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Borna Wehmütiger Abschied vom Lymu
Region Borna Wehmütiger Abschied vom Lymu
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14:17 19.05.2015
Abschied vom lyrisch-musikalischen Abend: Für eine stimmungsvolle Atmosphäre wurden die Sänger und Rezitatoren in warmes Licht getaucht. Quelle: Nicole Ratghe-Scholz

Ein Zeichen? Es herrschte nicht wie in den vergangenen Jahren lediglich Vorfreude auf das Kommende, sondern diesmal auch etwas Wehmut. Denn der lyrisch-musikalische Abend fand zum letzten Mal statt.

Für diesen letzten Akt hatten sich die Macher und Erfinder des Projektes, Musiklehrerin Simone Müller und Deutschlehrerin Ingrid Reichenbach, etwas Besonderes ausgedacht. Es waren auch alle, die einst bei diesem Programm mitgewirkt haben, eingeladen worden, als Sprecher, Chorsänger oder Solist aufzutreten. Dieser Offerte kamen einige nach. So auch Sylvia Ziegler, die mittlerweile als Opernsängerin agiert. "Ich mache der guten alten Zeiten wegen mit." Markus Drechsel, der in München als Patentanwalt agiert, ließ sich diese Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen. "Ich bin erstaunlich aufgeregt, genau wie früher. Aber ich fühle mich auch gleich zehn Jahre jünger, zurückversetzt in die Zeit von damals", schmunzelte der sympathische 31-Jährige.

Die Aula war nicht nur mit zahlreichen Rollplakaten geschmückt, die in Wörtern und Zahlen die jährlichen Themen des Programms festhielten, sondern es gab auch eine Fotoausstellung, die alle Gäste magisch anzog. Denn die Chance war groß, sich auf den Bilder zu entdeckten.

Mit dem Song "Speed of Sound" eröffnete der Oberstufenchor unter Leitung von Simone Müller den über zweistündigen Abend und sorgte für Gänsehautstimmung in der Gymnasiumsaula. Moderator und Rezitator Markus Drechsel ließ die letzten Jahre Revue passieren und sprach von den Anfängen des unter den Schülern Lymu genannten Kultur-Abends. Er war ein Projekt am damaligen Pestalozzi-Gymnasium, bei dem am Anfang niemand wusste, wie es ankommen würde, Lyrik und Musik zu verbinden und vorzutragen. Doch wie sich herausstellte, gab es ein dankbares Publikum, das genau das sehen und hören wollte. Jedes Jahr eine ausverkaufte Aula sprachen für sich.

Das Programmheft enthielt den Hinweis, dass während der Aufführung nicht applaudiert werden solle. Dies war in jedem Jahr so, auch wenn es stets schwer fiel. Doch vorgestern hielt sich niemand an die Bitte. Bei den zahlreichen Soloauftritten, zum Beispiel bei der Darbietung von Sebastian Kluge zu "Walking on Memphis" und dem von Erik von Rein interpretierten "Cold as Ice", gab es kein Halten. Der Applaus und die Jubelpfiffe erfüllten den Saal.

Ein Höhepunkt für alle Schüler war der Auftritt von Oberstufenberater Bernd Hösler und seinem Kollegen, dem Fachlehrer für Englisch und Deutsch Hendrik Fromm. Sie begeisterten das Publikum mit ihren Stimmen zu "Come together".

Neben den perfekt musikalisch aufgeführten Stücken sorgten die selbst geschriebenen Gedichte für Nachdenklichkeit und Stille im Raum. Die lyrischen Passagen waren zum einen traurig, aber auch witzig und einfach nur ehrlich. Die Sprecher artikulierten die Gefühle und Gedanken von Schülern mit einer Sanftheit und Eindringlichkeit auf höchstem Niveau.

"Es war toll, Gedichte aus den vergangenen Jahren wiederzuerkennen. Das erinnerte einen sofort an seine eigene Schulzeit. Aber irgendwie war es auch nostalgisch. Schade, dass es den Lymu nicht mehr gibt", bedauerte Susanne Sander. Auch Jenny Hettwer, die die letzten Jahre für einen reibungslosen Einlass zum lyrisch-musikalischen Abend sorgte, ist traurig. "Es war immer ein fester Bestandteil im Jahr. Ich habe mein Abitur zwar schon 2006 gemacht, aber der Lymu war immer ein Anlass, nach Borna zu kommen", erzählte die Erzieherin.

Nach minutenlangem Applaus verkündete Simone Müller noch, dass der Oberstufenchor natürlich erhalten bleibe, jedoch auf einer anderen Plattform in Erscheinung treten werde.

Nicole Rathge-Scholz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2014
Nicole Rathge-Scholz

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