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Welse und Graskarpfen ein zunehmendes Problem in Bornas Gewässern

Fischerei Welse und Graskarpfen ein zunehmendes Problem in Bornas Gewässern

Wolf-Rüdiger Liebau von Bornas ältestem Anglerverein hat Welse und Grünkarpfen auf dem Kieker. Sie reduzierten den Fischbestand und dürften künftig nicht mehr in den umliegenden Gewässern ausgesetzt werden, so der 74-jährige Angler und Vereins-Chef.

Beim Arbeitseinsatz von Anglern am Elsterflutbecken in Leipzig wird Müll aus dem Gewässer geholt.

Quelle: André Kempner

Borna. Wolf-Rüdiger Liebau ist seit 1971 mit wenigen Unterbrechungen Vorsitzender des ältesten Bornaer Angelvereins, dem Anglerverein 1947. „Der Verein ist eine schöne Sache, man kennt und trifft sich, es ist eine gute Gemeinschaft. Das Fischen ist Erholung und gibt den gewissen Kick, wenn ein Fisch anbeißt“, sagt der 74-Jährige. Doch seit geraumer Zeit plagen den Vorsitzenden Sorgen: Welse und Grünkarpfen vermehren sich rapide und fressen die kleineren Fische und den Schilfbewuchs in und an den Teichen – ein erstzunehmendes Problem, dem man sich annehmen müsse.

„Es gibt einen Fisch bei uns, der über die Jahre gehegt und gepflegt wurde, weil jeder den größten Fisch fangen wollte – das ist der Wels“, sagt Liebau. Dieser habe sich so stark in Borna und Umgebung vermehrt und sei sehr groß geworden, dass es von Seiten des Vereins das Bestreben gebe, Angler anzuweisen, gefangene Welse nicht wieder vom Haken zu lassen, sondern mit nach Hause zunehmen. Ausgewachsene Welse können bis zu 140 Pfund schwer werden. „Solche großen Fische wollten unsere Angler auch bei uns fangen und so setzte der Anglerverein jährlich Welse in den von uns betreuten und nur für Angler zugänglichen Wilhelmschacht ein.“ Auch dort gebe es nun große Welse – ein Mitglied seines Vereins fing bereits einen 90-Pfünder. Das Problem: „Der frisst zunehmend die kleinen Süßwasserfische und jungen Karpfen – ein gefundenes Fressen für den Wels und derzeit ein richtiges Problem“, sagt Liebau. Man sei im Verein eher darauf bedacht gewesen etwas großes zu angeln, als das Problem zu sehen, das diese Fische mit sich bringen. Doch was tun? „Seit geraumer Zeit setzen wir Welse nicht mehr bei uns aus“, sagte der Vorsitzende.

Ähnlich gelagert ist das Problem bei den sibirischen Graskarpfen, die der Verein am Wilhelmschacht einsetzte, damit sie den üppigen Schilfbewuchs reduzieren. „Das Schilf haben die Fische gefressen und zwar so gut, dass mittlerweile der Naturschutzbund die Meinung vertritt, die fressen zu viel weg und dürfen nicht mehr eingesetzt werden.“

Die von Fischzüchter Udo Wolf aufgebrachte Problematik der wachsenden Zahl an Kormoranen, die ebenfalls zu einer Reduzierung des Fischbestands beitragen, sieht Liebau nicht. „Das Problem der Kormorane ist nicht so schlimm, wie dargestellt. Derzeit sieht man in Borna in den Teichen keine Kormorane. Außerdem müssen die Gewässer schon eine gewisse Tiefe haben, dass die Vögel richtig tauchen können.“ In den Flüssen Wyhra und Pleiße habe er nur wenige Exemplare gesehen.

Streitpunkt sind derzeit für die Angler des Bornaer Vereins die reduzierten Angelstellen am Witznitzer See. „Eine große Schwierigkeit ist es, dass man dort nur noch von bestimmten Stellen vom Ufer aus angeln kann oder auf dem See mit einem Ruder- oder Batterie betriebenen Boot.“ Der Transport der Boote dorthin sei jedoch schwierig, ebenso könnten die Boote in der Nacht, wenn es keine Aufsicht gebe, gestohlen werden. „Da wünsche ich mir eine Veränderung“, sagte Liebau.

Für den 8. Oktober ist zusammen mit anderen Anglern des Vereins geplant, am Wilhelmschacht Müll zu entsorgen und einen neuen Steg anzulegen, von dem aus besser geangelt werden kann. Außerdem soll der Weg begradigt und Sand und Steine verbaut werden, um künftig näher an den See mit dem Auto heranfahren zu können. Ab 1. Januar 2017 werden darüber hinaus die Schließsysteme an den Schranken der Anglergewässer erneuert. „Der Schlüssel hat einmal für ganz Sachsen sieben Euro gekostet. Ab Januar kostet der neue Schlüssel 17 Euro pro Angler“, sagt Liebau.

Von Oliver Becker

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