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Borna Wasserwagen folgt Mähdreschern im Landkreis Leipzig
Region Borna Wasserwagen folgt Mähdreschern im Landkreis Leipzig
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00:26 26.07.2018
Der Mähdrescher zieht eine Staubwolke hinter sich. Die Ernte ist in diesem Jahr eine Hitzeschlacht. Quelle: Frank Schmidt
Landkreis Leipzig

Die Sonne steht hoch und brennt erbarmungslos die Felder nieder. Landwirte haben in diesen Tagen eine schwere Last zu tragen. Die anhaltende Trockenheit beschert ihnen notreife Früchte mit Verlusten – die Ernte ist mehr eine Hitze- und Materialschlacht. Schlimmer noch ist die ständige Angst im Nacken, jeden Moment könnte auf den Feldern das noch nicht abgeerntete Korn in Flammen aufgehen. Flächenbrände gab es in den vergangenen Tagen genug.

Flächenbrand in Fremdiswalde verhindert

“In Fremdiswalde hatten wir neulich ganz großes Glück“, erzählt Steffen Richter, Chef der Nerchau-Mutzschener Agrar und Service Gesellschaft mit Sitz in Mutzschen. „Ein Drescherfahrer hatte eine kleine Qualmwolke beobachtet. Kurz darauf loderten bereits Flammen auf. Die ersten Minuten sind dann entscheidend. Aber dank unserer Einsatztechnik – dazu gehört auch ein Wasserwagen mit 16 000 Liter Wasser – konnten wir den ersten Löschangriff erfolgreich starten. Den Rest haben die Feuerwehren übernommen“, sagte Richter und schob ein dickes Lob nach. „Die Große Kreisstadt Grimma mit ihren Feuerwehren ist perfekt ausgerüstet. Sehr gute Technik, top ausgebildete Leute – das zahlt sich in so einer Situation einmal mehr aus.“

Ansonsten, so bilanziert der Landwirt, sei sein Agrarbetrieb bisher von Bränden verschont geblieben. Wird es noch heißer, wolle er die Ernte unterbrechen. „Die Sicherheit meiner Leute geht vor. Wenn es hier richtig anfängt zu brennen, können die gar nicht so schnell rennen. Und wenn, dann wohin? Bei ungünstigem Wind ist das Feuer schneller – kreuzgefährlich.“ Immerhin sind 1200 Hektar zu beackern. Raps, Weizen und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen und damit bestes Futtergetreide.

Bauern bringen notreifes Getreide ein

Mähdrescher bringen notreifes Getreide ein. Quelle: Frank Schmidt

Weniger gut sind die Erträge. Die massiven Ernteausfällen, die der Trockenheit geschuldet sind, bereiten den Landwirten riesigen Verdruss. Die Mähdrescher bringen notreifes Getreide ein. Die Ernte muss mit reichlich Wasser begleitet werden. Auffallend ist, dass die Mähdrescher, sofern sie in den großen Staubwolken überhaupt erkennbar sind, immer nur parzellenweise dreschen. Dicht gefolgt von einem Traktor mit Scheibenegge, um sofort einen Feuerschutzstreifen zu ziehen. Alles zum Schutz der Ernte und zwecks Schadensbegrenzung für den Fall der Fälle.

„So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“, sagt Yvonne Kern, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Borna/Geithain/Leipzig mit Blick auf die seit vielen Wochen anhaltende extreme Trockenheit. Die Erträge bei Getreide seien schlecht, den Viehhaltern mangele es an Futter. „Die bisher größten Einbußen sind beim Raps zu verzeichnen. Die Körner sind aufgrund des Wassermangels viel zu klein.“ Die Getreideernte laufe bereits, habe in der Leipziger Region zwei bis drei Wochen eher begonnen als üblich. Die Ausbeute sei nicht gut, sagt Kern: „Möglich aber, dass es sich beim Weizen vielleicht noch fängt.“

Viehhalter schlagen Alarm: Futter knapp

Für die Betriebe, die Vieh hielten, stünden die Zeichen aber schon jetzt auf Alarm. „Es fehlt an Futter. Der Mais steht schlecht, er wächst nicht. Das kann richtig prekär werden, weil später die Silage fehlt. Da sind wir gefragt, uns untereinander zu helfen.“ Der Sächsische Landesbauernverband habe deshalb eine Börse für Futtermittel initiiert. „Wer Futter hat, kann das Angebot einstellen. Vor allem Bauern aus dem Erzgebirge und dem Vogtland bieten hier bereits an“, so Kern. In Nordsachsen hätten erste Betriebe bereits notgedrungen ihren Tierbestand reduziert. „Das ist die logische Konsequenz.“ Im Landkreis Leipzig sei das – jedenfalls aktuell - nicht der Fall.

Wie gravierend all das die Preise beeinflusse, darüber lasse sich allenfalls spekulieren, so die Geschäftsführerin. Daran werde sie sich nicht beteiligen. „Entscheiden ist, dass die Wirtschaftlichkeit der Betriebe gewährleistet bleibt.“ Da gebe es noch ein bisschen Luft. Zudem hätten Unternehmen die Möglichkeit, beim sächsischen Landwirtschaftsministerium eine Notstandsbeihilfe zu beantragen.

Höchste Konzentration in der Fahrerkabine

Trotz der Staubwolken, die Mähdrescher während der Ernte aufwirbeln, bleibt die Situation in den Fahrerkabinen entspannt. Die modernen Argrafahrzeuge sind von Lärm und Staub gedämmt, gut klimatisiert und haben Autoradio. Doch das bleibt zumeist leise oder ganz aus. Denn trotz Komfort ist der Job der Erntekapitäne hart. Höchste Konzentration auf das eigene Gefährt ist gefordert und zusätzlich immer ein Blick auf die vorausfahrende Technik. Aber auch und besonders auf den Traktorzug mit zwei Hängern, der parallel zum Mähdrescher rollt und während der Fahrt die etwa sechs Tonnen goldene Fracht aufnehmen muss. Die notwendige Kommunikation erfolgt per Funk.

„Ich mache das schon seit 22 Jahren, habe Landwirt von der Picke auf gelernt“, erzählt Mario Eisermann. Der 38-Jährige habe es nie bereut. Und dass er gerade im Sommer mehr auf dem Drescher statt auf der Hollywoodschaukel sitzt, habe er von Anfang an gewusst, sagt er und ist davon überzeugt, auch im Namen seiner vielen Kollegen in der Landwirtschaft zu sprechen.

Von Frank Schmidt und Ekkehard Schulreich

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