Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Was Stadtführerin Sabine Raabe Besuchern in Borna erzählt
Region Borna Was Stadtführerin Sabine Raabe Besuchern in Borna erzählt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:04 25.04.2018
Eine Stadtführung durch Borna kann überraschen – zum Beispiel in der Roßmarktschen Straße. Da gab es früher eines der vier Stadttore. Heute befindet sich hier zumindest zum Namen der Straße passend noch eine Rossschlächterei. Der Ursprung der Benennung liegt allerdings ganz woanders. Quelle: Andreas Döring
Borna

Wer bisher dachte, die Roßmarktsche Straße in Borna leitet sich von einem ehemaligen Pferdemarkt an diesem Ort ab, ist auf dem Holzweg. Der Name erinnert vielmehr an eine Opferstätte aus der Zeit der slawischen Besiedlung der heutigen Stadt Borna vor etwa 1000 Jahren. Das erfahren Teilnehmer einer Standard-Stadtführung mit Sabine Raabe. Die 69-Jährige muss es wissen, weil sie seit 20 Jahren Auswärtige und interessierte Einheimische durch Borna führt. Sie hat es sozusagen gelernt, Borna auf eine Weise touristisch zu vermarkten, wie es wohl selbst eingefleischte Lokalpatrioten kaum könnten.

Gästeführerin Sabine Raabe. Quelle: Nikos Natsidis

Dabei lässt sich nicht behaupten, dass Borna von der Art ist, dass Besucher allein wegen der Schönheit der Stadt den Weg an die Wyhra finden. „Echte Touristen verirren sich nicht nach Borna“, sagt die studierte Ingenieurin für Bergbau, die in den 90er-Jahren auf der Suche nach einem beruflichen Neuanfang eine ordentliche Ausbildung als zertifizierte Gästeführerin absolviert hat. Wer Führungen bei Sabine Raabe, persönlich oder auch über die Tourist-Information in der Alten Wache, bucht, ist in der Regel aus einem anderen Grund in der Stadt gelandet. Zum Beispiel die Mitarbeiter des Landratsamtes, die aus Grimma nach Borna kamen und ihren neuen Arbeitsort auf diese Weise kennenlernen wollten. Oftmals aber ist die Runde mit der Gästeführerin, die schon zu DDR-Zeiten im Braunkohlenwerk Borna als Leiterin der Frauengruppe in der Gewerkschaft auch vor Besuchergruppen bestehen musste, der kulturelle Höhepunkt bei Familienfeiern. Dann führt Sabine Raabe etwa nach dem Mittagessen oder vor dem abendlichen Schmaus 15, 20 Leute für anderthalb Stunden durch Borna.

Was sie den Teilnehmern dann präsentiert, kann sich nicht nur sehen lassen. Es ist schlichtweg erstaunlich, welche Geschichten hinter Gebäuden stecken oder an Orten zu finden sind, die der Durchschnitts-Bornaer hunderte Male passiert hat. Oder hätten Sie gewusst, was und wo in Borna der „Ölturm“ war. Es handelt sich um eins der vormals vier Bornaer Stadttore, das sich einst an der Ecke Roßmarktsche Straße/An der Mauer befand und seinen Namen deshalb hatte, weil darin das Öl für die städtische Straßenbeleuchtung gelagert wurde. Später erinnerte eine Gaststätte mit dem Namen „Zum Ölturm“ daran. Nur eine von vielen neuen Informationen, die auch den meisten Leuten mit langer Lebenszeit in Borna neu sein dürften.

Vor allem aber beeindruckt, wie aus dem Munde der Gästeführerin Raabe bekannte Bilder eine völlig neue Dimension bekommen. Etwa der Martin-Luther-Platz. „Der einzige Kirchplatz in Deutschland mit einer spätgotischen Stadtkirche und einer romanischen Dorfkirche“, auf den die Bornaer „noch nicht stolz genug sind“. Ganz abgesehen von der weltberühmten Umsetzung der Emmauskirche.

Am Martin-Luther-Platz in Borna: Mit dem Umzug der Emmauskirche aus Heuersdorf stehen jetzt dort zwei Kirchen friedlich nebeneinander. Hier ein Blick aus dem Nordeingang der Stadtkirche auf Emmaus. Quelle: Andreas Döring

Oder die Dinterschule: „War nach ihrer Bauzeit 1876 die größte Bürgerschule Sachsens.“ Dass die Teilnehmer einer Stadtführung gewissermaßen en passant erfahren, dass Borna dank Urban Kreutzbach und seinen Nachfolgern eins der Zentren des Musikinstrumentenbaus war, geht da fast schon unter. Immerhin: Einer der Söhne des berühmten Orgelbauers, Julius Kreutzbach, stellte später in einer eigenen Klavierfabrik Instrumente her, von denen eins immerhin beim King of Rock ’n’ Roll, bei Elvis Presley landete.

Dass Borna eine Station des sächsischen Lutherweges ist, kann eine Fremdenverkehrsexpertin wie Sabine Raabe nur begrüßen. Der Stellenwert des Themas Tourismus habe sich in den letzten Jahren in jedem Fall verbessert, „und es ist gut, dass Borna auch Mitglied des Fremdenverkehrsverbandes Kohrener Land ist“. Der trägt mittlerweile den offiziellen Namen „Tourismusverein Borna und Kohrener Land“, und die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) gehört zum Vereinsvorstand. Sabine Raabe: „Ich bin stolz, dass sich die erste Frau in Borna dafür engagiert.“

Weil es unter dem Strich auch positive Auswirkungen auf das Interesse an Stadtführungen in Borna hat. Bei denen erfahren die Teilnehmer am Ende, woher sich der Name der Roßmarktsche Straße ableiten lässt. Die Gästeführerin, die auch Besucher auf Führungen außerhalb von Borna, im Neuseenland, betreut: „Der Name geht auf ein pferdeähnliches Gebilde zurück“, das offenkundig bei heidnischen Opferfeiern in der Zeit der Slawen zu sehen war.

Von Nikos Natsidis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein vertrauliches Dokument des Landkreises Leipzig sorgt derzeit für Aufsehen in den sozialen Netzwerken. Noch ist unklar, wer die Kopie eines Leistungsbescheides abfotografiert und ins Internet gestellt hat. Laut dem Schreiben stünden einer zehnköpfigen Flüchtlingsfamilie monatlich angeblich 7345 Euro vom Staat zu – doch diese Summe bekommt sie nicht tatsächlich.

06.02.2018

Das Landesverwaltungsamt in Weimar lehnte im Herbst vergangenen Jahres die Wiederinbetriebnahme des Heizkraftwerks Meuselwitz-Lucka ab. Dagegen zog die Eigentümerin der Anlage vors Verwaltungsgericht. Doch die Sache hat sich jetzt erledigt.

09.02.2018

Ab 1. Juli 2018 gilt auf allen Bundesstraßen in Deutschland die Lkw-Maut. Sachsenweit errichtet die Firma Toll Collect 56 Mautsäulen, um die Brummis zu kontrollieren. Auch im Landkreis Leipzig sind fünf der auffälligen Stelen geplant.

22.02.2018