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Borna War Bornaer Behördencenter doch keine so gute Partie?
Region Borna War Bornaer Behördencenter doch keine so gute Partie?
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12:15 04.10.2016
In das Bornaer Behördencenter muss vor dem Einzug der Landkreisbehörden erheblich investiert werden. Quelle: Thomas Kube
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Borna

Mit dem Kauf einer Immobilie ist es manchmal wie beim Anbahnen einer Beziehung. „Die inneren Werte kann man erst später auf Herz und Nieren prüfen“, so der Erste Beigeordnete des Landkreises, Gerald Lehne (CDU). Bezug nahm er auf den Kauf des Verwaltungsgebäudes in der Bornaer Brauhausstraße durch den Landkreis. Der Kauf des ehemaligen Finanzamtes erweist sich bei genauem Hinsehen doch nicht als so guter Deal. Zumindest muss der Kreis erheblich mehr Geld reinstecken als ursprünglich geplant, um die Büros auf Vordermann zu bringen.

„Unsere Hoffnung, dass die inneren Werte dem äußeren Anschein entsprechen, hat sich leider nicht erfüllt“, blieb Lehne bei der Begründung der Vorlage im jüngsten Kreistag im Bilde. Dort musste der Beigeordnete den Abgeordneten stattliche Mehrkosten von rund 750 000 Euro schmackhaft machen. Diese Summe wird entgegen ersten Annahmen zusätzlich benötigt. Damit kostet dem Landkreis der Einzug in die Brauhausstraße unterm Strich 7,3 Millionen Euro – 5,7 Millionen waren bereits für den Erwerb von der Münchner ARCAP Beteiligungsverwaltung fällig geworden. Und Umbau und Instandsetzung schlagen mit nunmehr 1,65 Millionen statt kalkulierter 900 000 Euro ins Kontor.

Brandmeldeanlage kann nicht gewartet werden

Der Beigeordnete erklärte, erst im Juli sei es möglich gewesen, das Haus genau unter die Lupe zu nehmen. „Zahlen, von denen wir vorher ausgegangen waren, beruhten nur auf Schätzungen. Und Hoffnungen“, offenbarte Lehne. Vieles sei im Vorfeld auch nicht erkennbar gewesen. So schwächelt unter anderem die Brandmeldeanlage. „Derzeit funktioniert sie zwar noch. Aber sie kann nicht gewartet werden, weil es keine Ersatzeile mehr gibt.“ Auch in anderen Bereichen ist die Zeit an dem über 20 Jahre alten Verwaltungsbau hinterm Bornaer Rathaus nicht spurlos vorbeigegangen. Verschlissene Sanitäranlagen müssten ausgetauscht, Wände gemalert und vor allem das komplette IT-Netz erneuert werden. Nicht auf der Rechnung hatte der Kreis auch die Beleuchtungssituation. „Im Finanzamt blieb bei der Bearbeitung der Steuerbescheide offenbar einiges im Dunkeln“, versuchte Lehne dem ganzen noch eine amüsante Note abzugewinnen. Auf jeden Fall habe man feststellen müssen, dass die laut Arbeitsstättenrichtlinie vorgeschriebene Beleuchtung von 500 Lux nicht annähernd gewährleistet sei. „Das Finanzamt hat bei 150 Lux gearbeitet“, wunderte sich der Verantwortliche des Landkreises. „Wir wollen die Anliegen der Bürger aber bei entsprechendem Licht bearbeiten.“ Das allerdings mache die Erneuerung der Beleuchtung in allen Arbeitszimmern notwendig.

Probleme bereitet auch der Filz in den Amtsstuben. Wohlgemerkt der Filzbelag. „Wir standen vor der Frage: Wollen wir den alten Untergrund belassen, der regelmäßig feucht gereinigt und Mobiliar ausgeräumt werden müsste oder wollen wir den Bodenbelag komplett austauschen.“ Die Entscheidung fiel für letztere Variante. Außerdem müsse noch der Eingangsbereich behindertengerecht umgebaut werden.

Kreistag vom Offenbarungseid überrascht

Die Fraktionen waren alles andere als glücklich über den Offenbarungseid. „Man hat den Eindruck, der Kreis hat sich hier auf ein Blind Date eingelassen“, blieb Enrico Stange, Kreisrat der Linksfraktion, ebenfalls im Bilde. „Es wäre sinnvoll gewesen, den Bautenstand genauer zu eruieren.“ Er könne nur hoffen, dass bei anderen Objekten nicht ähnliche Kostensteigerungen lauern. Lehne hatte noch einmal betont, dass dieser Immobiliendeal dem Kreis ein Lehre sein werde. Das hofft auch Karsten Schütze, Fraktionschef der Sozialdemokraten, der die Kosten-Steigerung von 750 000 Euro als ärgerlich bezeichnete. „So etwas darf nicht passieren.“ Einziger Trost sei, dass das Geld aus dem Investitionskraftstärkungsfond bestritten werde. Tröstlich mag auch der Gedanke gewesen sein, dass es zu dem zentralen Standort in Borna keine wirkliche Alternative gab. Lehne betonte zudem, der Einzug ins Finanzamt käme den Landkreis immer noch billiger als ein Neubau. Bei der Abstimmung über die Kostenexplosion fügte sich die Kreistagsmehrheit in die Gegebenheiten. Es gab sechs Enthaltungen und eine Gegenstimme.

Die Weichen für den Kauf des Behördenzentrums hatte der Kreistag bereits im Februar gestellt. Einziehen sollen nach Abschluss der Bauarbeiten das Kommunale Jobcenter sowie das Sozialamt des Kreises. Angepeilt werde dafür das erste Quartal 2017.

Von Simone Prenzel

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