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Weinanbau spielte in Borna einst eine herausragende Rolle

Wein-Lese-Zeit beschäftigt sich mit genussvoller Historie Weinanbau spielte in Borna einst eine herausragende Rolle

Dass Borna als Zwiebelstadt gilt, weil das Gemüse einst hier angebaut wurde, wissen die meisten Stadtbewohner. Fast unbekannt hingegen ist, dass hier im Mittelalter auch Wein angebaut wurde, der Stadtrat gar einen Winzer beschäftigte. Die Wein-Lese-Zeit im Geschäft Kügler hat sich kürzlich mit der Bornaer Wein-Geschichte befasst.

Für Zwiebeln ist Borna bestens bekannt. Doch Borna kann sich auch rühmen, einst Weinanbaugebiet gewesen zu sein. Was heute der Lutherschluck, war im Mittelalter die Bornaer Traube.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Als Zwiebelstadt ist Borna nicht nur den Einheimischen ein Begriff, sondern auch den nicht in der Kreisstadt ansässigen Bewohnern des Landkreises. Einst dominierte wirtschaftlich die Landwirtschaft, besonders der Anbau von Zwiebeln, was der Stadt den Spitznamen „Zwibbel-Borne“ einbrachte. Was kaum jemand weiß und auch nur spärlich in der Literatur auftaucht, ist die Tatsache, dass in Borna während des Mittelalters auch Wein angebaut worden ist. Gegenwärtig erinnern unter anderem die Wein-Lese-Zeit im Geschäft Kügler und der Straßenname Am Weinberg im Bornaer Stadtteil Zedtlitz an die rebenvolle Geschichte.

„Ende des Mittelalters besaß der Bornaer Stadtrat mehrere Weinpflanzungen und Weinberge“, zitierte die frühere Mediotheksleiterin Elvira Pertermann aus den Heimatblättern des Jahres 1996 bei der Wein-Lese-Zeit. Sie unterstützte Geschäftsinhaberin Kristina Kügler an den Abenden im Oktober, als es darum ging, Weine zu verkosten und so ganz nebenbei noch Anekdoten und Historisches rund um Reben und Wein zu erzählen. „Und dass hier in Borna Wein angebaut wurde, war auch uns neu“, sagte Pertermann, die gemeinsam mit ihrem Mann so manchen Rebstock im Garten ihr Eigen nennt. Nachgewiesenermaßen habe es Weinberge in Trages, Gestewitz und Zedtlitz gegeben.

Der Ursprung reicht jedoch genau genommen nach Pegau zurück, wo die Geistlichkeit und die Benedektiner-Mönche den Weinbau begünstigten. Das süffige Getränk diente zur damaligen Zeit vorrangig der Selbstversorgung, also als Mess-Wein, aber auch als therapeutisches Mittel bei allerhand Wehwehchen. Allerdings erkannten die Mönche laut Chronist Tylo Peter, der sich in den Heimatblättern mit dem Thema befasste, im Wein ein riesiges Potenzial, um die Kassen der Klöster aufzubessern. Viele Pegauer Mönche besaßen in und rund um Borna große Gebiete, bauten Reben an und verkauften den Wein schließlich auch an das „normale“ Volk. „Er wurde schnell zu einer einträglichen Geldquelle für die Klöster“, erzählte Pertermann. Auch der Bornaer Stadtrat profitierte später von seinen Besitztümern, so dass die Stadt für Gestewitz gar einen eigenen Winzer anstellte. Zudem hatte sich die Stadt das Vorkaufsrecht für Weinberge gesichert, sollte ein Bornaer zwar Weinstöcke, aber zugleich Schulden haben. Ziel war es, den Besitz an Weinbergen zu vergrößern.

Der Reformator Martin Luther kann ebenfalls als Beleg dafür herhalten, dass Borna teilweise vom Weinanbau lebte. In einem Brief an den Geleitsmann Michael von der Straßen bat er diesen: „Grüßt mir Eure Reben und Trauben“. Luther müsse in den Jahren zuvor, als es ihn immer wieder nach Borna zog, der Wein sehr gemundet haben, „sonst hätte er den Gruß wohl nicht ausgerichtet“, ist sich Kügler sicher. Ein anderer Hinweis auf die „Weinstadt Borna“ findet sich laut Chronist Tylo Peter in zahlreichen Ausgabeposten für den Kauf von Weinpfählen.

Von diesem Teil der Historie ist kaum etwas in Erinnerung geblieben. Während die Zwiebel in aller Bornaer Munde ist, muss der Wein mit einer Randnotiz Vorlieb nehmen. Das allerdings ganz zu Unrecht.

Von Julia Tonne

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