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Borna Welle der Hilfsbereitschaft in Pegau
Region Borna Welle der Hilfsbereitschaft in Pegau
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14:21 19.05.2015
Der Aufruf, Michael Riedl aus Pegau zu helfen, führt zu einer riesigen Resonanz bei der Typisierungsaktion. Quelle: Gislinde Redepenning

Die Resonanz auf den Aufruf war überwältigend, im Foyer des Volkshauses warteten rund hundert potentielle Spender geduldig auf eine freie Liege.

"Wir haben unser Personal extra aufgestockt, weil wir mit einem erhöhten Andrang gerechnet haben", sagte Dr. Claudia Lehmann, administrative Laborleiterin am Institut für Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Leipzig. "Unsere Stammzellenspenderdatei ist mit knapp 7000 relativ klein, bundesweit sind fünf Millionen Spender auf 40 Register verteilt. Wir benötigen Stammzellen, um Menschen zu helfen, die an Leukämie oder anderen durch Gen-Defekte hervorgerufenen Blutkrankheiten leiden." Die Suche nach einem passenden Spender gleiche jedoch der nach der Nadel im Heuhaufen, jeder habe ganz individuelle Gewebemerkmale, die es sehr schwer machten, den "genetischen Zwilling" zu finden.

Vier Schwestern, zwei Anmeldekräfte und zwei Ärztinnen kümmerten sich im Akkord um die Spender, die geduldig anstanden. Sie hatten keine Bange vor dem Pieks, im Gegenteil: "Die Leute gehen mit einem Lächeln weg, es ist leichter, als man denkt, in fünf Minuten sind 450 Milliliter abgezapft", sagte Stefan Schleicher, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit. Froh, dass es schnell geht, war Ronny Hentschel aus Kieritzsch, der die ganze Woche unterwegs ist, sich aber trotzdem seit 2007 regelmäßig die Zeit nimmt. Erstmals dabei war Familie Nitzsche aus Pegau. Sohn Marco las den Aufruf. Birgit und Gerd Nitzsche gehörten zu denjenigen, die den Aderlass für einen guten Zweck schon lange geplant hatten. Das ist für Beate Niedzballa aus Pegau seit Jahren selbstverständlich, sie ist sogar schon typisiert. Dass dafür nur Erwachsene bis zum 55. Lebensjahr in Frage kommen, hielt Bärbel und Dieter Martin nicht ab, das Blutspenden an sich sei ebenso wichtig. Peggy Kutzner aus Pegau folgte dem Aufruf, "weil ich gerne helfen will und im Notfall auch gerne möchte, dass mir geholfen wird".

Dr. Gulja Willnauer arbeitet normalerweise im Labor und war eigens für die Typisierungsaktion nach Pegau gekommen, um sich mit einer Kollegin der Voruntersuchungen für die Zulassung zur Blutspende zu widmen. "Es ist beeindruckend, dass die Pegauer so aktiv sind und dass ganze Familien mit erwachsenen Kindern kommen", bemerkte sie mit einem Blick auf die langen Reihen. "Es stehen so viele Kranke auf den Wartelisten, wenn hier ein passender Spender gefunden wird, können die Pegauer ein Stadtfest veranstalten." Auch Nicole Bartke wurde von ihrer Tochter animiert. Leonie ist mit zehn Jahren noch zu jung zum Spenden, das darf man erst ab 18. "Sie kam mit einem Zettel winkend aus der Schule nach Hause und fragte, ob ich mitmachen würde", erzählte die Pegauerin. "Da ich das schon immer einmal vorhatte, bin ich gekommen, gleich mit einer Arbeitskollegin zusammen."

"Das wollten wir schon immer" - dieser Satz viel mehrfach. Die Aktion hatte den letzten Anstoß gegeben, das Vorhaben zu realisieren. Dabei dürfen gerade die Pegauer stolz auf ihre Spendenbereitschaft sein: "Die regelmäßigen Blutspendetermine hier gehören zu unseren liebsten", sagte Stefan Schleicher. Die Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort würde hervorragend klappen.

Wie berichtet, diagnostizierten Ärzte vor zwei Jahren bei Michael Riedl aus Pegau die Knochenmarkserkrankung MPN. In wenigen Wochen erhält der 58-Jährige nun eine Knochenmarkspende und wird gegenwärtig am Uniklinikum Leipzig auf die lebenswichtige Operation vorbereitet. Zwar wurde bereits ein Spender gefunden, jedoch sucht die Familie immer weiter nach Knochenmarkspendern mit noch größerer Übereinstimmung. Daher ruft sie alle Menschen in der Elsterregion sowie darüber hinaus auf, sich typisieren und registrieren zu lassen. "Wir suchen dringend einen passenden Knochenmarkspender für unseren lieben Papa, Opa und Ehemann." Mit diesen Worten wandte sich die Pegauer Familie an die Öffentlichkeit, ließ den Aufruf als Plakat drucken und in sozialen Netzwerken verbreiten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.05.2014
Gislinde Redepenning

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