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Borna Wahlforum in Rötha: Bürgermeisterkandidaten oft einer Meinung
Region Borna Wahlforum in Rötha: Bürgermeisterkandidaten oft einer Meinung
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Das Forum zur Bürgermeisterwahl in Rötha hat Montagabend reges Interesse bei den Bürgern gefunden. Der Saal konnte die Zuhörer kaum fassen. Quelle: André Neumann
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Rötha

Zu gleichmäßig scheinen, nimmt man die Beifallsbekundungen als Maßstab, die Sympathien für Gerhard Albrecht (parteilos), Stephan Eichhorn (parteilos), Doreen Haym (SPD) und Uwe Wellmann (CDU) verteilt, zu nah liegen die Standpunkte zu verschiedenen Themen beieinander. Moderiert wurde die Diskussionsrunde am Montag von LVZ-Redaktionsleiter Thomas Lieb. Kandidat Albrecht musste nach einer Stunde zur Nachtschicht.

Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt

Die betrachten alle vier Anwärter als wichtiges Schlüsselthema, vor allem zur Stabilisierung der Finanzlage. "Wir brauchen zahlungskräftige Unternehmen", sagt Uwe Wellmann, deswegen will er die Vermarktung des Industrie- und Gewerbeparkes Espenhain zur "Chefsache" machen. Doreen Haym spricht in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit von einer lokalen Wirtschaftsstrategie und will, um die zu entwickeln, auch Experten zu Rate ziehen. Gerhard Albrecht hält ein Konzept zum Ausbau der Infrastruktur für erforderlich und sagt: "Ohne funktionierende Industrie läuft es auch mit dem Tourismus nicht sehr gut."

Einbeziehung der Ortsteile und Bürgernähe

Stefan Albrecht will mit Bürgermeistersprechstunden in allen Ortsteilen Kontakt zu den Einwohnern aufnehmen. Dieses Instrument steht auch bei Stephan Eichhorn auf der Agenda. Darüberhinaus hält er den Dialog zwischen Stadtverwaltung und Bürgermeister und den Ortschaftsräten für selbstverständlich. Doreen Haym meint, es brauche nicht unbedingt Strukturen in Form von Bürgermeistersprechstunden, zu diesem Zweck könne sie die Bürgerfragestunden in den Ortschaftsratssitzungen nutzen. Auch Wellmann setzt auf diese Fragestunden und erinnert daran, dass Rötha und Espenhain vor der Eingemeindung lange "verlobt" gewesen seien.

Einkaufsmöglichkeiten

Für über 6000 Einwohner, das merkte Zuhörerin Barbara Müller unter Beifall fragend an, gibt es in Rötha nur einen Supermarkt. Doreen Haym antwortete: "Ich nehme das Thema mit", sie verwies zugleich auf kleine Geschäfte in Ortsteilen und auf Einkaufsmöglichkeiten in Böhlen, die man mit im Blick haben müsse. Wellmann versuchte eine Antwort auf die Frage, warum keiner der Kandidaten das Thema Einkaufen in seinem Programm stehen habe: "Weil ein Bürgermeister das nicht leisten kann." Und er spielte den Ball zurück, indem er mahnte: Wenn alle immer nur zu den großen Märkten in Leipzig, Borna und Markkleeberg führen, würden auch die letzten kleinen Läden noch schließen.Eichhorn weist darauf hin, dass die Handelsunternehmen ihre Standorte nach Kundenaufkommen berechnen. Die Alternative sei, jemanden zu finden, der "sich etwas aufbaut, auch wenn er damit nicht reich wird."

Verfallende Häuser, "Drei Rosen"

Uwe Wellmann gibt der Verkehrssituation am Markt den Vorrang, will das Haus "Drei Rosen" am liebsten abreißen (was der Denkmalschutz bisher verhindert) und zwei bis drei Meter eingerückt ein neues bauen lassen. Ein Investor für betreutes Wohnen sei noch nicht abgesprungen. Bei privaten Gebäuden könne die Stadt wenig tun. Eichhorn spricht sich "für die Erhaltung und Neugestaltung des Standortes" aus. Er wolle bauliche Schandflecke wie in der Böhlener Straße "mit Beharrlichkeit angehen", auch wenn es um Privateigentum geht.

Flüchtlinge

Doreen Haym hält Integration für eine "Zukunftsaufgabe", in Rötha würden bereits mehrere Vereine versuchen, Flüchtlingen die Hand zu reichen. Man müsse, meint sie, Begegnungen schaffen, um Ängste abzubauen. "Wir werden die Flüchtlinge nicht in kurzer Zeit integrieren, aber wir müssen damit anfangen." Uwe Wellman sagt, mit 140 Flüchtlingen in Rötha und den künftigen bis zu 240 in der ehemaligen Berufsschule in Espenhain reiche es, mehr vertrage die Infrastruktur in Rötha nicht. Wichtige Aufgabe sei, den Flüchtlingen Deutsch zu lehren und ihnen zu erklären: "Was sind unsere Werte?" Stephan Eichhorn betonte, die Kommunen hätten keinen Einfluss auf die Zuweisung von Flüchtlingen, sagte aber auch: "Die Grenzen sind erreicht." Über die Solidarität mit den Hilfesuchenden dürfe nicht die eigene Bevölkerung vergessen werden. Den Flüchtlingen im Hotel müssten Grenzen aufgezeigt werden, hiesige Regeln zu beachten.

André Neumann

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