsen in der „Mole“ Auligk wie Schwestern auf

Der Leipziger Generationenhof unterhält fünf Kinder-Wohngemeinschaften, in denen 31 Mädchen und Jungen leben. Die jüngste WG ist im Oktober dazugekommen: Mole in Auligk bei Groitzsch. Erzieherin Gabriele Neumann hat zwei fünfjährige Mädchen aufgenommen – die geistig behinderte Celin und Lea, die unter psychischen Problemen leidet.

Wenn Celin und Lea im großen Garten spielen dürfen, sind sie überglücklich. Die beiden Fünfjährigen wachsen wie Schwestern auf.

Quelle: Jens Paul Taubert

Groitzsch/Auligk. Wenn Celin und Lea im Garten spielen dürfen oder mit dem Roller und Rad fahren, sind sie die glücklichsten Mädchen auf der Welt. Dann rücken ihre kleinen und großen Sorgen für einen Moment in den Hintergrund. Das frische Landleben, der weite Blick in die Schnauderaue, die anderen Kinder im Dorf und die freundlichen Nachbarn mit ihren Hunden Susi, Krümel, Paula und Tomi lassen die beiden fünfjährigen Mädchen ganz unbeschwert aufwachsen.

Dieses Glück haben sie erst in einer Leipziger Kinderwohngemeinschaft und jetzt bei Gabriele Neumann in Auligk kennengelernt. Die 57-Jährige ist gelernte Erzieherin, hat einige Jahre in einem Groitzscher Kindergarten gearbeitet und stieß schließlich 2010 zum Generationenhof. Die gemeinnützige GmbH bietet Kindern und Jugendlichen vom Babyalter bis zur Volljährigkeit einen Ort, an dem sie sich entwickeln und entfalten können. Aus verschiedenen Gründen dürfen sie nicht mehr in ihren eigenen Familien leben.

Das können psychische Schwierigkeiten, Drogen- und Alkoholmissbrauch oder ein verlotterter Haushalt mit völlig überforderten Eltern und unregelmäßigen Mahlzeiten sein, erläutert Linda Persy (39), ausgebildete Sozialpädagogin und die pädagogische Leiterin des Generationenhofs. Letztlich trifft der Allgemeine Sozialdienst des Jugendamtes die Entscheidung: Ist das Wohl des Kindes gefährdet und ist eine stationäre Unterbringung erforderlich? „In den Kinderleben gab es oft verschiedenste Brüche. Wir möchten ihnen wieder Stabilität, Sicherheit und eine Perspektive geben.“

Gegenwärtig unterhält der Generationenhof fünf Kinder-Wohngemeinschaften in Leipzig-Grünau, Lindennaundorf und Auligk: Andy, Doro, Luca, Maxi sowie Mole. 31 Kinder und Jugendliche haben dort ein neues Zuhause gefunden, manche nur vorübergehend, manche bis zu ihrem 18. Geburtstag. Die Gründerin Monika Schmidt hat das Zusammenleben einmal so beschrieben: „Eine Familie – das bedeutet für mich: Menschen, die gemeinsam ihr Leben gestalten, unabhängig davon, ob sie verwandt miteinander sind oder nicht.“

Celin und Lea sind nicht miteinander verwandt. Und dennoch wachsen sie seit dem 1. Oktober 2016 bei Gabriele Neumann wie Schwestern auf. Celin ist geistig behindert, Lea leidet unter psychischen Problemen. In ihren Herkunftsfamilien konnten sie beide nicht mehr leben. „Ich kannte die Mädchen schon von meiner Arbeit in der Wohngemeinschaft Andy“, erzählt die Auligkerin. „Ich wollte nicht, dass sie rumgeschubst werden in ihrem Leben. Denn sie haben es verdient, ein Leben in Ruhe zu führen und glücklich aufzuwachsen. Also habe ich mich entschieden, selbst eine familienintegrative WG zu betreuen: die Mole.“ Der Name leitet sich von den Anfangsbuchstaben der Gründerin Monika Schmidt ab – Mo – und den Endbuchstaben ihres eigenen Namens Gabriele – le. „Mole assoziiere ich aber auch mit Damm und Hafen, mit Sicherheit und Ankommen.“

Das Leben in dem Drei-Personen-Haushalt ist gut durchorganisiert und geprägt vom liebevollen Umgang miteinander, Vertrauen, Respekt und Verlässlichkeit. Gemeinsam aufgestellte Regeln müssen eingehalten werden. Wenn die Mädchen am Nachmittag vom Kindergarten nach Hause kommen – Lea besucht ab Sommer die Grundschule in Groitzsch – ist wieder gemeinsames Spielen angesagt. Basten, malen, tanzen oder Papier schneiden und am liebsten toben im Garten. „Das ist für sie ein Highlight. Da fühlen sie sich unbeobachtet, obwohl ich immer ein Auge auf sie habe“, lacht die Erzieherin. „Wie in einer Familie.“

Von Kathrin Haase

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