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Waren es Schüsse? Anschlagauf Asyl-Unterkunft in Böhlen

Waren es Schüsse? Anschlagauf Asyl-Unterkunft in Böhlen

Das Apart-Hotel in Böhlen, das der Freistaat Sachsen als Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 180 Asylbewerber nutzt, ist zur Zielscheibe von Anschlägen geworden.

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Nach den Anschlägen am Wochenende auf das als Flüchtlingsunterkunft genutzte Apart-Hotel in Böhlen hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Böhlen. Unklar ist noch, welche Art von Waffen bei den beiden Vorfällen am zurückliegenden Wochenende benutzt worden waren, die erst gestern bekannt wurden. Fakt ist, dass mehrere Elemente der gläsernen Fassadenverkleidung bis über die obere Fensterreihe hinaus zu Bruch gingen. Auch eine Scheibe soll getroffen worden sein. Knapp 150 Asylbewerber befanden sich zu der Zeit in dem Hotel.

Zum ersten Mal hatte der Wachdienst in der Nacht zum Sonnabend ungefähr eine Viertelstunde nach Mitternacht die Polizei in Borna gerufen. Die Rede war von Schüssen. Vor Ort fanden die Beamten die geborstenen Fassadenteile, Hinweise auf den tatsächlichen Einsatz einer Schusswaffe gab es zunächst nicht. 24 Stunden und 30 Minuten später ging gegen 0.45 Uhr am Sonntagmorgen der nächste Alarmruf ein. Wieder sollten Schüsse gefallen sein, wieder waren die Beamten des Polizeireviers Borna die ersten, die den Tatort sicherten, ehe das Operative Abwehrzentrum Sachsen, zuständig für Extremismus, dann die weiteren Ermittlungen übernahm.

 

 

Hotelbetreiber Wolfgang Seifert war gestern zu keiner Stellungnahme zu den Vorfällen bereit. Vor dem Hotel herrschte scheinbar friedlicher Alltag. Ein Bediensteter fegte vor dem Haus, eine Gruppe Asylbewerber saß auf Garten­stühlen in der Sonne. Allerdings warteten auch mehrere Medienvertreter vor dem Gebäude und ein Streifenwagen der Polizei rollte an.

 

 

Etwa zur selben Zeit telefonierte Böhlens Bürgermeisterin Maria Gangloff (Linke) mit dem Leipziger Polizeipräsidenten Bernd Merbitz. Und berichtete dem zuerst von der neuerlichen Informationspanne. Denn von den Anschlägen am Wochenende in ihrer Stadt erfuhr die Bürgermeisterin erst gestern bei ihrem wöchentlichen Treffen mit den Betreuern der Asylbewerber, an dem diesmal auch Seifert teilnahm, der sie fast beiläufig über die Vorfälle informierte. Nach dem Gespräch mit Merbitz geht Gangloff davon aus, "dass es sich nicht um scharfe Schusswaffen" handelte. Dennoch sieht sie mit den Anschlägen, bei denen auch Menschen hätten verletzt werden können, "eine Stufe der Eskalation" erreicht. "Das ist kein dummer Jungenstreich, sondern eine gezielte Aktion", sagte sie der LVZ. Vom nächsten Treffen mit dem Vizepräsidenten der Landesdirektion, Vertretern der Polizei und dem Hotelbetreiber am Freitag erwarte sie genauere Informationen.

 

 

Holm Felber, der Sprecher der Landesdirektion Sachsen, die für den Freistaat die Plätze im Apart-Hotel Böhlen auf unbestimmte Zeit als Erstaufnahmeplätze angemietet hat, äußerte sich gestern zurückhaltend und verwies auf die laufenden Ermittlungen bei der Polizei. Die wollte Fragen zu möglichen Waffen und zum Tathergang aus ermittlungstaktischen Gründen nicht beantworten. Felber: "Falls es tatsächlich ein Anschlag mit Schusswaffen war, steckt dahinter eine kriminelle Energie, gegen die man machtlos ist."

 

 

Juliane Nagel, Flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken im sächsischen Landtag, urteilte schneller: "Wieder wird in Sachsen eine neue, erschreckende Stufe der Gewalt gegen Geflüchtete erreicht. Gleichzeitig forderte sie von der Regierung, "für die Sicherheit an Unterkünften von Asylsuchenden zu sorgen".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2015
André Neumann

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