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Warme Sachen bleiben Ladenhüter: Wetter vermiest Händlern in Borna das Geschäft

Bilanz auf dem Weihnachtsmarkt Warme Sachen bleiben Ladenhüter: Wetter vermiest Händlern in Borna das Geschäft

Der Bornaer Weihnachtsmarkt wuchert mit der Dauer. Vom ersten bis zum vierten Advent geöffnet, gehört er zu den längsten im Landkreis. Die Händler wissen das zu schätzen, weil es dabei in der Kasse klingelt. Aber in diesem Jahr blieben sie auf warmer Kleidung sitzen. Denn der Markt ist ein Hot Spot für Internet-Nutzer.

Ladenhüter in diesem Jahr: warme Schuhe.

Quelle: Roger Dietze

Borna. Das Jahr 2015 im Allgemeinen und sein letzter Monat im Besonderen gehen in die meteorologischen Geschichtsbücher ein. Der Dezember brachte rekordverdächtige Temperaturen. Kein zwölfter Monat war seit Beginn der Wettersaufzeichnung wärmer. Eine Entwicklung, die Frostbeulen entgegenkommen mag. Den mit wärmenden Textilien handelnden Geschäftsleuten treibt das Wetter jedoch die Sorgenfalten auf die Stirn.

Mützen- und Schalhändler Manfred Grohmann ließ sich zwar auch an den letzten beiden Wochenendtagen des diesjährigen Bornaer Weihnachtsmarktes seine Sorgen vor seiner spärlich erscheinenden Kundschaft nicht anmerken. Angesichts spärlich gefüllter Kassen spricht er allerdings Klartext. „Nein, das war in diesem Jahr garnix“, so der 44-jährige Bornaer mit indischen Wurzeln. Seit mittlerweile gut zehn Jahren halte er dem Weihnachtsmarkt die Treue, aber einen solch schlechten Umsatz habe er noch nie gehabt. „Selbst wenn es in den nächsten Wochen kälter werden sollte, werde ich den Verlust im Weihnachtsgeschäft nicht wieder aufholen können.“

Ein ähnlich negatives Resümee muss Sockenhändlerin Carola Fritz aus der Nähe von Zeitz ziehen. „Ich hatte befürchtet, nicht genügend Schafwollsocken geordert zu haben, jetzt bin ich auf ihnen ebenso wie auf den anderen warmen Socken sitzengeblieben“, klagt die Sachsen-Anhaltinerin, die seit knapp 30 Jahren auf dem Bornaer Weihnachtsmarkt präsent ist. „Gemessen am Umsatz des 2013er Weihnachtsmarktes liegt der diesjährige um gut 50 Prozent niedriger“, so Fritz, die trotz dieser sie unmittelbar tangierenden Auswirkungen des Klimawandels die Situation einzuordnen weiß. „Was ist mein Sockenproblem gemessen an den Problemen der Wintersportorte oder gar an denen jener Menschen, die ihre Heimat aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels verlassen müssen?“

Des einen Leid ist des anderen Freud: Schausteller Karl-Heinz Haselbauer, der traditionell mit seiner Schaukel in Borna vertreten ist, profitiert von den milden Temperaturen. „Dass die wenig winterlichen Rahmenbedingungen für die Umsätze meiner Händlerkollegen nicht unbedingt förderlich sind, ist mir durchaus bewusst. Ich muss allerdings gestehen, dass sich das freundliche Wetter positiv sowohl auf die Verweildauer der Kinder auf der Schaukel als auch auf die Frequentierung in den Abendstunden ausgewirkt haben“, so der Leipziger Schausteller, der die guten Umsätze in diesem Jahr für als Ausgleich für schwere Jahre betrachtet, die er mit seiner Firma habe überstehen müssen. „Ende der 90er Jahre wollte ich die Sache schon hinschmeißen, weil es kaum noch Kinder gab.“

Hinschmeißen nach 13 Jahren, in denen sie dem Bornaer Weihnachtsmarkt die Treue hält, ist hingegen für Nadja Danz vom Ferienpark Thümmlitzsee nahe Grimma kein Thema. Trotz der Tatsache, dass die 30-Jährige unter anderem mit Glühwein handelt. „Wir hatten auch weißen Glühwein im Angebot, der nicht ganz so schwer ist und deshalb auch bei milderen Temperaturen ganz gut läuft.“

Weder die Temperaturen noch den fehlenden Schnee macht ein Händler mit ausländischen Wurzeln verantwortlich für das schleppende Geschäft auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt. Seinen Angaben zufolge hätte die Atmosphäre nicht gestimmt. Ohne seinen Namen angeben zu wollen sprach er von dem Hot Spot für kostenlose Internet-Nutzung auf dem Mark. Einige Händler hätten sich vergeblich bei der Stadtverwaltung über das Angebot beschwert, nachdem es den Markt zum Tummelplatz für Internetsurfer gemacht hat. „Das Benehmen einiger diesen Hot Sport für ihre Smartphones nutzenden Flüchtlinge war der Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt ganz sicher nicht zuträglich.“

Von Roger Dietze

Borna, Markt 51.1230889 12.4967818
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